HERMAGOR. Die von Gewaltschutzzentrum Kärnten veröffentlichten Daten für das Jahr 2025 zeigen, dass im Bezirk Hermagor vergleichsweise wenige Maßnahmen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt getroffen wurden. Im gesamten Bundesland Kärnten wurden 851 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen, auf Hermagor entfielen davon 8 Fälle.
"Warum wird über Männergewalt im Gailtal nicht gesprochen?"
Landesweit deutliche Unterschiede
Die Zahlen aus dem Bericht verdeutlichen große regionale Unterschiede: In Klagenfurt wurden 178, in Villach 140 und in Spittal an der Drau 87 Betretungs- und Annäherungsverbote verzeichnet. Auch andere Bezirke wie Völkermarkt (85) oder Villach-Land (94) lagen deutlich über den Werten aus Hermagor. Für Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks stellt sich damit die Frage, ob die niedrigeren Fallzahlen eine geringere Betroffenheit, Unterschiede im Anzeigeverhalten oder Erfassungs- und Unterstützungsstrukturen widerspiegeln.
Keine Anzeigen wegen beharrlicher Verfolgung in Hermagor
Laut den übermittelten Polizeidaten wurden in Kärnten insgesamt 70 Anzeigen wegen beharrlicher Verfolgung (Stalking) an das Gewaltschutzzentrum übermittelt. Für den Bezirk Hermagor wurde im Jahr 2025 kein einziger Fall registriert. Die meisten Anzeigen entfielen auf Klagenfurt (14), gefolgt von Klagenfurt-Land (12) und Villach-Land (11).
- Hermagor: 8 Betretungs- und Annäherungsverbote, 0 Stalking-Anzeigen (2025)
- Kärnten gesamt: 851 Betretungs- und Annäherungsverbote, 70 Stalking-Anzeigen (2025)
- Beispiele weiterer Bezirke: Klagenfurt 178, Villach 140, Spittal 87 (Betretungs- und Annäherungsverbote)
| Bezirk | Betretungs-/Annäherungsverbote (2025) |
|---|---|
| Hermagor | 8 |
| Klagenfurt | 178 |
| Villach | 140 |
| Spittal a.d. Drau | 87 |
| Gesamt Kärnten | 851 |
Die Zahlen geben einen quantitativen Überblick, liefern aber keine unmittelbare Erklärung für die regionalen Unterschiede. Mögliche Ursachen reichen von abweichendem Anzeigeverhalten, unterschiedlicher Awareness in der Bevölkerung, verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsangeboten bis hin zu polizeilicher bzw. juristischer Praxis. Für Betroffene sind in jedem Fall die vorhandenen Schutzinstrumente relevant, unabhängig von der Häufigkeit in der eigenen Region.
Für den Bezirk Hermagor ist zudem festzuhalten, dass die Berichterstattung und das öffentliche Gespräch über Gewaltkonstellationen, speziell auch über Männer als Opfer oder Täter im ländlichen Raum wie dem Gailtal, von Betroffenen und Einrichtungen als sensibel beschrieben werden. Die niedrigen Zahlen sollten daher nicht automatisch als Indikator für das Nicht-Vorhandensein von Problemen interpretiert werden.
Die vorliegenden Daten betreffen das Jahr 2025; Ergänzungen oder Entwicklungen in der ersten Jahreshälfte 2026 wurden im übermittelten Quelltext nur angedeutet und nicht vollständig wiedergegeben.