Barrierefreier Ortsrundgang in Gröbming
In Gröbming haben sich am Veranstaltungstag mehr als 60 Personen zu einem barrierefreien Spaziergang versammelt. Organisiert wurde der Rundgang im Rahmen des Projekts „Unerhört 2.0“, das biografische Arbeit mit älteren oder beeinträchtigten Frauen im Bezirk Liezen in den Mittelpunkt stellt. Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Edith Zitz, Geschäftsführerin des Vereins „Inspire“ in Graz, sowie den Projektverantwortlichen im Bezirk, Hilde Unterberger und Katharina Ernecker.
Die Zusammensetzung der Gruppe war heterogen: Neben Bewohnerinnen und Bewohnern des örtlichen Seniorenzentrums und deren Betreuungspersonal nahmen Angehörige sowie Interessierte aus Gröbming und Umgebung teil. Teilweise wurde die Route mit Rollstühlen und Rollatoren zurückgelegt.
Beobachtungen zur Zugänglichkeit
Während des Spaziergangs erläuterte Alois Guggi, Leiter des Museums Gröbming, an mehreren Stationen entlang der Marktbürgerhäuser historische Aspekte zur Ortsgeschichte. Die Begehung brachte konkrete Erkenntnisse über die Barrierefreiheit der Innenstadt:
- Die Klostergasse wurde positiv hervorgehoben: angepasste Gehsteigbreite ermöglichte komfortables Passieren mit Rollstuhl.
- Abgeschrägte Gehsteigkanten erleichtern den Zugang für Personen mit eingeschränkter Mobilität.
- Zahlreiche Sitzgelegenheiten entlang der Route bieten Erholungsmöglichkeiten und reduzieren Belastungen bei längeren Wegen.
Als Defizit wurde das Fehlen eines Blindenleitsystems auf den öffentlichen Wegen genannt. Dieses Manko mindert die Selbstständigkeit sehbehinderter Menschen bei der Orientierung im Ortskern.
Projektabschluss und Bedeutung
Der Spaziergang in Gröbming bildete den Abschluss einer Reihe von Ortsrundgängen, die zuvor in Liezen, Schladming, Landl und Admont stattgefunden hatten. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, Lebensrealitäten älterer und beeinträchtigter Frauen sichtbarer zu machen und die lokale Diskussion über Zugänglichkeit und Inklusion anzustoßen. Die Aktionen erfolgten in Kooperation mit Kulturinstitutionen, Frauengruppen sowie lokalen Politik- und Verwaltungsstellen.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Region haben solche Rundgänge mehrere konkrete Effekte: Sie geben Anhaltspunkte, wo sofortige Verbesserungen sinnvoll sind (etwa zusätzliche Orientierungshilfen oder Sitzbänke), und sie liefern belastbare Hinweise für langfristige Maßnahmen in der Ortsplanung und bei Verkehrsflächen.
Was das für die Praxis im Bezirk Liezen heißt
Städte und Gemeinden im Bezirk, die ihre Ortskerne alters- und behindertengerecht gestalten wollen, können aus den Beobachtungen in Gröbming direkte Schlussfolgerungen ziehen. Wichtige Schritte sind:
- Prüfung und Ergänzung von Blindenleitsystemen an stark genutzten Wegen;
- Evaluierung der Gehsteigbreiten und -abstufungen, um Durchgängigkeit für Rollstühle sicherzustellen;
- Fortlaufendes Angebot von Sitzgelegenheiten und ausreichender Beleuchtung in den Fußwegenetzen.
Solche Maßnahmen erhöhen die Teilhabe älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen und entlasten Pflegende sowie Begleitpersonen. Zugleich liefern lokal verankerte Projekte wie «Unerhört 2.0» wichtige, empirisch gestützte Hinweise für Gemeindevertreterinnen und -vertreter bei der Priorisierung von Investitionen.
| Aspekt | Beobachtung |
|---|---|
| Teilnehmende | mehr als 60 |
| Orte der Rundgänge | Liezen, Schladming, Landl, Admont, Gröbming |
| Hervorgehobene Pluspunkte | angepasste Gehsteigbreiten, Sitzgelegenheiten, abgeschrägte Kanten |
| Nachgebesserungsbedarf | Fehlendes Blindenleitsystem |
Die dokumentierten Befunde bieten eine Grundlage, damit Gemeinden im Bezirk Liezen gezielt nachbessern können. Initiativen wie diese zeigen, dass barrierefreie Gestaltung nicht nur eine soziale, sondern auch eine planerische und wirtschaftliche Aufgabe ist: Zugängliche Orte werden von mehr Menschen genutzt und stärken so das lokale Leben.