In Gmunden sorgt der Vergabeprozess für einen der auffälligsten Gastronomiestandorte am Traunsee für Unruhe: Die parteiunabhängige Bürgerliste WIA fordert eine klare Aufarbeitung des bisherigen Verfahrens, mehr Transparenz und die Klärung politischer Verantwortung, falls tatsächlich neu ausgeschrieben werden muss. Im Zentrum der Kritik steht die Einschätzung, dass die Fristsetzung und Planung nicht ausreichend früh erfolgt seien.
Ausgangslage und Kritik
Gemeinderat Philipp Wiatschka weist darauf hin, dass der derzeitige Pachtvertrag der Familie Baumgartner Ende 2027 ausläuft. Bereits seit 2022 habe er wiederholt darauf hingewiesen, dass die Suche nach einer Nachfolgelösung rechtzeitig vorbereitet werden müsse. Nach Wiatschkas Darstellung wurde zu lange gewartet, sodass nun ein erheblicher Zeitdruck entstanden sei.
„Wer hat entschieden, die Ausschreibungsfrist so kurz anzusetzen? Warum wurde für einen Standort dieser Bedeutung nicht von Anfang an ausreichend Zeit eingeplant? Welche zusätzlichen Kosten verursacht eine mögliche Neuausschreibung – und wer trägt dafür die politische Verantwortung? Schließlich geht es hier um öffentliche Mittel und damit um das Steuergeld der Gmundnerinnen und Gmundner“
Die Bewerbungsfrist endete am 3. Juni 2026. Vier Interessenten haben Unterlagen eingereicht; offenbar erfüllen jedoch nicht alle Bewerbungen sämtliche geforderte Kriterien. Sollte das Ergebnis unzureichend sein, käme eine Neuausschreibung in Frage – mit allen zeitlichen und finanziellen Folgen.
Warum die Sorge berechtigt ist
Wiatschka betont, dass vergleichbare Projekte mehrere Jahre benötigen: von der Auswahl eines passenden Pächters über Planungs- und Finanzierungsphasen bis hin zu Genehmigungsverfahren und tatsächlicher Umsetzung. Vor diesem Hintergrund erscheint die Einschätzung realistisch, dass ein Neubetrieb nicht vor 2030 eröffnet werden könnte, sollte es zu Verzögerungen kommen. Für die Stadt Gmunden bedeutet das konkret:
- Risiko eines längeren Leerstands an einer prominenten Lage
- mögliche Zusatzkosten durch eine erneute Ausschreibung
- politische Reputationsverluste bei unklarer Verantwortlichkeit
Wiatschka schlägt als eine pragmatische Option vor, den bestehenden Pachtvertrag zu verlängern, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden und die Umsetzung des besten Konzepts gesichert sei. Damit würde ein möglicher „Lost Place“ am Traunsee verhindert, wie er es nennt.
Konkrete Fakten im Überblick
| Fakt | Datum / Angabe |
|---|---|
| Hinweis auf Auslaufen des Pachtvertrags | 2022 |
| Ende des aktuellen Pachtvertrags | Ende 2027 |
| Bewerbungsfrist | 3. Juni 2026 |
| Anzahl der Bewerber | 4 |
Welche Bewerbungen die Kriterien nicht erfüllen und welche Konsequenzen die Gemeinde daraus zieht, blieb in der vorliegenden Darstellung offen. Ebenfalls unklar ist bislang, welche zusätzlichen Kosten genau zu erwarten wären und wer sie gegebenenfalls zu tragen hätte.
Bedeutung für die Gmundnerinnen und Gmundner
Die Debatte betrifft nicht nur politische Zuständigkeiten: Es geht um einen öffentlichen Standort am Seeufer, der wirtschaftliche, touristische und städtebauliche Bedeutung hat. Ein länger anhaltender Leerstand würde das Ortsbild und das Angebot in der Innenstadt beeinträchtigen; Mehrkosten durch wiederholte Verfahren würden das Budget belasten. Deshalb verlangt die WIA nicht nur Informationen, sondern eine transparente Darstellung der Entscheidungswege und eine Offenlegung, wer für die Fristsetzung verantwortlich ist.
Die Stadtregierung ist gefragt, die offenen Fragen zeitnah zu beantworten: zur Bewertung der eingereichten Konzepte, zur möglichen Verlängerung des bestehenden Vertrags und zu den finanziellen Auswirkungen einer Neuausschreibung. Für betroffene Anrainerinnen und Anrainer sowie die lokale Wirtschaft ist entscheidend, dass ein Prozesswahl getroffen wird, die Planbarkeit und Kontinuität sicherstellt.