Technik aus Klagenfurt gegen Fachkräftemangel im Gartenbau
Im Lakeside Park in Klagenfurt hat das Start‑up avemoy eine Technologie vorgestellt, die Ernteplanung im professionellen Tomatenanbau verbessern soll. Grundlage ist eine Kombination aus autonomer Drohnennavigation und Bildauswertung durch Künstliche Intelligenz (KI). Die Lösung namens Hortiscan wurde kürzlich mit dem Innovations‑ und Forschungspreis des Landes Kärnten ausgezeichnet.
Das System fliegt mehrmals täglich entlang der Pflanzenreihen, wertet Kamerabilder automatisiert aus und liefert danach drei zentrale Informationen: die erwartete Erntemenge, Hinweise auf Schadbefall sowie eine Bewertung der Pflanzenqualität. Für Betriebe bedeutet das eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage, die manuelle Zählarbeiten und Unsicherheiten in Marketing und Logistik reduzieren kann.
Wissenschaftliche Wurzeln und lokale Bedeutung
Die technische Grundlage geht auf Forschungsarbeiten an der Universität Klagenfurt zurück: Entwickelt wurde eine Drohne, die sich ausschließlich anhand von Kamerabildern orientiert – ein Ansatz, an dem auch internationale Forschungsgruppen und Organisationen arbeiten. Entscheidend für die Entwickler war die Frage, wo diese Navigationsmethode einen praktischen Mehrwert liefert. Die Antwort: im professionellen Tomatenanbau, wo bislang oft händische Erhebungen die Basis für Ernteprognosen bilden.
„Die ausschlaggebende Frage war also, wo auf der Erde diese Fähigkeit ein echtes drängendes Problem löst“,
so CEO Michael Gruber laut Mitteilung des Unternehmens. Danach sei Hortiscan entwickelt worden, um die Prozesse in Gewächshäusern und ähnlichen Produktionsumgebungen effizienter zu gestalten.
Konkreter Nutzen für Betriebe
Avemoy nennt für den produktiven Einsatz potenzielle Effekte wie eine verbesserte Planbarkeit von Ernte, Logistik und Vermarktung. Zudem wird in der Meldung eine mögliche Kostenersparnis von bis zu 50 Prozent in Aussicht gestellt. Diese Zahl bezieht sich auf Einsparungen durch reduzierte manuelle Aufwände und optimierte Betriebsabläufe.
- Ernteprognosen: Automatisierte Zählung und Schätzung der Erntemenge.
- Schädlingsfrüherkennung: Frühe Identifikation von Befallspunkten durch Bildanalyse.
- Qualitätsprüfung: Bewertung einzelner Pflanzen hinsichtlich Reife und Gesundheit.
Regional hat die Entwicklung Bedeutung: Der Gartenbau in Österreich steht laut Unternehmensangaben vor einem Fachkräftemangel, der etwa die Hälfte der Betriebe betrifft. Für Klagenfurter Betriebe und österreichische Gemüseproduzenten könnten automatisierte Systeme daher eine Option sein, um Personalengpässe zu überbrücken und Kostensteigerungen abzufedern.
Erwartungen, Anforderungen und offene Fragen
Für einen breiten Einsatz sind mehrere Aspekte zu beachten: die Investitionskosten für Drohnensysteme, die Integration in bestehende Betriebsabläufe, die Dateninfrastruktur vor Ort sowie rechtliche und praxisbezogene Vorgaben zum Drohnenflug in Gewächshauslandschaften. Aus Sicht der Anwender werden Verlässlichkeit der Vorhersagen, einfache Bedienung und ein Nachweis der Wirtschaftlichkeit entscheidend sein.
| Merkmal | Angabe aus der Meldung |
|---|---|
| Ausgezeichnet mit | Innovations‑ und Forschungspreis des Landes Kärnten |
| Erwartete Kostenersparnis | bis zu 50 % |
| Betroffene Betriebe (Österreich, laut Meldung) | 51 % kämpfen mit Fachkräftemangel |
Welche Rolle Klagenfurter Forschung und Unternehmen künftig im internationalen Agritech‑Sektor spielen, hängt vom Praxistransfer ab: Testläufe auf regionalen Betrieben, Evaluierung der Vorhersagegenauigkeit und die Frage, ob Hortiscan auch in anderen Kulturen und Betriebsgrößen funktioniert. Für Landwirtinnen und Landwirte im Bezirk Klagenfurt bedeutet die Entwicklung jedenfalls eine zusätzliche Option, um Ernteplanung und Schädlingsmanagement datenbasiert zu verbessern.