Entscheidung gegen bauliche Maßnahmen
Die lange diskutierte Lösung für den Durchzugsverkehr auf der B320 durch die Stadtgemeinde Liezen wird vorerst nicht umgesetzt. Nachdem eine als technisch empfehlenswert bewertete Variante – eine Brücke beim Bellaflora kombiniert mit Anpassungen an weiteren Kreuzungen – geprüft worden war, hat die steirische Verkehrslandesrätin Claudia Holzer nun erklärt, dass derzeit keine baulichen Maßnahmen oder weiteren Planungsschritte erfolgen.
Als Hauptbegründung nannte die Landesrätin die derzeitige Haushaltslage: Die notwendigen Mittel ließen sich angesichts anderer steiermarkweiter Prioritäten und der Situation der Gemeindefinanzen nicht verantworten. Konkret wären für die empfohlene Lösung Kosten von insgesamt knapp 39 Millionen Euro entstanden, zuzüglich noch nicht eingerechneter Planungs- und Nebenkosten.
Geringer Zeitgewinn trotz hoher Ausgaben
Gegenüber den beabsichtigten Investitionen stand ein nur begrenzter Nutzen: Verkehrsexpertinnen und -experten schätzten die Zeitersparnis für den Durchzugsverkehr innerhalb des Stadtbereichs auf maximal etwa 45 Sekunden pro Richtung an Werktagen. In der offiziellen Bewertung wurde dieser vergleichsweise geringe Gewinn den hohen Kosten gegenübergestellt.
„In Anbetracht der schwierigen budgetären Lage sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene und in Abwägung der steiermarkweiten Notwendigkeiten im Verkehrsbereich sind in Absprache mit der Stadtgemeinde aktuell keine baulichen Maßnahmen, keine weiteren Planungsschritte vorgesehen“,
Das Zitat stammt von Verkehrslandesrätin Claudia Holzer und fasst die Entscheidung zusammen: Liezen bleibt in seiner heutigen Verkehrsinfrastruktur erhalten, vorläufig ohne größere Eingriffe.
Ausgangslage und frühere Beschlüsse
Die Diskussionen um eine Entlastung der B320 in Liezen reichen viele Jahre zurück. 2024 hatte der damalige SPÖ-Landesrat Anton Lang die Idee einer Umfahrung verworfen und stattdessen einen schrittweisen Ausbau des Bestands favorisiert; dieser Umbau war ursprünglich für den Zeitraum bis 2030 angedacht. Die aktuelle Entscheidung bedeutet, dass selbst diese Ausbaupläne nun nicht weiterverfolgt werden.
Was das für die Menschen im Bezirk bedeutet
Für Pendlerinnen und Pendler, den lokalen Handel sowie für Besucherinnen und Besucher bedeuten die nun zurückgestellten Maßnahmen konkret: Die Verkehrssituation in Spitzenzeiten bleibt bestehen. Erwartete Verbesserungen bei Reisezeiten und stadtverträglicher Verkehrsführung werden in naher Zukunft nicht eintreten. Gemeinden und lokale Betriebe müssen weiterhin mit den bekannten Belastungen, insbesondere während der Hauptreisezeiten, leben.
- Finanzielle Belastung: Investitionsvolumen von knapp 39 Millionen Euro wurde als zu hoch bewertet.
- Nutzenabwägung: Maximaler Zeitgewinn etwa 45 Sekunden pro Richtung an Werktagen.
- Planungsstand: Keine weiteren Planungsschritte in Abstimmung zwischen Land und Stadtgemeinde.
Daten auf einen Blick
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Kostenschätzung (Basisprojekt) | knapp 39 Mio. Euro |
| Erwarteter durchschnittlicher Zeitgewinn | ca. 45 Sekunden pro Richtung (Werktage) |
| Vorgeschlagene Maßnahme | Brücke über den Kreisverkehr beim Bellaflora und Anpassungen weiterer Kreuzungen |
| Frühere Planungsvorgabe | Ausbaupläne bis 2030 (nach 2024er Entscheidung) |
Die Entscheidung wirft Fragen auf, welche Alternativen langfristig verfolgt werden: Ob statt großer baulicher Eingriffe schrittweise Verkehrssteuerung, Optimierung von Ampelphasen oder stärkere Förderung des regionalen ÖV geprüft werden, ist offen. Klar ist jedoch, dass die finanzielle Beurteilung durch das Land den Ausschlag gab – und damit die kurzfristigen Erwartungen vieler Betroffener enttäuscht wurden.
Für die Bevölkerung von Liezen bedeutet das Festhalten am Status quo eine Fortsetzung des bisherigen Verkehrsalltags. Relevante Fachplanungen bleiben ausgesetzt, sodass konkrete Entlastung für die Innenstadt vorerst nicht zu erwarten ist.