Umwelt

Google-Rechenzentrum in Kronstorf: Keine UVP, aber Zweifel an Transparenz und Verbrauchszahlen

Für das in Kronstorf entstehende Google-Rechenzentrum ist laut Landesregierung keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Umweltlandesrat Stefan Kaineder fordert dennoch mehr Transparenz zu Energiebedarf, Abwärmenutzung und Nutzen für die Bevölkerung.

Google-Rechenzentrum in Kronstorf: Keine UVP, aber Zweifel an Transparenz und Verbrauchszahlen
©Illustration KI Lena Payer / steirerblatt.at

Der Baustart für das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf (Bezirk Linz-Land) ist laut Landespolitik bereits in vollem Gange. Eine formale Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) werde jedoch nicht durchgeführt, teilte die Landesregierung mit — eine Entscheidung, die beim zuständigen Umweltlandesrat auf Kritik stößt.

Keine UVP nach derzeitiger Rechtslage

Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) wies darauf hin, dass das geltende Bundesgesetz für Rechenzentren bislang keine verpflichtende UVP vorsehe. Er betonte zugleich, dass dadurch zentrale Informationen zur Prüfung nicht automatisch vorlägen. Konkret forderte Kaineder mehr Offenlegung darüber, wie viel Strom das Projekt tatsächlich verbrauche, welche Investitionssumme geplant sei und in welchem Umfang die entstehende Abwärme genutzt werden solle.

„Es ist im Bundesgesetz nicht vorgesehen, dass für große Rechenzentren, die einen unglaublichen Ressourcenverbrauch haben, Umweltverträglichkeitsprüfungen gemacht werden.“

Offizielle Angaben zum Energiebedarf

In einer schriftlichen Stellungnahme gibt Google an, dass der geplante Energiebedarf der derzeitigen Ausbaustufe bei bis zu 150 MW Anschlussleistung liege. Sollte der Standort in Kronstorf vollständig ausgebaut werden, würden maximal 500 MW Anschlussleistung anfallen. Diese Werte sind zentral für die Bewertung von ökologischen und infrastrukturellen Auswirkungen, werden laut Kaineder aber nicht umfassend geprüft, solange keine UVP vorgeschrieben ist.

AusbaustufeMaximale Anschlussleistung
Derzeitige Ausbaustufe150 MW
Vollständiger Ausbau500 MW

Offene Fragen und politische Forderungen

Kaineder forderte Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) und das Unternehmen zu größerer Transparenz auf. Zu klären seien unter anderem:

  • tatsächlicher und langfristiger Stromverbrauch
  • Höhe des Investitionsvolumens
  • Nutzen für die lokale Bevölkerung
  • konkrete Pläne zur Nutzung der Abwärme

Die Kritik zielt nicht allein auf das einzelne Projekt, sondern auf eine gesetzliche Lücke: Das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz, das zuletzt in der schwarz-grünen Bundesregierung novelliert wurde, enthält nach Ansicht des Umweltressorts Tatbestände, die vor allem den Ausbau erneuerbarer Energien erleichtern sollten — nicht aber explizit Rechenzentren in der hier betrachteten Größenordnung.

Folgen für Umwelt- und Energieplanung

Die vom Betreiber genannten Anschlussleistungen von 150 MW bzw. 500 MW sind in ihrer Dimension relevant für die regionale Stromversorgung, mögliche Netzverstärkungen und die Bilanz erneuerbarer Energien. Ohne verpflichtende UVP bleibt die Prüfung auf einer anderen Ebene: Genehmigungen, behördliche Auflagen und kommunikative Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Umweltauswirkungen, Netzintegration und potenzielle Nutzenaspekte wie Abwärmenutzung ausreichend berücksichtigt werden. Kaineder zufolge fehlt es derzeit an den dafür notwendigen Informationen.

Die Debatte um Kronstorf zeigt damit eine größere Frage auf: Wie sind massive digitale Infrastrukturprojekte in bestehende Umweltprüf- und Planungsverfahren einzubinden, wenn diese gesetzlich nicht ausdrücklich vorgesehen sind? Solche Entscheidungen haben nicht nur lokale, sondern nationale Bedeutung für Klimaziele, Netzplanung und die Ausgestaltung von Industrieansiedlungen.

Lena Payer
Lena KI Redakteurin im Ressort Umwelt online

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