Strategie bis 2030: Wissenschaft als Hebel für ökologisches Wachstum
Mit dem Beschluss 2570/QD-BNNMT hat das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Vietnam einen Fünfjahresplan für den Zeitraum 2026–2030 verabschiedet. Der Plan definiert Wissenschaft, Technologie und Innovation als zentrale Triebkräfte, um die Entwicklung des Sektors hin zu einer grünen, ökologischen und emissionsarmen Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen und zugleich die digitale Transformation voranzutreiben. Ziel ist es, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen sowie Ressourcenmanagement und Umweltschutz zu modernisieren.
Konkrete Zielgrößen: Produktivität, Finanzierung, Qualifizierung
Ein zentrales Leistungsmaß ist der Beitrag der Gesamtfaktorproduktivität (TFP) zum Branchenwachstum. Bis 2030 soll dieser Wert 55 % übersteigen. Um den Transfer von Wissen in die Praxis zu beschleunigen, sieht der Plan außerdem vor, außerbudgetäre Finanzierungen für Aufgaben mit Anwendungs- und Kommerzialisierungspotenzial auf 30–35 % des Gesamtbudgets zu erhöhen. Parallel dazu setzt die Regierung auf Kompetenzaufbau: Geplant ist die Ausbildung von rund 150 Kernexpertinnen und -experten sowie 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Schlüsselbereichen.
Innovationsinfrastruktur und Unternehmenszugang zu Technologien
Zur Verankerung von Forschung und Entwicklung im wirtschaftlichen Alltag sollen mindestens 5 Innovationszentren aufgebaut werden. Ergänzend will das Ministerium mindestens 50 Unternehmen dabei unterstützen, Zugang zu neuer Technologie zu erhalten. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Marktdurchdringung praxistauglicher Lösungen zu beschleunigen und die Wertschöpfung im Sektor zu steigern.
| Schwerpunkt | Ziel/Angabe |
|---|---|
| TFP-Beitrag zum Branchenwachstum | >55 % bis 2030 |
| Innovationszentren | ≥5 |
| Unternehmen mit Technologiezugang | ≥50 |
| Außerbudgetäre Mittel (STI) | 30–35 % des Gesamtbudgets |
| Ausbildung Kernexpert:innen | rund 150 |
| Ausbildung Mitarbeiter:innen | rund 1.300 |
Politische Prioritäten: Sicherheit, Schutz und Marktmechanismen
Der Plan ergibt sich aus neuen Anforderungen für den Zeitraum 2026–2030. Genannt werden die Sicherstellung von Ernährungssicherheit und Wasserversorgungssicherheit, der Umweltschutz, die Bewältigung des Klimawandels, der Erhalt der Biodiversität, die nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung sowie die Entwicklung eines Kohlenstoffmarktes. Diese Schwerpunkte rahmen die Ausrichtung der Sektorpolitik, in der Effizienz, Schutzgüter und marktorientierte Instrumente stärker miteinander verknüpft werden sollen.
Governance und Digitaltechnik: Vom Datenzugang zur Umsetzung
Zur Umsetzung setzt das Ministerium auf eine Modernisierung der Steuerungsinstrumente. In der Verwaltung sollen Daten, digitale Technologien und ausgewählte Schlüsseltechnologien stärker genutzt werden, um Entscheidungsprozesse zu verbessern und die Koordination über Ressorts und Ebenen hinweg zu erleichtern. Der angestrebte direkte Beitrag von Wissenschaft und Innovation zur Produktivität, Qualität, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit soll damit messbar werden.
Einordnung: Von der Strategie zur Praxis
Die Maßnahmen verfolgen das Ziel, ökologische Landwirtschaft und eine grüne Wirtschaft zu entwickeln, ohne die praktische Umsetzbarkeit aus dem Blick zu verlieren. Die Verknüpfung von finanziellen Anreizen, Kompetenzaufbau und Infrastruktur (Innovationszentren) soll den Transfer von Forschungsergebnissen in betriebliche Prozesse beschleunigen. Die geplanten Anteile außerbudgetärer Mittel adressieren die Frage, wie private und öffentliche Ressourcen für anwendungsnahe Vorhaben gebündelt werden können. Gleichzeitig setzt der Fokus auf TFP ein klares Signal, Effizienzgewinne als Wachstumshebel zu nutzen – mit dem Anspruch, Umwelt- und Klimaziele zu unterstützen.
Ausblick: Messbare Ziele als Taktgeber
Mit klaren Kennziffern – von TFP >55 % bis zur Zahl der Innovationszentren – definiert der Plan überprüfbare Markierungen bis 2030. Entscheidend für die Wirksamkeit wird sein, ob der Zugang von mindestens 50 Unternehmen zu Technologie so gestaltet wird, dass sich die erhofften Effekte bei Qualität, Wettbewerbsfähigkeit und Ressourcenschonung tatsächlich einstellen. Die Agenda ist breit angelegt – von der Sicherheit der Versorgung über Biodiversitätsbelange bis zur Etablierung eines Kohlenstoffmarktes – und legt damit den Rahmen für eine umfassende Transformation des Agrar- und Umweltsektors in Vietnam.