Ein spontaner Schritt in den Gemeinderat
Mehr Frauen sollen sich in den Kärntner Gemeinden politisch einbringen. Welche Erfahrungen sie dabei mitbringen und warum der Einstieg nicht zwingend langfristig geplant sein muss, wurde bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Sag ja!“ thematisiert. Als Beispiel aus dem Bezirk Klagenfurt-Land kam Gabriele Hadl zu Wort. Sie ist Gemeinderätin in Pörtschach am Wörthersee und schilderte, wie sie selbst zur kommunalen Politik gekommen ist.
Hadl beschreibt ihren Entschluss als überraschend kurzfristig. Vor rund sechs Jahren sei sie zu einem Gasthaus in ihrer Nähe gegangen und später als Kandidatin für den Gemeinderat sowie für das Bürgermeisterinnenamt nach Hause gekommen. In der politischen Gruppe, der sie sich anschloss, habe sie sich rasch aufgehoben gefühlt. Die Aufgaben würden dort aufgeteilt, berichtet die Pörtschacherin.
„Es war ganz spontan. Ich bin vor sechs Jahren zum Gasthaus um die Ecke gegangen, und bin als Kandidatin für Gemeinderat und Bürgermeisterinnenamt heimgekommen.“
Viele Fähigkeiten entstehen im Alltag
Bei der Veranstaltung im Kulturstadl Maria Rojach in St. Andrä wurde die Frage erörtert, weshalb Frauen in den Gemeindestuben weiterhin stärker vertreten sein sollten. Doris Schmidauer, Buchautorin und Ehefrau des Bundespräsidenten, verwies dabei auf Kompetenzen, die im Berufsleben, in Vereinen, in der Familie und in der Betreuungsarbeit erworben werden. Zuhören, Vermitteln und Organisieren seien ebenso politische Fähigkeiten wie das klare Vertreten eigener Positionen.
Schmidauer stellte die geringe Zahl weiblicher Bürgermeister in Kärnten der Präsenz männlicher Gemeindeoberhäupter gegenüber. Im Quellbericht wird dazu angemerkt, dass es im Bundesland beinahe mehr Bürgermeister mit dem Vornamen Josef als Bürgermeisterinnen gebe. Zugleich wird berichtet, dass der Landeshauptmann verbindliche Regeln zur Geschlechtergerechtigkeit ablehnt. Die Veranstalterin sieht deshalb weiteren Handlungsbedarf, um Frauen den Weg in politische Funktionen zu erleichtern.
Engagement muss nicht immer gleich groß sein
Für Hadl ist der Einstieg nicht an ein bestimmtes Ausmaß an Zeit oder öffentlicher Präsenz gebunden. Auch Personen, die lieber im Hintergrund arbeiten oder nur begrenzte Kapazitäten haben, könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Entscheidend sei, dass die Arbeit im Team verteilt werde und nicht jede einzelne Person sämtliche Aufgaben übernehmen müsse.
- Politische Erfahrung: Der Einstieg kann auch aus einer spontanen Gelegenheit heraus entstehen.
- Aufgabenteilung: Kommunale Arbeit lässt sich innerhalb eines Teams organisieren.
- Unterschiedliche Beiträge: Auch zurückhaltendes oder zeitlich begrenztes Engagement wird als wertvoll beschrieben.
Für die kommende Gemeinderatsperiode in Pörtschach möchte Hadl erneut ein ausgewogenes Team aufbauen und Frauen ausdrücklich ermutigen. Ihre eigene Erfahrung sei von Wertschätzung für den Einsatz und von der Möglichkeit geprägt, in einer Gemeinde konkret etwas zu verändern.
| Aspekt | Angabe aus dem Bericht |
|---|---|
| Beispielgemeinde | Pörtschach am Wörthersee |
| Politische Funktion | Gemeinderätin |
| Veranstaltung | „Sag ja!“ in Maria Rojach, St. Andrä |
Die Debatte betrifft damit nicht nur Parteistrukturen oder Wahlkämpfe, sondern auch die praktische Frage, wie Gemeinden ihre Arbeit organisieren. Für Frauen im Bezirk Klagenfurt-Land zeigt das Beispiel: Ein politisches Mandat setzt laut den geschilderten Erfahrungen nicht voraus, bereits zu Beginn alle Antworten zu kennen. Wichtig sind Bereitschaft zur Zusammenarbeit, ein realistischer Umgang mit den eigenen zeitlichen Möglichkeiten und der Mut, Verantwortung zu übernehmen.