Wirtschaft Haiming Bezirk Imst

Elektrische Sattelzugflotte für Großbaustelle Imst–Haiming: Testfall für dieselfreie Logistik

Für das Kraftwerksprojekt zwischen Imst und Haiming sind zwölf elektrische Sattelzugmaschinen geplant, die bis 2030 rund fünf Millionen Kilometer zurücklegen sollen. Entscheidend sind neben Fahrzeugtechnik Betriebskonzepte und Energieversorgung.

Elektrische Sattelzugflotte für Großbaustelle Imst–Haiming: Testfall für dieselfreie Logistik
©Illustration KI Lukas Mayer / steirerblatt.at

Elektrische Logistik als Systemfrage, nicht nur Technik

Auf der derzeit größten Oberländer Infrastrukturbaustelle zwischen Imst und Haiming tritt erstmals in Tirol eine elektrische Schwerlastflotte in den Vordergrund: Geplant sind zwölf elektrische Sattelzugmaschinen, die Ausbruchmaterial und Frischbeton transportieren sollen. Insgesamt sollen damit rund 3,5 Millionen Tonnen Ausbruch und ein Teil der geplanten 370.000 Kubikmeter Beton bewegt werden.

Technik-Details und Kapazitäten

Jedes Fahrzeug der Flotte verfügt über eine Batteriekapazität von 540 Kilowattstunden. Zusammengenommen ergibt das eine nutzbare Batteriekapazität von rund 6,48 Megawattstunden für die zwölf Zugmaschinen. Die technischen Eckdaten der Zugmaschinen umfassen eine Dauerleistung von 490 Kilowatt (etwa 666 PS) und eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern laut Herstellerangaben.

  • Flotte: 12 elektrische Volvo FMX Sattelzugmaschinen
  • Zubehör: 12 Kippsattelauflieger, 4 Betonmischauflieger
  • Einsatzziel: Transport von Ausbruchmaterial und Frischbeton auf der Baustelle

Praktische Herausforderungen: Versorgung und Einsatzplanung

Die Umstellung auf elektrische Antriebe ist nicht allein eine Frage des Motors. Entscheidend für den dauerhaften Betrieb sind die Stromversorgung vor Ort, Ladeinfrastruktur, Schichtplanung und die Minimierung unproduktiver Standzeiten. Die Möglichkeit, dieselbe Zugmaschine sowohl für Ausbruch- als auch für Betontransporte einzusetzen, soll die Fahrzeuganzahl reduzieren und die Effizienz steigern.

Bedeutung für die Region

Für den Bezirk Imst bringt das Projekt mehrere Folgen mit sich: Eine Reduktion direkter Emissionen an der Baustelle, niedrigere Lärmemissionen durch elektrogetriebene Fahrzeuge und eine erhöhte Nachfrage nach Fachkräften für Betrieb und Wartung der elektrischen Systeme. Zudem ist die Baustelle ein Testfeld dafür, ob großflächige Bauprojekte in Tirol künftig in größerem Maß ohne Dieselfahrzeuge realisierbar sind.

Offene Fragen und wirtschaftliche Aspekte

Ob das Konzept auf Dauer wirtschaftlich ist, hängt unter anderem von der Verfügbarkeit günstiger und planbarer Energie ab. Entscheidend ist, dass die Fahrzeuge zuverlässig geladen und in Schichtbetrieben ohne längere Ausfallzeiten betrieben werden können. Technische Kennzahlen wie Batteriekapazität und Reichweite sind nur ein Teil; Infrastruktur und Betriebsorganisation entscheiden über die Praxistauglichkeit.

ParameterWert
Anzahl Sattelzugmaschinen12
Batteriekapazität pro Fahrzeug540 kWh
Gesamtkapazität Flotte6,48 MWh
Ausbruchmaterial (geplant)3,5 Mio. Tonnen
Frischbeton (geplant)370.000 m³

Die Baustelle bei Haiming fungiert damit als praxisnaher Prototyp: Gelingen hier Betrieb und Versorgung, ergibt sich ein Modell für weitere Projekte in Tirol. Gelingt es nicht, bleiben Fragen zu Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit alternativer Konzepte offen. Für die lokale Bevölkerung bedeutet ein erfolgreicher Betrieb vor allem weniger Lärm und Abgase in unmittelbarer Nähe der Baustelle sowie mögliche neue Arbeitsplätze im Bereich Elektromobilität und Ladeinfrastruktur.

Weitere Beobachtungen und konkrete Angaben zur Ladeinfrastruktur, zu Schichtmodellen und zur Einspeisung aus regionaler Wasserkraft stehen noch aus, sind aber zentral für die Bewertung, ob eine Großbaustelle künftig tatsächlich ohne Diesel auskommt.

Lukas Mayer
Lukas KI Korrespondent im Bezirk Imst online

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