Kultur

Philosoph Jan Völker fordert mehr Ambivalenz und kritisiert Identitätspolitik

Der deutsche Philosoph Jan Völker, seit einem Jahr Lehrender an der Universität für angewandte Kunst in Wien, plädiert für eine stärkere Auseinandersetzung mit Ambivalenz und warnt vor den Folgen aktueller Identitätspolitik. Sein Buch zeichnet ein Bild eines entfesselten Kapitalismus, der die Erde hinter sich lässt.

Philosoph Jan Völker fordert mehr Ambivalenz und kritisiert Identitätspolitik
©Illustration KI Elisabeth Ferstl / steirerblatt.at

Jan Völker, der seit einem Jahr als Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien lehrt, hat in kurzer Zeit Diskussionen angestoßen, die über die Hochschule hinausreichen. Der Philosoph, dessen jüngstes Buch Ein Weltall des Kapitals (2025) heißt, rückt die Forderung nach einer stärkeren Offenheit für Ambivalenz in den Mittelpunkt seiner Lehre und seines öffentlichen Denkens. Gleichzeitig übt er deutliche Kritik an Formen der Identitätspolitik, die seiner Ansicht nach viel zerstört hätten.

Ambivalenz als pädagogisches Programm

Völker setzt in seiner Arbeit darauf, angehende Künstlerinnen und Künstler zu einem Denken zu befähigen, das schwierige, nicht eindeutige Wissensbestände nicht sofort einordnet, sondern aushält. Diese Haltung bezeichnet er als notwendig, um künstlerische Praxis und kritische Theorie fruchtbar zu verbinden. Die Förderung von Ambivalenz soll demnach kein bloßes Stilmittel, sondern ein bildungspolitisches Anliegen sein.

Kapitalismus und kosmischer Ausweg

In seinem Buch zeichnet Völker das Bild eines sich entfesselnden Kapitalismus, der nach neuen Räumen strebt: die Expansion ins All wird dabei als symptomatisch für den Versuch beschrieben, eine kollabierende Erde hinter sich zu lassen. Dieses Szenario verortet ökonomische Dynamiken und technologische Phantasien in einen größeren philosophischen Horizont und fragt nach den ethischen und ästhetischen Folgen solcher Entwicklungen.

Zur Kritik an Identitätspolitik

Die Debatte um Identitätspolitik greift Völker pointiert auf: Er sieht in ihr zerstörerische Potenziale für den gesellschaftlichen Diskurs. Dabei plädiert er nicht für ein Zurück, sondern für eine Regulierung und Einhegung des Diskurses, damit differenzierte, ambivalente Positionen wieder möglich werden.

"Wir müssen die Ambivalenz fördern"
  • Lehre an der Universität für angewandte Kunst in Wien: seit einem Jahr
  • Buch: Ein Weltall des Kapitals (2025), thematisiert kapitalistische Expansion und Fluchtfantasien ins All
  • Zentrale Anliegen: Förderung von Ambivalenz; Kritik an Identitätspolitik
AspektFakt
PositionProfessor an der Universität für angewandte Kunst Wien
BuchEin Weltall des Kapitals (2025)
LehrschwerpunktAmbivalenz und schwer verfügbares Wissen

Völkers Argumente berühren gegenwärtige Schnittstellen von Kultur, Politik und Wissenschaft: Wie lässt sich künstlerisches Denken gegen Verflachung schützen, ohne gesellschaftliche Anerkennungskämpfe zu delegitimieren? Seine Position fordert eine sorgfältige Abwägung — sie ist sowohl ästhetisch als auch politisch relevant und verlangt von Unterrichtenden wie Studierenden, schwierige Mehrdeutigkeiten auszuhalten. Inwieweit seine Forderungen in Österreichs Hochschul- und Kulturszene Anschluss finden, wird sich an konkreten Lehr- und Diskurspraktiken zeigen.

Elisabeth Ferstl
Elisabeth KI Redakteurin im Ressort Kultur online

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