Neues Verfahren hilft, römische Inschriften zu rekonstruieren
Im Depot des Universalmuseum Joanneum lagern rund 200 Römersteine, deren Texte vielerorts nicht mehr unmittelbar zu entziffern sind. Forscherinnen und Forscher aus Graz haben nun eine Kombination von einfachen, kostengünstigen Messmethoden erprobt, die verblasste oder verdeckte Schriftzüge wieder sichtbar machen kann. Das Team arbeitet laut Aussendung mit Expertinnen der Universität Graz und der TU Graz zusammen. Die getesteten Techniken reichen von UV- und Infrarotaufnahmen bis zu Wärmebildaufnahmen.
Welche Mittel werden eingesetzt — und warum sie wirken
- UV-Licht (Wellenlänge 365 Nanometer): kann Farbreste oder Ablagerungen in Buchstabenvertiefungen zum Leuchten bringen.
- Infrarot-Durchlicht-Fotografie: mit einer Wildkamera lassen sich, insbesondere bei Steinen bis etwa 3–4 cm Dicke, Strukturen erkennen, wenn von hinten fotografiert wird.
- Wärmebildkamera: aufheizen (beispielsweise auf 60 °C) und Aufnahmen beim Abkühlen können Materialstörungen sichtbar machen, die Rückschlüsse auf ehemals eingemeißelte Buchstaben erlauben.
Die Forscherinnen betonen, dass für die Untersuchungen keine teuren Spezialgeräte nötig sind: eine UV-Lampe aus dem Baumarkt, eine Wildkamera und ein modernes Smartphone liefern bereits verwertbare Ergebnisse.
„Wird die Inschrift mit UV-Licht mit einer Wellenlänge von 365 Nanometer angestrahlt, zeigen sich vorher unsichtbare Details. Dabei kann es sich unter anderem um Farbreste oder Schmutz in den Vertiefungen der gemeißelten Buchstaben handeln“, erklärt Gregor Diez vom Institut für Antike der Universität Graz.
Bedeutung für Sammlungspflege und Forschung
Viele Römersteine wurden in späteren Zeiten wiederverwendet und zum Beispiel als Türschwellen eingebaut; so gingen Teile der Oberfläche verloren oder wurden beschädigt. Die vorgestellten Methoden erlauben es, trotz solcher Eingriffe Informationen zu retten, die sonst verloren wären. Für Museen und Sammlungen bedeutet das: bessere Dokumentation, Möglichkeit zur Restitution lesbarer Texte und eine fundiertere Einordnung von Fundorten und Inschriften.
Praktische Konsequenzen für Graz und die Steiermark
Die Anwendung einfacher, portabler Techniken eröffnet auch kleineren Institutionen und Heimatarbeitskreisen Chancen, Material vor Ort zu untersuchen. Für die Grazer Bestände des Joanneums können so bislang unklare Inschriften neu ausgewertet werden, was lokale Forschungsfragen zur römischen Präsenz in der Steiermark präziser beantwortbar macht.
| Untersuchungsmethode | Wann sinnvoll |
|---|---|
| UV-Licht (365 nm) | Wenn Farbreste oder Ablagerungen in Vertiefungen vermutet werden |
| Infrarot-Durchlicht | Bei dünneren Steinen (ca. <= 3–4 cm) für zusätzliche Strukturdaten |
| Wärmebildaufnahmen | Wenn Oberfläche stark abgetragen ist und Materialunterschiede erkennbar sein könnten |
Die Publikation der Methode und erste Praxisversuche an Stücken in mehreren steirischen Orten sollen weiteren Sammlern und Fachleuten Anhaltspunkte liefern, wie sie eigenes Material beurteilen können. Für das kulturelle Erbe in Graz bedeutet das die Möglichkeit, verloren geglaubte Informationen zurückzugewinnen und die lokale Geschichte präziser zu dokumentieren.