Mehr Verkehr durch Ausbauprojekte befürchtet
Die jüngsten Straßenbau‑ und Tunnelprojekte auf beiden Seiten des Alpenhauptkamms werfen in Tirol und Südtirol Fragen zur langfristigen Verkehrsverlagerung auf. Vertreterinnen und Vertreter der Grünen sehen in den laufenden und geplanten Maßnahmen ein Indiz dafür, dass der Verkehr künftig stärker über den Fernpass sowie weiter über den Reschen in den Vinschgau rollen könnte – mit spürbaren Folgen für Gemeinden im Bezirk Landeck.
Welche Maßnahmen stehen im Raum?
- Fernpasstunnel und Ausbau am Fernpass
- Errichtung der Kanzelgalerie auf der Reschenstraße
- Ausbau des Lermooser Tunnels
- Straßenverbesserungen in Südtirol: Umfahrungen und Galerien (u. a. Rabland, Kastelbell)
Die Befürchtung: Wenn mehrere Abschnitte sicherer und schneller werden, steigt die Attraktivität der Nord‑Süd‑Route auch für Schwerverkehr. Damit würden Ortskerne und Täler, die heute bereits unter hohem Durchgangsverkehr leiden, weiter belastet.
„Wenn alle Streckenabschnitte fertig sind, zieht diese Nord‑Süd‑Verbindung noch mehr Verkehr an. Maut hin oder her. Und die Gefahr, dass das 7,5‑Tonnen‑Limit am Fernpass fällt, ist real.“
Schon jetzt steigende Kapazitäten und Kosten
Als Argumente werden konkrete Zahlen und Projekte genannt, die den Ausbau sichtbar machen: In Südtirol fließen Millionen in Umfahrungen, etwa
| Projekt | genannte Summe |
|---|---|
| Umfahrung Kastelbell | 130 Mio. € |
| Umfahrung Rabland (zusätzliche Mittel) | 75 Mio. € |
| Kanzelgalerie Reschenstraße | 40 Mio. € |
| Scheiteltunnel Fernpass & Ausbau | 600 Mio. € |
Hinzu kommt der Hinweis auf bereits vorliegende Zählungen im Vinschgau, wonach an manchen Stellen bis zu 17.000 Fahrzeuge pro Tag registriert wurden. Für Gemeinden am Fernpass und das angrenzende Oberland würde ein Wegfall von Restriktionen für Lkw die Verkehrsbelastung weiter erhöhen.
Lokale Auswirkungen und offene Fragen
Für den Bezirk Landeck konkret bedeutet dies:
- Verkehrszunahme auf Hauptverbindungen und Zuläufen zum Fernpass
- Potenziell mehr Schwerverkehr, wenn Lkw‑Beschränkungen aufgehoben werden
- Erhöhte Lärm‑ und Luftbelastung sowie Sicherheitsrisiken in Talorten
Unklar bleibt, wie Verkehrsmanagement, Lkw‑Durchfahrtsregelungen und regionale Kooperation diesen Entwicklungen entgegenwirken sollen. Die Grünen fordern vor diesem Hintergrund stärkere Abstimmung zwischen Tirol und Südtirol sowie verkehrspolitische Maßnahmen, die Schutz der Anrainerinnen und Anrainer priorisieren.
Für Bürgerinnen und Bürger im Bezirk Landeck sind die genannten Ausbauprojekte mehr als abstrakte Großvorhaben: Sie können die Lebensqualität in den Tälern beeinflussen, die tägliche Verkehrssituation verändern und langfristig die Verkehrsplanung vor Ort neu ordnen. Entscheidend werden politische Entscheidungen und konkrete verkehrstechnische Maßnahmen sein, die künftig getroffen werden.