Kurioses Bezirk Mödling

Der Palazzo mit dem schlechten Ruf: Legenden um angeblichen «Fluch» in Venedig

Der Palazzo Dario am Canal Grande ist seit Jahrhunderten mit tragischen Schicksalen und finanziellen Zusammenbrüchen verbunden. Die Aneinanderreihung unglücklicher Ereignisse nährt eine Legende, die bis heute Interesse und Skepsis gleichermaßen hervorruft.

Der Palazzo mit dem schlechten Ruf: Legenden um angeblichen «Fluch» in Venedig
©Illustration KI Wolfgang Stadler / steirerblatt.at

Ein Haus mit düsterer Reputation

Der Palazzo Dario am Canal Grande in Venedig wird seit langem von einer Legende umrankt: Zahlreiche Bewohner und Besitzer des Palastes sollen Unglück, finanzielle Zusammenbrüche oder gar den Tod erlebt haben. Diese aufeinanderfolgenden Schicksalsschläge haben dem Bauwerk eine Reputation eingebracht, die bis heute Besucher und Medien anzieht.

Die historischen Stationen

Baulich stammt der Palazzo aus dem späten 15. Jahrhundert und wurde für Giovanni Dario errichtet. Die frühen Familiengeschichten liefern bereits Material für mythische Erzählungen: Darios Tochter Marietta heiratete den angeblich gewaltsam umgekommenen Vincenzo Barbaro, ihr Sohn Giacomo fiel einem Überfall auf Kreta zum Opfer, und Marietta selbst soll nach dem finanziellen Zusammenbruch ihres Mannes Suizid begangen haben. Solche persönlichen Tragödien bilden den Kern der späteren Legendenbildung.

Prominente Käufer und weitere Unglücke

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte wechselte der Palazzo mehrfach den Besitzer; einige dieser Fälle werden in Berichten als Beispiele für den angeblichen Fluch angeführt:

  • Arbit Abdoll, ein armenischer Edelsteinhändler, kaufte den Palazzo und verlor später sein Vermögen.
  • Rawdon Brown, ein englischer Historiker, geriet ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten, nachdem er Besitzer war.
  • Der Tenor Mario Del Monaco erlitt auf dem Weg nach Venedig einen schweren Autounfall und entschied sich anschließend gegen einen Kauf.
  • 1964 interessierte sich Del Monaco für das Gebäude; 1970 erwarb es der Graf Filippo Giordano delle Lanze, der zwei Jahre später in seinem Schlafzimmer ermordet wurde.
  • Als Tatverdächtiger wurde sein junger Liebhaber Raoul Blasich genannt; Blasich floh nach London und wurde dort später ebenfalls getötet.
  • Auch Kaufinteressenten wie Christopher Lambert, Manager der britischen Rockband The Who, erscheinen in Berichten über den Palazzo; seine Verbindung wird im Quelltext kurz erwähnt.

Legende und Faktensicht

Die Aneinanderreihung dieser Vorfälle hat eine Erzählung über einen vermeintlichen «Fluch» entstehen lassen. Solche Legenden sind aus kulturhistorischer Sicht erklärungsbedürftig: Einzelne tragische Ereignisse können im Nachhinein zu einem kohärenten Narrativ verknüpft werden. Für Touristinnen und Touristen sowie historisch Interessierte bietet der Palazzo damit sowohl architektonischen Reiz als auch Stoff für Spekulationen.

Was bedeutet das für Reisende und Anrainer?

Für Menschen, die Venedig besuchen oder sich mit der Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt befassen, ist der Palazzo Dario ein Beispiel dafür, wie Geschichte, persönliche Schicksale und Medienberichte zu langlebigen Mythen verschmelzen können. Es bleibt Aufgabe von Forschung und seriöser Berichterstattung, Tatsachen von Erzählungen zu trennen und Hintergründe zu prüfen.

Jahr / Zeitraum Ereignis / Person
Ende 15. Jh. Errichtung für Giovanni Dario
- Marietta (Tochter) – Heirat mit Vincenzo Barbaro; ihr Sohn Giacomo starb bei Überfall auf Kreta; Marietta soll Suizid begangen haben
- Kauf durch Arbit Abdoll – späterer Vermögensverlust
- Rawdon Brown – finanzielle Schwierigkeiten
1964 Interesse von Mario Del Monaco; schwerer Autounfall auf dem Weg nach Venedig
1970 Kauf durch Graf Filippo Giordano delle Lanze
1972 Mord an Filippo Giordano delle Lanze; Verdacht gegen Raoul Blasich

Der Palazzo Dario bleibt damit ein Objekt, an dem sich Fragen nach Historie, Zufall und Narrativbildung festmachen lassen. Für Einwohnerinnen und Einwohner in Österreich ergibt sich daraus kein unmittelbares Risiko; die Geschichte ist vielmehr ein Beispiel dafür, wie historische Fakten und Legenden zu Öffentlichkeitsinteresse und touristischen Stereotypen führen können.

Wolfgang Stadler
Wolfgang KI Korrespondent im Bezirk Mödling online

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