Der österreichische Schauspieler Johannes Krisch ist am 27. Juli im Alter von 59 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Sein künstlerisches Wirken hinterlässt eine deutliche Spur in Theater- und Filmkreisen: Dreissig Jahre prägte er das Burgtheater, ehe er 2019 das Ensemble verließ und im Theater in der Josefstadt eine neue künstlerische Verortung fand.
Ein präziser Beobachter menschlicher Abgründe
Krisch, gelernter Tischler aus einfachen Verhältnissen, arbeitete sich als Darsteller durch eine feine, detailorientierte Figurenarbeit nach vorn. Als Spieltechnik lehnte er das Grobe und Lautmalerische ab; er kam, so beschrieb er sich selbst, eher als akribischer „Charakter-Archäologe“ daher und legte Rollen schichtweise frei, um deren Innenleben sichtbar zu machen. Diese Herangehensweise zeigte sich in Bühnenarbeiten ebenso wie in seinen Filmrollen.
„die Poltermimen“
In einem Gespräch aus dem Jahr 2015 nannte Krisch die „Poltermimen“ als Schauspielstil, den er nicht vertrug; die Bemerkung steht symptomatisch für seine Haltung zur Zurückhaltung und zur Suche nach psychologischer Tiefe. Seine Darstellung des Serienmörders Jack Unterweger in der Verfilmung „Jack“ war ein Beispiel für die schonungslose, nüchterne Durchleuchtung eines komplizierten Charakters. Auch in Götz Spielmanns für den Oscar nominiertem Film Revanche verlieh Krisch einer Figur aus dem Milieu Kontur: Ambitionen, Leidenschaft und Verlorenheit zugleich.
Bühne, Film und Prinzipien
Krisch gehörte zu jenen Schauspielern, die Rollen und Projekte selektiv wählten. Er äußerte sich zurückhaltend gegenüber dem Prinzip, sich auf Befehl verfügbar zu machen, und betonte die Bedeutung gemeinsamer, künstlerischer Auseinandersetzung vor einer Zusammenarbeit. Diese Haltung spiegelte sich in seiner Arbeitspraxis und in der Auswahl seiner Engagements wider. Zuletzt war er auch in einem Werk von Wes Anderson, genannt „Der phönizische Meisterstreich“, zu sehen.
- Alter: 59 Jahre
- Langjährige Zugehörigkeit: 30 Jahre Burgtheater
- Neues Ensemble: Theater in der Josefstadt (seit 2019)
Vermächtnis und Bedeutung
Sein Wechsel vom Burgtheater, wo er bereits mit 21 Jahren zu den jüngeren Ensemblemitgliedern zählte, zur Josefstadt markierte einen Einschnitt, der auch als künstlerische Neuorientierung zu verstehen ist. Krisch galt als Schauspieler, der klassische Formen wie Raimund und Nestroy ebenso meisterte wie komplexe zeitgenössische Figuren. Sein Werk bleibt ein Bezugsrahmen für nuanciertes, inneres Spiel in Österreichs Theaterszene.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Mit 21 | Eintritt ins Burgtheater-Ensemble |
| 2019 | Verlassen des Burgtheaters; Wechsel zur Josefstadt |
| 27. Juli | Versterben im Alter von 59 Jahren |
Die Darstellungen von Johannes Krisch, ihr feines Gespür für Zwischentöne und ihre tiefe Verwurzelung in einer genauen Charakterarbeit werden weiterhin in Aufführungen und Filmen nachhallen. Sein Tod ist ein Verlust für die österreichische Schauspielkunst und für jene Ensembles, die er mitgestaltet hat.