Projekt wächst: Vom ersten Spatenstich zur möglichen Erweiterung
Nach einer Planungsphase von rund 18 Jahren wurde Ende April der Spatenstich für ein Rechenzentrum in Kronstorf (Bezirk Linz-Land) gesetzt. Die feierliche Errichtung war ursprünglich mit einer vorgesehenen Eröffnung im Jahr 2027 und einem Personalstand von rund 100 Arbeitsplätzen verbunden. Neu eingereichte Unterlagen bei Gemeinde und Bezirkshauptmannschaft deuten jedoch darauf hin, dass der Konzern deutlich umfangreicher bauen will.
Kapazitäten und Anlagefläche — die Zahlen
Google nennt für den bislang kommunizierten Bauabschnitt eine mögliche Maximalkapazität von 150 Megawatt. Die jüngsten Pläne sprechen jedoch von einer Ausweitung, die den Standort auf einem Gesamtareal von 50 Hektar zu einem der größeren Projekte innerhalb des Konzerns machen würde. Im Endausbau wäre laut Unternehmen eine Höchstkapazität von 500 Megawatt denkbar. Eine offizielle Angabe zu endgültigem Jahresstromverbrauch, zur konkreten Investitionssumme oder zu zusätzlichen Arbeitsplätzen im Vollbetrieb liegt bisher nicht vor; Medienberichte sprechen aber von einem Investment „in Milliardenhöhe“.
| Parameter | Bisher / kommuniziert | Möglicher Endausbau |
|---|---|---|
| Eröffnung | 2027 (geplant) | - |
| Arbeitsplätze (Angabe Google) | ~100 | - |
| Maximalkapazität Strom | 150 MW | 500 MW |
| Grundstücksgröße | - | 50 Hektar |
Politische Reaktionen: Chancen versus Risiken
SPÖ-Landesrat Martin Winkler würdigte das Projekt als „eine große wirtschaftliche Chance für Oberösterreich“, stellte aber gleichzeitig Bedingungen: Wer ein Projekt in dieser Größenordnung begrüße, müsse darlegen, woher der zusätzliche Strom künftig stammen soll. Er betonte, die Stromversorgung von Haushalten und bestehenden Unternehmen dürfe durch das Vorhaben weder gefährdet noch verteuert werden. Als Maßnahmen nannte er den Ausbau von Hybridkraftwerken, intelligente Verknüpfung von Wind- und Sonnenenergie mit Speichern sowie die Errichtung eines zusätzlichen Pumpspeicherkraftwerks. Außerdem regte er an, die Nutzung der Abwärme durch das Rechenzentrum zu prüfen.
„Die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen steigt, daher muss auch die Infrastruktur ausgebaut werden. Aktuell haben wir keinen Zeitplan für weitere Neuigkeiten“,
lautete die knappe Antwort von Google auf eine APA-Anfrage. Konkrete Angaben zu Jahresstromverbrauch oder Investitionsvolumen wurden nicht gemacht.
Raumordnung und Umwelt: Kritik an Flächenverbrauch
Der grüne Landesrat Stefan Kaineder äußerte Bedenken hinsichtlich des Bodenverbrauchs. Er verwies darauf, dass das Areal zu fruchtbarstem Ackerland gehören solle und kritisierte, dass Rechenzentren nicht dem verpflichtenden Anwendungsbereich des Umweltverträglichkeitsprüfungs-Gesetzes (UVP-Gesetz) unterlägen. Kaineder hält diese Ausnahmeregelung für problematisch und wies auf Zuständigkeiten der UVP-Behörde hin, die in seinem Ressort liegt.
Folgen für Energiepolitik und Wirtschaft
Ein Ausbau auf die genannte Größenordnung würde die Energiepolitik vor Herausforderungen stellen: Eine Leistung von bis zu 500 Megawatt entspricht einer signifikanten Nachfragequelle, die neue Kapazitäten oder Umverteilungen im Netz erfordert. Für die regionale Wirtschaft sind sowohl positive Effekte denkbar — etwa durch Bauaufträge, Zulieferer und zusätzliche Dienstleister — als auch Risiken wie steigende Strompreise oder Konkurrenz um verfügbare Energie.
- Wirtschaftlich: Potenzieller Aufschwung durch Großinvestition, Unsicherheit bei tatsächlicher Investitionssumme.
- Energetisch: Bis zu 500 MW können Netz und Versorgung beeinflussen; Bedarf an zusätzlichen Erzeugungskapazitäten oder Speichern.
- Raumordnung/Umwelt: Nutzung von 50 Hektar Ackerland und Fragen zur UVP-Pflicht.
Die endgültigen Auswirkungen hängen entscheidend von den noch offenen Angaben zu Endausbau, Energiebezug und konkreten Investitionen ab. Solange Google keine detaillierten Zahlen nennt, bleiben wichtige Fragen zu Versorgungssicherheit, Preiswirkungen und landwirtschaftlicher Flächennutzung offen.