Gesundheit

Küssen kann Stress reduzieren und Bindungen stärken – was Forschung und Expertin sagen

Küssen ist mehr als ein Ausdruck von Zuneigung: Laut Entwicklungspsychologin Julia Zwank fördert es emotionale Bindung, setzt Botenstoffe frei und kann Hinweise auf Gesundheit und genetische Kompatibilität liefern. Eine verbreitete Schätzung: Menschen verbringen rund <strong>76 Tage</strong> ihres Lebens mit Küssen.

Küssen kann Stress reduzieren und Bindungen stärken – was Forschung und Expertin sagen
©Illustration KI Sabine Nagl / steirerblatt.at

Warum Küssen aus Sicht der Entwicklungspsychologie wichtig ist

Ein Kuss erfüllt nach Einschätzung von Fachleuten mehrere Funktionen: Er verbindet, beruhigt und aktiviert neurologische Belohnungssysteme. Die Entwicklungspsychologin Julia Zwank von der SRH Fernhochschule verweist anlässlich des Internationalen Tags des Kusses auf die vielfältigen positiven Effekte, die über reine Romantik hinausgehen. In ihrer Darstellung steht nicht nur das Gefühl im Vordergrund, sondern auch die physiologische Reaktion des Körpers.

Biochemie des Kusses: Hormone und Wahrnehmung

Beim Küssen werden mehrere Botenstoffe ausgeschüttet, die Emotionen und soziale Bindung beeinflussen. Besonders häufig genannt werden Dopamin, Serotonin und Oxytocin. Diese Substanzen können kurzfristig das Wohlbefinden steigern, Vertrauen stärken und das Belohnungssystem aktivieren. Anders als flüchtige Konsumerlebnisse können Nähe und körperliche Zuneigung laut Zwank anhaltendere positive Effekte auf Stimmung und Beziehung haben.

Hormon / SignalstoffWirkung (vereinfacht)
DopaminBelohnung, Motivation
SerotoninStimmungsregulation
OxytocinBindung, Vertrauen („Kuschelhormon“)

Evolutionäre Funktionen und Signale

Aus evolutionärer Perspektive kann Küssen Informationen über Gesundheit und genetische Kompatibilität transportieren. Beim Austausch von Speichel gelangen chemische Marker in den Kontaktbereich, die Hinweise auf immunologische Merkmale und individuelle biologische Signale geben können. Zwank verweist darauf, dass dieser Austausch – einschließlich von Pheromonen – bei der Partnerwahl relevant sein könnte.

"Der Austausch von Pheromonen und anderen chemischen Signalen könnte bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle spielen",

Alltagsdaten: Wie viel Zeit verbringen Menschen mit Küssen?

Eine oft zitierte Schätzung besagt, dass Menschen im Laufe ihres Lebens etwa 76 Tage mit Küssen verbringen. Dieser Wert macht deutlich, welchen Stellenwert intime Berührung im Alltag einnehmen kann – statistisch gesehen mehr Zeit als viele für Lachen aufwenden.

Warum die Lippen eine besondere Rolle spielen

Lippen und Zunge sind besonders reich an Nervenendigungen und sensorischen Rezeptoren. Diese hohe Sensibilität erklärt, weshalb Berührungen an diesen Stellen intensive Gefühle auslösen und das Küssen zu einer starken Form körperlicher Nähe werden kann. Die damit zusammenhängenden emotionalen Reaktionen tragen zur Festigung sozialer Bindungen bei.

Praktische Schlussfolgerungen und offene Fragen

  • Körperliche Zuneigung kann kurzfristig und mittelbar zu besserem Wohlbefinden beitragen.
  • Küsse vermitteln nicht nur Emotion, sondern auch biologische Informationen, die für die Partnerwahl relevant sein können.
  • Wie stark diese Effekte langfristig die Gesundheit beeinflussen, bleibt Gegenstand weiterer Forschung; Zwank betont die Bedeutung empirischer Studien, um Dauer und Stärke der Effekte zu klären.

Die vorhandenen Erkenntnisse legen nahe, dass Küssen ein integraler Bestandteil sozialer und emotionaler Beziehungen ist, mit messbaren hormonellen Effekten. Konkrete gesundheitliche Empfehlungen lassen sich daraus jedoch nicht ableiten; die Expertin beschreibt vor allem mögliche Mechanismen und beobachtbare Reaktionen.

Sabine Nagl
Sabine KI Redakteurin im Ressort Gesundheit online

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