Eine Krebsdiagnose trifft viele Menschen unerwartet und löst unmittelbar starke Emotionen aus. Verunsicherung, Angst und das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, zählen zu den häufigsten Reaktionen, wie die Klinische Psychologin Martina Wünsche‑Fleck von der Klinik Favoriten des Wiener Gesundheitsverbundes schildert. Ihre Erfahrungen aus der Betreuung stationärer und teils auch ambulanter Patientinnen und Patienten geben Hinweise, wie die psychologische Begleitung in dieser Phase konkret helfen kann.
Zentrale Probleme unmittelbar nach der Mitteilung
Wünsche‑Fleck beschreibt, dass betroffene Menschen in erster Linie von der Frage getrieben werden, was die Zukunft bringt. Viele haben Leiden und Tod im Kopf; Gefühle wie Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut treten häufig und teilweise gleichzeitig auf. Besonders belastend ist die Zeit, in der zwar ein Verdacht besteht, aber die endgültige Diagnose noch aussteht.
Ungewissheit vor der endgültigen Diagnose
Bis zu verlässlichen Befunden — etwa nach einer Biopsie — vergehen nach Angaben der Psychologin oft ein, zwei Wochen. Diese Phase des Wartens ist für viele Patientinnen und Patienten schwer auszuhalten. Wünsche‑Fleck rät dazu, nicht zu weit in die Zukunft zu denken, sondern sich in kleinen, überschaubaren Schritten zu orientieren, um Stabilität und innere Ruhe zu fördern.
„Gerade am Anfang ist eine Krebsdiagnose ein Schock“
Die psychoonkologische Begleitung steht laut Wünsche‑Fleck sowohl während der Mitteilung der Diagnose als auch im weiteren Verlauf zur Verfügung. Sie betont, dass das Angebot und die Bereitschaft zur Unterstützung vonseiten des Teams oft angenommen werden. In der Begleitung könne alles angesprochen werden, was belastet — von Zukunftsängsten bis zu Fragen zum Umgang mit Nebenwirkungen.
Praktische Themen und Kommunikation
Zu den konkreten Belastungen zählen laut Aussage der Psychologin auch Sorgen über Nebenwirkungen wie Haarverlust, Erschöpfung und Schlafstörungen. Viele Betroffene fürchten, die Kontrolle zu verlieren, weil Therapien und Termine den Alltag vorgeben. In der psychologischen Betreuung werde deshalb auch daran gearbeitet, wieder ein Gefühl von Selbstbestimmung zu ermöglichen.
- Psychologische Hilfe ist bereits bei Diagnosemitteilung oder kurz danach verfügbar.
- Wartezeiten auf Befunde (z. B. Biopsie) dauern häufig ein bis zwei Wochen und sind besonders belastend.
- Offene Gespräche über Ängste und Nebenwirkungen werden von Betroffenen als entlastend erlebt.
Die Aussagen aus der Klinik Favoriten verdeutlichen: Psychologische Begleitung ist kein Luxus, sondern ein integraler Bestandteil der Versorgung von Menschen mit Krebserkrankungen. Sie kann helfen, akute Ängste zu lindern, Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen und die Zeit der Diagnose und Therapie besser zu bewältigen.
| Situation | Empfohlene psychologische Unterstützung |
|---|---|
| Mitteilung der Diagnose | Zuhören, Begleitung, unmittelbare Krisenintervention |
| Warten auf Befunde | Strategien zur Reduktion von Grübeln; Schritt‑für‑Schritt‑Vorgehen |
| Während der Therapie | Begleitung zu Nebenwirkungen und Wiedererlangen von Selbstbestimmung |
Für Betroffene und Angehörige ist es wichtig zu wissen, dass psychoonkologische Angebote existieren und dass es in Ordnung ist, diese in Anspruch zu nehmen. Die Fachleute in den Kliniken stehen bereit, Gespräche zu führen und Unterstützung individuell abzustimmen.