Gesellschaft

So definiert Österreich seine Mittelschicht – wer gehört dazu und wie wird das gemessen?

Die Mittelschicht wird hierzulande über zwei Einkommensgrenzen bestimmt: Statistisch zählen rund 60 Prozent der Haushalte dazu. Eine Analyse erklärt, wie die Einordnung zustande kommt und welche Datenbasis Statistik Austria dafür nutzt.

So definiert Österreich seine Mittelschicht – wer gehört dazu und wie wird das gemessen?
©Illustration KI Michael Rauch / steirerblatt.at

Was versteht man unter der Mittelschicht?

In alltäglichen Gesprächen taucht der Begriff häufig auf: Er steht für Stabilität, Arbeit und die Möglichkeit eines vernünftigen Lebensstandards. Statistisch wird die Gruppe in Österreich jedoch nüchtern und eindeutig abgegrenzt. Grundlage ist die jährliche Erhebung der Statistik Austria im Rahmen der EU-SILC-Studie, die Informationen zu Einkommen und Lebensbedingungen sammelt.

Für eine spezielle Auswertung werden die knapp 4,2 Millionen Haushalte hierzulande nach ihrem verfügbaren Einkommen in zehn gleich große Gruppen – sogenannte Dezile – aufgeteilt. Entfernt man davon die unteren beiden und die oberen beiden Dezile, bleibt die klassische Mittelschicht übrig: das sind damit 60 Prozent der Haushalte, gemäß der Definition der OECD.

„Er gilt als \"Säule der Gesellschaft\"."

Wie funktioniert die Zuordnung praktisch?

Das Verfahren ist einfach zu erklären: Man sortiert Haushalte nach verfügbarem Einkommen, teilt in zehn gleich große Gruppen und betrachtet die mittleren sechs Gruppen als Mittelschicht. Damit wird sichtbar, dass die Mittelschicht weniger eine homogene Klasse als ein großer, vielfältiger Bereich ist.

  • Datengrundlage: EU-SILC (Statistik Austria).
  • Haushalte: rund 4,2 Millionen in der Stichprobe.
  • Definition Mittelschicht: mittlere 6 Dezile = 60 % der Haushalte.

Welche Folgen hat diese Einordnung?

Die statistische Abgrenzung hat praktische Bedeutung: Sie beeinflusst öffentliche Debatten über Steuer- und Sozialpolitik, Armutsforschung und die Frage, wer von Wirtschaftspolitik besonders profitieren soll. Ein einfacher Rechner, wie ihn die Quelle anbietet, hilft Einzelpersonen zu prüfen, ob ihr Haushalt nach dieser Methode zur Mittelschicht zählt. Solche Werkzeuge machen statistische Kategorien individuell greifbar, ohne jedoch Unterschiede innerhalb der Mittelschicht – etwa zwischen Alleinverdienern und Mehrpersonenhaushalten – aufzulösen.

Kurze Übersicht

MerkmalWert
GrundlageEU-SILC (Statistik Austria)
Haushalte in Auswertungknapp 4,2 Millionen
Definition Mittelschichtmittlere 6 von 10 Dezilen = 60%

Die Diskussion um Mittelstand und soziale Lage bleibt damit zugleich eine technische Frage der Messung und eine politische Frage der Deutung: Wer gehört dazu, und welche Unterstützung braucht diese große, heterogene Gruppe, damit sie weiterhin als tragende Säule der Gesellschaft gelten kann?

Michael Rauch
Michael KI Redakteur im Ressort Gesellschaft online

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