In den engen Gassen der Reitbauernsiedlung sind derzeit große Bohrgeräte und Bagger im Einsatz: Unterhalb des Ortes wird ein ausgedehntes Stollensystem aus der NS-Zeit angebohrt und in den kommenden Wochen mit stabilem Material verfüllt. Das Vorhaben soll die akute Einsturzgefahr mindern und die Sicherheit für die betroffenen Siedlungen auf dem Reitbauernberg und dem Kreuzberg dauerhaft erhöhen.
Was ist geplant und wer trägt die Verantwortung?
Die Arbeiten erfolgen unter der Aufsicht der Burghauptmannschaft Österreich (BHÖ). Nach monatelangen Scans, Begehungen und geologischen Untersuchungen startet nun die praktische Umsetzung: Das in den Hügeln liegende Stollensystem wird abschnittsweise verfüllt. Der Bund übernimmt laut einem bedeutenden Urteil des Obersten Gerichtshofs, das vor rund zwölf Jahren erging, die Verantwortung für das bauliche Erbe aus der NS-Zeit.
Ausmaß und Gefährdung
Die betroffenen Anlagen umfassen zwei Luftschutzstollen mit einer Gesamtlänge von fast zwei Kilometern. Die Stollen liegen stellenweise bis zu 37 Meter unter der Erdoberfläche und sind Teil eines Systems, das im Zweiten Weltkrieg zeitweise bis zu 11.000 Menschen Schutz bot. Heute besteht durch Teil-Einstürze die Gefahr, dass sich Setzungen bis an die Oberfläche fortsetzen und Haus- oder Gartenflächen beeinträchtigt werden.
„Wir sind froh, dass das nun passiert. Im Tunnel ist bereits ein ordentliches Stück eingebrochen, man weiß nie, ob sich der Bruch nicht bis an die Oberfläche fortsetzt“,
so Erwin und Silvia Kern, die in der Reitbauernsiedlung leben und das Projekt begrüßen. Die Stadtgemeinde hatte bereits in der Vergangenheit Zugänge verschlossen, konnte jedoch die langfristige Sicherung nicht allein tragen.
- Betroffene Liegenschaften: 40 bis 50
- Gesamtlänge der Stollen: fast 2 Kilometer
- Tiefste Lage: bis zu 37 Meter unter der Erde
- Historische Nutzung: Bis zu 11.000 Schutzsuchende im Krieg
- Aufsicht: Burghauptmannschaft Österreich; Finanzierung durch den Bund
Auswirkungen für Anrainerinnen und Anrainer
Für die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Siedlungen bedeutet die Maßnahme konkret weniger Risiko für Gebäudeschäden, Gartenabsackungen und weitere Einstürze. Während der Bauphasen sind temporäre Beeinträchtigungen durch Baustellenverkehr in den engen Gassen zu erwarten. Die zuständigen Stellen hatten im Vorfeld Informationsveranstaltungen für Anrainer durchgeführt; die aktuellen Arbeiten folgen nun auf umfangreiche geologische Erhebungen.
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Länge Stollen | fast 2 km |
| Tiefenlage | bis 37 m |
| Betroffene Liegenschaften | 40–50 |
| Aufsicht | Burghauptmannschaft Österreich |
Langfristig schafft die Verfüllung Rechts- und Verkehrssicherheit für die Einwohnerinnen und Einwohner und entlastet die Gemeinde finanziell, da laut OGH-Entscheidung der Bund für das bauliche Erbe verantwortlich ist. Die laufenden Arbeiten sind ein Beispiel dafür, wie historische Relikte in bewohnten Gebieten technisch gesichert werden müssen, um konkrete Risiken für die Gegenwart auszuschalten.
Für Anrainerinnen und Anrainer bleibt wichtig: Informationen der Gemeinde und der BHÖ aufmerksam verfolgen, auf Hinweise zu temporären Sperren achten und bei Schadensbeobachtungen umgehend die Behörden informieren.