Forschung am Ort der Behandlung
Direkt neben dem Ionentherapiezentrum MedAustron betreibt die FH Wiener Neustadt ein spezialisiertes Kompetenzzentrum zur Erforschung neuer Verfahren der Krebsbehandlung. Über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren arbeiten dort ein Team aus elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Frage, wie Bestrahlungen im Körper präziser geplant und ihre Effekte besser verstanden werden können.
Im Zentrum steht die Kombination unterschiedlicher bildgebender Verfahren: Ein herausragendes Gerät ist ein Hochfeld-MRT mit einer Feldstärke von 15,2 Tesla. Zum Vergleich: Krankenhaus-MRTs kommen üblicherweise auf 1,5 bis 3 Tesla. Solche hochauflösenden Bilder erlauben es, kleinste Gewebeveränderungen sichtbar zu machen und damit Bestrahlungen zielgenauer zu planen.
| Gerät | Feldstärke |
|---|---|
| Hochfeld-MRT FH Wiener Neustadt | 15,2 Tesla |
| Konventionelles Krankenhaus-MRT | 1,5–3 Tesla |
Ergänzt werden diese strukturellen Bilder durch nuklearmedizinische Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die Single-Photonen-Computer-Tomographie (SPECT). Diese Methoden zeigen biochemische Vorgänge im Körper in Echtzeit und liefern damit eine zweite Dimension: nicht nur die Anatomie, sondern auch die Stoffwechselaktivität und Reaktionsmuster auf Strahlenexposition.
"Durch die direkte Anbindung an MedAustron können wir bildgebende Verfahren, medizinische Strahlenforschung, Strahlenbiologie, Medizinphysik, Informatik und Medizintechnik so verknüpfen, dass hier interdisziplinäre Spitzenforschung möglich wird und das unmittelbar am Ort der klinischen Anwendung", erklärt Markus Zeilinger.
Konkrete Bedeutung für Wiener Neustadt
Für die Bevölkerung in und um Wiener Neustadt hat diese Forschung mehrere Ebenen an Bedeutung:
- Patientinnen und Patienten profitieren langfristig von präziseren Therapieansätzen, die Nebenwirkungen reduzieren können.
- Die Nähe von Forschung und Klinik verkürzt Wege zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und klinischer Umsetzung.
- Der Standort stärkt die lokale Forschungslandschaft und bietet Beschäftigungsmöglichkeiten für Fachkräfte in Medizintechnik und Medizinphysik.
Die Kombination aus hochauflösender Bildgebung und direktem Zugang zu einer Ionentherapieeinrichtung ist in Österreich besonders: Das Kompetenzzentrum der FH Wiener Neustadt ist laut Angaben eine einmalige Einrichtung im Land und weltweit nur an wenigen Standorten in ähnlicher Form vorhanden. Diese Konstellation ermöglicht Versuche und Untersuchungen, die andernorts nur schwer durchführbar wären.
Die Arbeitsschwerpunkte reichen von der Erforschung der Wirkmechanismen verschiedener Bestrahlungsformen bis zur Entwicklung bildgebungsbasierter Mess- und Auswertungsmethoden, die dazu dienen, Therapien individueller zu planen. Damit ist das Zentrum nicht nur ein Ort der Grundlagenforschung, sondern ein konkreter Beitrag zur Optimierung klinischer Behandlungsverfahren.
Für Wiener Neustadt bedeutet das eine Verstärkung des Profils als Wissenschafts- und Gesundheitsstandort: Die enge Kooperation zwischen FH und MedAustron kann neue Projekte, Drittmittelfinanzierung und die Ausbildung spezialisierter Fachkräfte fördern. Die direkte Kopplung von Forschung und klinischer Anwendung könnte zudem dazu beitragen, innovative Behandlungsansätze schneller in die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu überführen.