Lebendige Geschichte im Klassenzimmer
Im BG/BRG Mödling Keimgasse kamen kürzlich vier Zeitzeugen der NS-Zeit mit den 7. Klassen zusammen, um über Verfolgung, Flucht und die Folgen für nachfolgende Generationen zu sprechen. Die Schülerinnen und Schüler hörten persönlichen Berichten zu, die von Verdrängung über Rettung bis hin zu Restitutionsgeschichten reichten. Die Veranstaltung diente als Vorbereitung auf den geplanten Besuch der Klassen im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen.
Zu den Gästen gehörten Katja Sturm-Schnabl (Kärntner Slowenin), Elisabeth Ganglberger (in Shanghai aufgrund der Vertreibung geboren), Elisabeth „Liesl“ März (mit mehrteiliger Flucht- und Restitutionsgeschichte) sowie Siegfried Loewe (in Belgien gerettet, von seinen Eltern getrennt; seine Eltern wurden in Auschwitz ermordet). Die Berichte dieser Persönlichkeiten machten die abstrakten historischen Fakten für die Jugendlichen konkret und persönlich.
Intensive Gespräche und respektvolle Begegnung
Die Schülerinnen und Schüler stellten nach Angaben der Schule kluge und einfühlsame Fragen; besonders das Gespräch mit Siegfried Loewe wurde als bewegend geschildert. Lehrkräfte hoben den intensiven Austausch hervor und verknüpften diesen mit dem Ziel, historisches Bewusstsein zu stärken.
„Man muss wissen, wie es überhaupt zu dieser dunklen Zeit kommen konnte und welche Vorgänge und Entwicklungen uns alle auch heute noch misstrauisch und wachsam werden lassen sollten“,
so Kulturstadtrat Stephan Schimanowa, der im Namen der Stadt Mödling den Zeitzeugen und der Schulgemeinschaft für das Engagement dankte. Als Zeichen der Wertschätzung lud die Schule die Gäste zum gemeinsamen Mittagessen in den Babenbergerhof ein.
Warum solche Begegnungen wichtig sind
Die direkte Begegnung mit Betroffenen ermöglicht jungen Menschen, historische Ereignisse nicht nur als Daten und Namen zu begreifen, sondern emotionale und moralische Dimensionen nachzuempfinden. Für Mödling bedeutet das: Schulen leisten einen aktiven Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Prävention gegen Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung.
- Konkretes Ergebnis: Vorbereitung der 7. Klassen auf den Besuch in Mauthausen.
- Beteiligt: Vier Zeitzeugen mit unterschiedlichen Biografien, Lehrkräfte, Kulturstadtrat.
- Ort: BG/BRG Mödling Keimgasse; gemeinsames Mittagessen im Babenbergerhof.
| Name | Herkunft/Schicksal (Kurz) |
|---|---|
| Katja Sturm-Schnabl | Kärntner Slowenin |
| Elisabeth Ganglberger | In Shanghai geboren (Aufgrund von Vertreibung) |
| Elisabeth „Liesl" März | Flucht- und Restitutionsgeschichte |
| Siegfried Loewe | In Belgien gerettet; Eltern in Auschwitz ermordet |
Für Eltern und Interessierte ist die Veranstaltung ein Hinweis darauf, wie Schulen im Bezirk Mödling außerschulische Lernorte und Zeitzeugenarbeit verbinden, um historische Bildung lebendig zu erhalten. Solche Begegnungen sind kein Ersatz für vertiefende Auseinandersetzung, bieten aber einen unverzichtbaren Zugang zur Empathie und Verantwortung gegenüber der Geschichte.