Eine aufwändige Produktion mit deutlichen Akzenten, aber ohne durchgehende Spannung
Die aktuelle Inszenierung von William Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf der Stockerauer Sommerbühne ist ein lokales Kulturereignis, das viele Zuschauer anlockt, aber auch Fragen offenlässt. Das Bühnenbild von Manfred Waba setzt auf eine drehbare Szenerie: Antike Säulen und Skulpturen formen zunächst einen Palast, der in Kombination mit der barocken Stockerauer Kirche im Hintergrund einen sehr präsenten optischen Rahmen schafft.
„Es ist ein Wagnis, Shakespeares unsterbliche Komödie ‚Sommernachtstraum‘ auf eine Sommerbühne zu heben“
Die aufwändige Ausstattung sorgt für starke Bildmomente, doch das Zusammenspiel von Bühne, Raum und Inszenierung wirkt nicht immer stimmig. Das Premierenpublikum reagierte an diesem schwülen Sommerabend mit Zwischenapplaus, vor allem wenn die Bühne zur Waldszenerie wechselte — offenbar, weil diese Szene die leichtere, kongenialere Seite des Abends zeigte.
Darstellerische Glanzlichter und strukturelle Schwächen
Die Regie liegt bei Christian Spatzek, der zugleich die Rolle des Egeus übernimmt. Seine Inszenierung wurde mit Szenenapplaus bedacht und am Ende mit Jubel quittiert, wirkt aber an manchen Stellen unentschieden: Vor der Pause fehlt es an Tempo, viele Passagen bleiben dahingesagt. Die Vielzahl der Sphären — Hof, Liebesverwirrung, Zauberwald — stellt hohe Anforderungen an Tempo und Klarheit, die nicht immer erfüllt werden.
- Positiv: Caroline Vasicek überzeugt als lebhafter Puck, das Kostümbild (Babsi Langbein) liefert schöne Einzelheiten.
- Stark: Andreas Lust als angehender Regiemeister Niklas Zettel bringt komödiantische Präsenz und physische Energie.
- Problem: Vor der Pause wirkt die Inszenierung zäh; die Verknüpfung der Innen- und Außensphären bleibt teilweise brüchig.
Besonders hervorzuheben sind die Doppelbesetzung von Peter Windhofer und Susanna Hirschler, die sowohl das Hofpaar Theseus und Hippolyta als auch das Elfenkönigspaar Oberon und Titania darstellen. Diese Doppelrolle erzeugt interessante Parallelitäten, führt aber auch zu sperrigen Übergängen zwischen den Ebenen.
| Rolle | Schauspieler/in |
|---|---|
| Theseus / Oberon | Peter Windhofer |
| Hippolyta / Titania | Susanna Hirschler |
| Puck | Caroline Vasicek |
| Niklas Zettel | Andreas Lust |
| Helena, Hermia, Lysander, Demetrius | Selina Heindl, Michelle Härle, Fabian Spatzek, Manuel Sonnleitner |
Bedeutung für das Stockerauer Kulturprogramm
Für Stockerau ist diese Produktion doppelt relevant: Sie zeigt die Ambition der Sommerbühne, großes klassisches Repertoire mit prominenten Darstellerinnen und Darstellern auf die Freiluftbühne zu bringen, und stellt zugleich die Frage nach der Balance zwischen opulenter Optik und dramatischer Stringenz. Zuschauerinnen und Zuschauer, die Wert auf handwerklich starke Einzelauftritte legen, finden an diesem Abend viel Positives; wer eine durchgehend flüssige und temporeiche Lesart Shakespeares erwartet, wird teilweise enttäuscht.
Insgesamt bleibt der Abend ein empfehlenswerter Beitrag zum sommerlichen Kulturangebot in Stockerau, der jedoch zeigen sollte, wie künftige Inszenierungen die Ebenen klarer verknüpfen, damit Ausstattung und Erzähltempo gleichwertig miteinander funktionieren.
Hinweis: Die Produktion bietet mehrere markante Einzelleistungen und visuelle Stärken, die das lokale Theaterjahr bereichern — zugleich bleibt die Frage nach einem stringenteren dramaturgischen Zugriff bestehen.