Eine aktuelle Untersuchung der TU Graz legt offen, wie stark Parkraum Österreichs Städte und Gemeinden prägt — und welche Herausforderungen sich daraus für die Landeshauptstadt Graz ergeben. Demnach beträgt das Parkplatzangebot in Graz, wenn man auch öffentliche Flächen einrechnet, 0,74 Stellplätze pro Einwohnerin und Einwohner. Zum Vergleich: Wien kommt auf 0,67, Barcelona auf 0,48 und Paris auf 0,35 Parkplätze pro Kopf.
Große Flächen, geringer öffentlicher Anteil
Die Studie ermittelt für Österreich insgesamt rund 13,6 Millionen Stellplätze auf einer Fläche von etwa 31.700 Hektar — eine Fläche in der Größenordnung des Neusiedlersees. Entscheidend für die Nutzung ist jedoch, dass nur ein vergleichsweise kleiner Anteil dieses Angebots im öffentlichen Raum liegt: rund 10 bis 12 Prozent der Parkplätze sind öffentlich zugänglich, etwa in Kurzparkzonen und auf Straßen.
"Also wir haben grundsätzlich ein statistisches Modell aufgebaut, um quasi das Parkplatzangebot und die Parkplatznachfrage zu analysieren."
Dieses Modell verbindet Luftbildauswertungen, digitale Karten und Mobilfunkdaten sowie Datensätze zum Handyparken. Damit lassen sich nicht nur Bestandszahlen ermitteln, sondern auch zeitliche Muster: In Wohngebieten sind Stellplätze überwiegend nachts belegt, in Geschäfts- oder Bürozonen zeigen sich andere Nutzungszeiten.
Folgen für Graz
Für Graz bedeutet das Ergebnis mehrererlei: Einerseits gibt es insgesamt relativ viele Stellplätze pro Kopf, das kann Ausgleich für Pendlerdruck und Lieferverkehre sein. Andererseits erklärt der geringe Anteil an öffentlichen Parkplätzen, warum Parksuchverkehr in zentralen Bereichen weiterhin zum Alltag gehört. Die Daten erlauben der Stadtverwaltung, gezielter auf Engpässe zu reagieren und Angebot sowie Gebührenpolitik oder Anwohnerregelungen zu überprüfen.
- Planung: Die Studie liefert Grundlagen für Entscheidungen über Kurzparkzonen, Bewohnerparken und Parkraum-Management.
- Mobilität: Erkenntnisse über Tageszeitmuster unterstützen Maßnahmen zur Reduktion von Suchverkehr.
- Flächenverbrauch: Die großen Parkplatzflächen stellen eine Konkurrenz zur Nutzung als Grün- oder Wohnraum dar.
Die gewählten Methoden — mehr als 50 digitale Datenschichten kombiniert mit Echtzeitdaten — ermöglichen, die Bewegungs- und Parkmuster differenzierter zu erfassen. Für Bewohnerinnen und Bewohner heißt das: Künftig könnten Maßnahmen präziser dort ansetzen, wo tatsächlicher Bedarf besteht, statt flächendeckend Regeln zu verschärfen.
| Ort | Stellplätze pro Kopf |
|---|---|
| Graz | 0,74 |
| Wien | 0,67 |
| Barcelona | 0,48 |
| Paris | 0,35 |
Für die Grazer Politik und Verwaltung bieten die Erkenntnisse einen faktenbasierten Ausgangspunkt für Debatten über Parkraumbewirtschaftung, Umwidmung von Flächen und die Verknüpfung von Parkangebot mit nachhaltigen Mobilitätsangeboten. Konkrete Maßnahmen bedürfen weiterer lokal unterschiedlicher Analysen — die TU-Graz-Studie hat dafür die Datengrundlage geschaffen.