In Neunkirchen wird eine neue berufliche Perspektive etabliert: Die Stadtgemeinde bietet als erste Kommune in Niederösterreich eine duale Lehrausbildung zur Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistenz an. Grundlage dafür ist die enge Kooperation zwischen Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Museum, die praktische Ausbildungsplätze gemeinsam bereitstellen und damit eine umfassende, praxisnahe Qualifikation ermöglichen.
Praxis statt Trockenübung: Was die Ausbildung umfasst
Die Ausbildung verbindet traditionelle Bestandspflege mit modernen Informationsaufgaben. Der Lehrgang umfasst unter anderem:
- Katalogisierung von Beständen und digitale Erfassung;
- Kundenbetreuung und Vermittlung von Recherchekompetenzen;
- Konservierung und kleinere Reparaturarbeiten an physischen Medien;
- Vermittlung von kulturellen und wissenschaftlichen Inhalten in Ausstellungen und Bildungseinheiten.
Diese Kombination verschafft Absolventinnen und Absolventen breite Einsatzmöglichkeiten in öffentlichen Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie bei wissenschaftlichen Institutionen.
Erster Lehrling erfolgreich: Signalwirkung für die Region
Der erste Lehrling, der die Ausbildung durchlief, hat die Lehrabschlussprüfung mittlerweile erfolgreich bestanden. Das Ergebnis wird von der Stadt als Bestätigung der gewählten Ausbildungsstrategie verstanden: Durch die Verzahnung der drei Einrichtungen sollen Nachwuchskräfte praxisnah aufgestellt werden und die örtlichen Angebote für die Bevölkerung gestärkt werden.
„Mit dieser Ausbildung gehen wir neue Wege und investieren gezielt in qualifizierten Nachwuchs. Dass unser erster Lehrling in diesem Bereich die Lehrabschlussprüfung erfolgreich bestanden hat, macht uns besonders stolz. Dieser Erfolg bestätigt, dass die enge Zusammenarbeit von Bibliothek, Archiv und Museum der richtige Weg ist und Neunkirchen damit eine Vorreiterrolle in Niederösterreich einnimmt.“ — Mag. (FH) Peter Teix
Konkrete Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger
Für die Bevölkerung vor Ort bedeutet die Einführung der Lehre mehrere Vorteile: Eine besser ausgestattete Stadtbücherei und ein stärker gepflegtes Stadtarchiv verbessern den Zugang zu Informationen und lokaler Geschichte. Gleichzeitig steigert die Ausbildung die Attraktivität des Arbeitsmarkts für junge Menschen in der Region, weil sie praktische Fertigkeiten vermittelt, die in verschiedenen Bildungseinrichtungen gefragt sind.
Die Ausbildungsinhalte sind so angelegt, dass Absolventinnen und Absolventen sowohl in traditionellen Aufgabenbereichen wie der Bestandserhaltung als auch in zeitgemäßen Feldern wie digitaler Recherche und Informationsvermittlung kompetent agieren können. Für Gemeinden und Träger öffentlicher Bildungseinrichtungen bedeutet das: geringerer Qualifikationsaufwand bei der Einarbeitung und besserer Service für Nutzerinnen und Nutzer.
Organisatorisches und Ausblick
| Projektbestandteil | Verantwortliche Einrichtung |
|---|---|
| Praktische Ausbildung | Stadtbücherei, Stadtarchiv, Museum |
| Ausbilder/innen | Mag. Vanessa Staudenhirz (Museum/Archiv), Mag. Benedikt Wallner (Stadtbücherei) |
| Erster Abschluss | Lehrabschlussprüfung bereits bestanden |
Die Stadtgemeinde weist darauf hin, dass bereits erste Anmeldungen für den Herbst vorliegen. Für interessierte Jugendliche und deren Eltern ist dies ein Hinweis, sich zeitgerecht über Zugangsvoraussetzungen und Bewerbungsfristen zu informieren. Die Kombination aus praktischer Arbeit in mehreren Einrichtungen und einer formalen Lehrabschlussprüfung macht den Beruf zukunftsträchtig, gerade weil Informationskompetenz in vielen Bereichen an Bedeutung gewinnt.
Insgesamt markiert das Projekt in Neunkirchen einen Schritt, der über lokale Grenzen hinaus Wirkung entfalten kann: Als erste Gemeinde Niederösterreichs dient sie als Modell für die Verzahnung kommunaler Kultureinrichtungen zur Ausbildung von Fachkräften. Ob weitere Gemeinden dem Vorbild folgen, hängt neben dem Bedarf an Personal auch von der Bereitschaft zur institutionellen Zusammenarbeit ab.