Richtiges Atmen beeinflusst nicht nur das Leistungsempfinden beim Joggen, sondern kann auch Schmerzen und Stress reduzieren. Forschende in Salzburg untersuchen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Bewegung, Atmung und Herzfrequenz und entwickeln auf dieser Basis ein digitales Werkzeug zur Unterstützung von Läuferinnen und Läufern.
Wissenschaftliche Basis und Forschungsteam
Im Mittelpunkt steht der Sportwissenschafter Eric Harbour, der an der Universität Salzburg tätig ist. Der 35-jährige Forscher bringt Erfahrungen als Leistungssportler, Trainer und Physiotherapeut mit und forscht transdisziplinär gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft Salzburg Research im europäischen Projekt „Next Level of Digital Motion in Sports, Fitness and Wellbeing“. Ziel ist es, Grundlagen zu schaffen, wie Atmung unter Belastung reagiert und wie sie gezielt beeinflusst werden kann.
Warum Atemfrequenz wichtiger sein kann als Atemtiefe
Atmung klärt sich entlang zweier Parameter: Atemfrequenz und Atemtiefe. Harbour und seine Kolleginnen und Kollegen legen den Fokus auf die Frequenz, weil sie sich schneller und bewusster steuern lässt. Während die Tiefe des Atemzugs oft automatisch reguliert wird, kann die Zahl der Atemzüge pro Minute aktiv verändert werden — mit Auswirkungen auf das Nervensystem und die Wahrnehmung von Belastung.
„Wir verstehen noch nicht vollständig, wie sich die Atmung bei Belastung verändert und wie wir sie gezielt optimieren können“,
so beschreibt Harbour den Forschungsbedarf. Ein wichtiger Ansatz: langsamer atmen statt tiefer. In Ruhe gelten weniger als 10 Atemzüge pro Minute als langsam; beim Laufen liegt die typische Bandbreite, abhängig von der Fitness, bei etwa 20 bis 30 Atemzügen.
Praxisrelevanz und digitale Unterstützung
Die Forschung mündet in eine praktische Anwendung: Mit der App „RunRhythm“ sollen Läuferinnen und Läufer Anleitungen zur Atemsteuerung erhalten, um Schritt-, Atem- und Herzfrequenz besser aufeinander abzustimmen. Hintergrund ist auch ein relevanter Befund, wonach bis zu 40 % der Laufenden über Atemprobleme berichten — ein Signal, dass Trainings- und Technikfragen viele betreffen.
- Forschungsansatz verbindet Biomechanik, Physiologie, Psychologie und Neurologie.
- Atemfrequenz lässt sich bewusster steuern als Atemtiefe.
- Digitale Tools sollen Atemmuster in Echtzeit unterstützen.
Folgen für Sportpraxis und Gesundheitsvorsorge
Für Trainerinnen und Trainer wie auch für Freizeitsportlerinnen und -sportler bedeutet das: Atemtechnik sollte Teil von Trainingskonzepten sein. Die gezielte Steuerung der Atemfrequenz kann helfen, Stressreaktionen zu mildern und das Laufgefühl zu verbessern. Zugleich bleiben viele Fragen offen; die Forschung legt Wert auf evidenzbasierte Empfehlungen statt pauschaler Ratschläge.
| Aspekt | Wert / Hinweis |
|---|---|
| Atemzüge/Minute (Ruhe) | <10 |
| Atemzüge/Minute (Laufen) | 20–30 (je nach Fitness) |
| Anteil mit Atemproblemen | bis zu 40 % |
| Wichtiger Forschungsfokus | Atemfrequenz statt Atemtiefe |
Die Ergebnisse aus Salzburg sind vorerst ein Baustein für ein besseres Verständnis der Atemregulation bei Belastung. Für Betroffene und Fachleute gilt: Technik und Trainingsplanung sollten evidenzbasiert und individuell erfolgen; digitale Hilfsmittel wie eine App können unterstützen, ersetzen aber nicht die fachliche Begleitung bei Atemproblemen oder Leistungseinschränkungen.