Gespräch im Rathaus: Anwohner schildern Sorgen
Die Riedlandschaft zwischen den Feldkircher Stadtteilen Tisis und Tosters zählt zu den wichtigsten Grünräumen der Stadt. Genau hier ist eine Deponie für Aushubmaterial geplant – ein Vorhaben, das bei Betroffenen auf Widerstand stößt. Am Montag trafen sich sechs Anrainer mit Bürgermeister Manfred Rädler, Vizebürgermeisterin Andrea Kerbleder, dem Tostner Ortsvorsteher Daniel Peter, Stadtrat Bernhard Kiener sowie Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung zu einem Austausch über den aktuellen Planungsstand und die unmittelbaren Auswirkungen auf das Umfeld.
| Teilnehmende | Funktion |
|---|---|
| Manfred Rädler | Bürgermeister Feldkirch |
| Andrea Kerbleder | Vizebürgermeisterin |
| Daniel Peter | Ortsvorsteher Tosters |
| Bernhard Kiener | Stadtrat |
| 6 Anwohner | Betroffene aus dem Riedgebiet |
Sicherheitsrisiko Schulweg und zusätzliche Lkw-Fahrten
Kernpunkt der Einwände ist der erwartete Mehrverkehr durch Baustellenfahrzeuge. Besonders im Fokus steht die Sicherheit von Kindern auf dem Schulweg. Aus Anwohnersicht braucht es verbindliche Betriebszeiten, die Stoßzeiten am Morgen ausklammern. Die Idee: ein Start der Deponieabwicklung außerhalb jener Tagesfenster, in denen viele Kinder zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Ausdrücklich thematisiert wurde außerdem die Herkunft des Aushubmaterials. Anrainer plädierten dafür, das Deponiegut nach Möglichkeit auf Material aus dem Stadtgebiet zu begrenzen, um zusätzlichen, überregionalen Verkehr zu vermeiden.
- Verkehr: Sorge vor erhöhtem Lkw-Aufkommen und daraus resultierenden Gefährdungen.
- Betriebszeiten: Vorschlag, morgendliche Schulwegzeiten von Zufahrten freizuhalten.
- Materialherkunft: Priorisierung von Aushub aus Feldkirch zur Reduktion externer Fahrten.
Stadt prüft, Bezirk entscheidet
Nach Angaben der Stadtverwaltung werden die vorgebrachten Punkte nun fachlich aufbereitet und Gespräche mit dem Projektbetreiber fortgesetzt. Ziel ist es, Verbesserungen im Sinne der Anrainer zu erreichen und den Naturschutz im Ried im Blick zu behalten. Gleichzeitig macht das Rathaus keinen Hehl aus den begrenzten Einflussmöglichkeiten im Genehmigungsverfahren. Die Bezirkshauptmannschaft ist hier die entscheidende Stelle. Bürgermeister Rädler hielt fest:
„Die Einflussnahme der Stadt zur Verhinderung der Deponie trotz Beschwerde an die Bezirkshauptmannschaft ist relativ gering, da die BH die Bewilligungsbehörde ist“
Damit ist klar: Die Bewertungen der Fachstellen und die Entscheidung der Bezirksbehörde geben die Richtung vor. Die Stadt kann Anliegen bündeln, prüfen und an den Betreiber herantragen – die rechtlich verbindliche Bewilligung liegt jedoch auf Bezirksebene.
Zwischen Erholungswert und Entsorgungsbedarf
Das Ried ist mehr als ein Landschaftsbild: Es dient vielen Feldkircherinnen und Feldkirchern als Erholungsraum. Zugleich stellt die regionale Bauentwicklung die Frage, wohin mit unbelastetem Aushubmaterial. Diese Zielkonflikte prallen im aktuellen Verfahren sichtbar aufeinander. Für die Bevölkerung steht dabei die Verkehrssicherheit im Alltag im Zentrum, während im Verfahren zusätzlich Umweltaspekte, Naturschutz und betriebliche Erfordernisse zu berücksichtigen sind.
Nächste Schritte und was jetzt wichtig ist
Nach dem Treffen will die Stadt die Anliegen der Anrainer in weitere Abstimmungen mit dem Betreiber einbringen. Maßgaben wie eine Anpassung der Betriebszeiten oder eine Priorisierung von Material aus dem Stadtgebiet stehen auf der Liste der Gesprächspunkte. Für die betroffenen Haushalte bleibt entscheidend, ob sich verbindliche, kontrollierbare Lösungen finden lassen, die das Risiko auf den Schulwegen mindern und die Belastung durch Schwerverkehr begrenzen.
Gleichzeitig ist festzuhalten, dass – unabhängig vom Ausgang – die Bezirkshauptmannschaft als Bewilligungsbehörde den gesetzlichen Rahmen setzt. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Relevante Einwände sollten strukturiert und fristgerecht in das Verfahren eingebracht werden, damit sie bei den behördlichen Abwägungen berücksichtigt werden können. Die Stadt will die eingebrachten Themen laut eigenen Angaben fachlich klären und in den Dialog mit dem Projektbetreiber tragen.
Politische Erwartungen und Realität
Im Vorjahr hatte Bürgermeister Rädler im Gemeindewahlkampf angekündigt, das Deponieprojekt zu verhindern. Nach seinem Wahlsieg kommunizierte er, das Vorhaben sei eingestellt. Heute verweist das Rathaus auf die begrenzten Einflussmöglichkeiten im formellen Verfahren. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie stark Planungsfragen von Kompetenzen und Verfahrensrecht abhängen – und dass kommunale Signale ohne behördliche Entscheidung auf Bezirksebene keine abschließende Wirkung entfalten.
Für den Bezirk Feldkirch ist die weitere Entwicklung im Ried damit mehr als ein technischer Vorgang: Es geht um das Gleichgewicht zwischen Alltagssicherheit, Naturräumen und den praktischen Notwendigkeiten der Bauwirtschaft. Ob und wie dieses Gleichgewicht hergestellt werden kann, entscheidet sich in den nächsten Schritten zwischen Stadt, Betreiber und Bezirk.