Der Schlagabtausch um die Organisation des diesjährigen Halleiner Stadtfestes hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) fordert eine öffentliche Entschuldigung des Veranstalters, des Tourismusverbandes Hallein (TVB), sowie eine interne Aufarbeitung der Vorwürfe in einer Ausschusssitzung des Verbandes. Hintergrund sind zahlreiche Beschwerden von Anrainerinnen und Anrainern sowie Geschäftsleuten über die Durchführung des Festes.
Vorwürfe: Ausschluss von Wirten und abgesperrte Gastgärten
Mehrere Stimmen aus der Altstadt haben dem TVB vorgeworfen, Wirte, die nicht am Stadtfest teilnehmen wollten, de facto ausgeschlossen zu haben. Kritisiert wird insbesondere der Einsatz von mit schwarzem Stoff verhängten Bauzäunen, durch die Gastgärten unzugänglich gemacht worden sein sollen. Diese Beschwerdepunkte haben nach Angaben des Bürgermeisters in den vergangenen Tagen deutlich an Lautstärke gewonnen und führten zu einer Unterschriftenaktion betroffener Bewohnerinnen und Bewohner.
„Wir Bewohner:innen der Halleiner Altstadt nehmen es nicht länger hin, dass unsere Lebensqualität, unser Wohnraum und unser Gemeinwohl dem ungebremsten Eventhunger des Tourismusverbandes Hallein geopfert werden.“
Stangassinger betonte per Aussendung, die Vorwürfe seien laut und müssten ernst genommen werden. Er habe mit allen Seiten gesprochen und fordert nun neben einer Entschuldigung auch eine moderierte Aufarbeitung—mit einer Beteiligung von Anrainerinnen und Anrainern, Vereinen sowie der Altstadtwirtschaft.
Verantwortlichkeiten und mögliche Folgen
Der Geschäftsführer des TVB, Rainer Candido, war auf Anfrage des ORF zunächst nicht erreichbar. Zuvor hatte sich Stangassinger noch gegen einen Rücktritt des TVB-Managements ausgesprochen; inzwischen schließt der Bürgermeister einen solchen Schritt jedoch nicht mehr aus. Für die Zukunft des Stadtfestes scheint damit ein offener Prozess notwendig zu sein, um Vertrauen wiederherzustellen und klare Regeln für künftige Veranstaltungen zu etablieren.
- Forderung: Öffentliche Entschuldigung des TVB
- Präventivmaßnahme: Ausschusssitzung des TVB zur Aufarbeitung
- Beteiligte: Anrainer, Vereine, Altstadtwirte, TVB, Stadtvertretung
Eine bereits gestartete Meinungsumfrage und der angekündigte moderierte Prozess sollen klären, wie ein Stadtfest gestaltet werden kann, „bei dem alle einen Platz haben“, wie es in dem offenen Beschwerdebrief heißt. Die Initiatoren fordern damit nicht allein eine sachliche Aufarbeitung, sondern ein neues Gleichgewicht zwischen touristischen Interessen und Lebensqualität in der Halleiner Altstadt.
| Aspekt | Status / Forderung |
|---|---|
| Entschuldigung | Gefordert vom Bürgermeister (TVB hat noch nicht reagiert) |
| Untersuchung | Ausschusssitzung des TVB soll stattfinden |
| Beteiligung | Moderierter Prozess mit Anrainern, Vereinen, Wirten geplant |
Für die Bevölkerung des Bezirks Hallein geht es bei der Debatte nicht nur um ein einmaliges Veranstaltungsmanagement, sondern um künftige Standards für öffentliche Feste in der Altstadt: Wie werden öffentliche Flächen verteilt, wer entscheidet über die Teilnahme von Gastbetrieben und wie können negative Effekte auf Wohnqualität vermieden werden? Die angekündigte Aufarbeitung und die Einbindung aller betroffenen Gruppen werden zeigen, ob sich die Stadtverwaltung und der TVB auf verbindliche Regeln einigen können, die ein ausgewogenes Nebeneinander von Tourismus und Wohnen sichern.