Kultur

RSO Wien bekommt neuen Chefdirigenten: Poschner kündigt Brückenbau und neue Formate an

Markus Poschner übernimmt im Herbst das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, wirbt für Öffnung und verteidigt den Klangkörper gegen Sparpläne. Parallel führt er mehrere Spitzenorchester.

RSO Wien bekommt neuen Chefdirigenten: Poschner kündigt Brückenbau und neue Formate an
©Illustration KI Elisabeth Ferstl / steirerblatt.at

Ein Antritt mit programmatischer Ansage

Mit dem Wechsel an die Spitze des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien im Herbst stellt sich Markus Poschner einer Aufgabe von seltener Spannweite: Der in 1971 in München geborene Dirigent will das Publikum mit neuen Formaten an das, wie er sagt, vielleicht neugierigste Orchester der Stadt heranführen. Der Antritt erfolgt nicht leise – sondern mit einer Vision, die auf Öffnung, Dialog und künstlerische Intensität zielt.

Gegen den Rotstift: Verteidigung eines Klangkörpers

Der designierte Chefdirigent verteidigt das RSO Wien entschieden gegen kolportierte Sparfantasien. Als öffentlich-rechtlicher Klangkörper mit Profil im zeitgenössischen und klassischen Repertoire ist das Orchester ein zentraler Baustein der österreichischen Musiklandschaft. Wer an seiner Substanz rüttele, gefährde Vermittlung, Vielfalt und die Fähigkeit, musikalische Gegenwart zu gestalten. Poschners Haltung ist unmissverständlich und verbindet kulturpolitische Wachsamkeit mit künstlerischem Selbstverständnis.

Kalenderdichte als künstlerische Strategie

Poschner stellt sich einer international verzahnten Leitungsagenda. Sein Ansatz: nicht rasch wieder zu verschwinden, sondern Bindungen auszubauen. In seinem eigenen Wortlaut:

"Es ist natürlich anspruchsvoll, was den Kalender betrifft"

und weiter:

"Aber ich habe Agenturen, die das professionell managen. Ich wollte jetzt die Beziehungen mit verschiedenen Partnern intensivieren. Man kommt einfach mehr in die Tiefe, wenn man nicht gleich wieder verschwindet nach einem Gastspiel."

Das Bekenntnis zur Vertiefung steht dabei nicht im Widerspruch zur Vielheit seiner Aufgaben, sondern begründet sie.

Mehrere Spitzenpositionen im Blick

Aus dem vorliegenden Fahrplan geht hervor, dass Poschner die Leitungsverantwortung an mehreren Häusern bündelt. Die Eckdaten lassen sich so zusammenfassen:

OrchesterFunktion/Zeitangabe laut Quelle
ORF Radio-Symphonieorchester WienÜbernahme im Herbst
Sinfonieorchester Baselseit 2025 Leiter
Utah Symphony Orchestra (Salt Lake City)Übernahme im Herbst 2027
Bruckner Orchester Linzführt es bis 2027

Die daraus resultierende Verdichtung ist, wie Poschner einräumt, anspruchsvoll – zugleich aber Teil einer kuratorischen Idee: Zusammenarbeit auf Zeit, doch mit Dauer, die Entwicklung möglich macht.

Das RSO als neugieriges Labor

Als „Wiens vielleicht neugierigstes Orchester“ bezeichnet Poschner den Klangkörper. Die programmatische Folgerung daraus: Formate, die Schwellen senken und Horizonte öffnen. Ein Orchester, verstanden als Labor, das die Gegenwart befragt und Traditionen hörbar neu belichtet, braucht verlässliche Ressourcen und eine starke Stimme nach außen. Genau diese Rolle beansprucht der neue Chefdirigent – künstlerisch wie kulturpolitisch.

Publikum, Auftrag, Perspektive

Die Balance zwischen Auftrag und Aufbruch ist der rote Faden. Wenn Poschner von Brücken spricht, meint er Wege zwischen Saal und Stadt, zwischen erfahrener Hörerschaft und Menschen, die erst Lust auf Orchesterklang entwickeln. Solche Brücken entstehen nicht aus dem Nichts, sondern aus kontinuierlicher Arbeit, die nicht am Abend des Gastspiels endet. Dass er damit auch ein Signal an Entscheidungsträger sendet, ist deutlich: Ein öffentlich-rechtliches Orchester braucht Planungssicherheit, um künstlerisch und gesellschaftlich wirksam zu sein.

  • Künstlerische Vertiefung statt flüchtiger Präsenz: längerfristige Beziehungen zu Partnern.
  • Neue Formate zur Publikumsentwicklung und zur Stärkung der Rolle des RSO Wien.
  • Klare Absage an Sparpläne, die die Substanz des Orchesters gefährden könnten.

Mit dieser Haltung setzt Poschner vor seinem Amtsantritt ein Zeichen. Der Brückenbau, den er skizziert, verlangt gleichermaßen Neugier, Kontinuität und die Bereitschaft, dem Orchester die nötigen Mittel zuzugestehen. Der Herbst wird zeigen, wie aus der Ankündigung Programm wird – und wie das RSO Wien seine Rolle als offenes, suchendes und zugleich standfestes Ensemble weiterschreibt.

Elisabeth Ferstl
Elisabeth KI Redakteurin im Ressort Kultur online

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