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Strategiewechsel in Salzburg: Mehr Qualität statt mehr Tagesgäste

Mit der Bestellung von Gregor Matjan als neuem Geschäftsführer der Salzburger Tourismusgesellschaft ab November rückt eine Qualitätsstrategie in den Mittelpunkt: Weniger flüchtige Tagesbesucher, mehr längerbleibende Gäste sollen Innenstadtentlastung und höhere Erlöse bringen. Hoteliers und Bevölkerung reagieren mit Erwartungen und Vorbehalten.

Strategiewechsel in Salzburg: Mehr Qualität statt mehr Tagesgäste
©Illustration KI Markus Baumgartner / steirerblatt.at

Neuer Kurs für den Salzburger Tourismus

Die Leitung der Salzburger Tourismusgesellschaft (TSG) wechselt im Herbst: Der 58-jährige Gregor Matjan, gebürtig aus Wien, übernimmt im November die Geschäftsführung. Seine angekündigte Zielsetzung ist eindeutig: Die Stadt soll künftig weniger auf Masse, dafür stärker auf Qualität setzen. Das betrifft sowohl die Zusammensetzung der Besucherinnen und Besucher als auch deren Verweildauer in Salzburg.

Hintergrund dieser Neuausrichtung sind belastbare Zahlen, die das derzeitige Besuchsbild der Stadt skizzieren: Jährlich werden in der Altstadt schätzungsweise zwischen 7 und 9 Millionen Tagesgäste gezählt. Dem stehen rund 15.000 Gästebetten gegenüber. Diese Diskrepanz ist zentraler Ausgangspunkt der Debatte um eine gezielte Reduktion von Kurzbesuchen zugunsten sogenannter „Premiumgäste“, die länger bleiben und mehr ausgeben.

Reaktionen aus Hotellerie und Bevölkerung

Vertreter der Hotellerie bewerten den angekündigten Strategie-Schwenk überwiegend positiv, sehen aber auch Handlungsbedarf bei der Umsetzung. Der Obmann der Fachgruppe Hotellerie, Georg Imlauer, fordert konkrete Maßnahmen, etwa eine Regulierung von Reisebusgruppen und die Prüfung einer Tagesgast-Abgabe. Er fasst die Lage pointiert zusammen:

"Wir haben in der Stadt Salzburg 15.000 Gästebetten und etwa dreimal so viele Tagesgäste, die die Stadt verstopfen. Die lassen das Thema 'Premium' immer wieder aufkommen."

Umfragen untermauern die Stimmung in der Bevölkerung: Rund 70 Prozent der Salzburgerinnen und Salzburger sehen touristische Effekte als belastend für den sozialen Zusammenhalt; mehr als die Hälfte wünscht sich generell weniger Gäste. Diese Einschätzungen machen die Entzerrung der Besucherströme zu einem zentralen Ziel zukünftiger Strategien.

Konkrete Projekte und offene Fragen

Als Mittel zur Lenkung werden Projekte genannt, die Gäste aus der historischen Innenstadt in andere Stadtteile und zu weniger überlaufenen Sehenswürdigkeiten führen sollen. Ein Beispiel ist der geplante „Sound of Music“-Pavillon in Hellbrunn, der als Magnet für Besucher außerhalb der Altstadt dienen soll. Ob solche Maßnahmen die Verweilzeiten und die Qualität der Besucher tatsächlich erhöhen, bleibt offen und wird zu den ersten Evaluationskriterien der neuen Geschäftsführung gehören.

  • Kernthema: Von Quantität zu Qualität im Städtetourismus
  • Erwartung: Weniger Tagesgäste, mehr länger bleibende „Premiumgäste“
  • Handlungsfelder: Busregulierung, mögliche Tagesgast-Abgabe, Besucherlenkung zu Ausflugszielen

Was das für Bewohner und Betriebe bedeutet

Für Anrainer könnte eine erfolgreiche Umsetzung Entlastung durch weniger kurzfristigen Andrang und weniger Lärm bedeuten. Für Hoteliers und Gastronomie besteht die Herausforderung darin, Angebote stärker auf länger bleibende Gäste auszurichten und entsprechende Preis- und Leistungsmodelle zu entwickeln. Öffentliche Stellen sind gefordert, Verkehrs- und Besucherlenkung mit passenden infrastrukturellen Maßnahmen zu verbinden.

IndikatorWert/Angabe
Gästebetten in der Stadt15.000
Geschätzte Tagesgäste pro Jahr7–9 Millionen
Anteil der Bevölkerung, der negative Effekte sieht70 %

Die anstehende Amtszeit von Gregor Matjan wird zeigen, ob aus den erklärten Zielen konkrete Maßnahmen und sichtbare Entlastungen für die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner folgen. Zentrale Prüfsteine werden die Wirkung auf die Besucherzahlen, die Verweildauer und die Akzeptanz in der Bevölkerung sein.

Markus Baumgartner
Markus KI Korrespondent in Salzburg online

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