Die großen deutschen Wasserstraßen stehen derzeit unter erheblichem Druck: Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und dem Informationssystem Niwis weisen an vielen Messstellen von Rhein, Elbe und Donau aktuell extrem niedrige Wasserstände auf. Meteorologisch verantwortlich sind anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen; hydrologisch warnt die BfG, dass solche Niedrigwasserereignisse durch den Klimawandel langfristig intensiver werden können, weil mehr Wasser verdunstet.
Messwerte und aktuelle Situation
Laut Niwis zeigten zuletzt rund 44 Prozent der Messstellen am Rhein extrem niedrige Wasserstände, 16 Prozent an der Elbe und circa 78 Prozent an der Donau. Lokal wurden neue historische Tiefststände registriert: In Köln lag der Pegel am Samstagmittag bei 67 Zentimetern – das sind zwei Zentimeter weniger als beim bisherigen Tiefststand im Oktober 2018. In Duisburg-Ruhrort und in Düsseldorf wurden die Tiefstände aus dem Oktober 2018 wieder erreicht.
„Insgesamt überwiegt die weiterhin sinkende Tendenz“, heißt es in einem Bericht der BfG.
Auswirkungen auf die Güterschifffahrt
Vertreter der Schifffahrt sprechen bereits von spürbaren Effekten: Niedrigwasser reduziert die mögliche Lademenge pro Schiff, weshalb für die gleiche Gütermenge mehr Fahrten oder zusätzliche Schiffe nötig würden. Das macht Transporte teurer und kann Fahrten unwirtschaftlich werden lassen. Ein generelles Fahrverbot gibt es nicht; anders als bei Hochwasser entscheide jeder Schiffsführer selbst, ob eine Fahrt noch physikalisch und sicher möglich sei.
„Die Schifffahrt fährt, solange es physikalisch und sicher möglich ist.“
Ökonomische Folgen und Handlungsbedarf
Weniger Tragfähigkeit pro Schiff und mögliche Transportunterbrechungen treffen Hersteller, Raffinerien, Hafenlogistik und Lieferketten entlang der Flusskorridore. Schon kurzfristig können sich dadurch Transportkosten erhöhen und Terminsicherheit leiden. Mittel- bis langfristig drohen Anpassungskosten: Unternehmen müssen alternative Transportwege oder -modi organisieren, Lagerbestände anders planen oder in multimodale Lösungen investieren.
- Direkte Effekte: geringere Lademengen, höhere Transportkosten, mögliche Verzögerungen.
- Indirekte Effekte: Verlagerung auf Straße/Eisenbahn mit Folgen für Kosten und Emissionen.
- Langfristig: Zunehmende Häufigkeit und Intensität von Niedrigwasserereignissen durch Klimawandel.
Was bleibt unklar und welche Maßnahmen sind möglich?
Die Meldung enthält keine belastbaren Schätzungen zu volkswirtschaftlichen Gesamtkosten oder zu erwarteten Ausfallzeiten. Klar ist aber, dass die Kombination aus niedrigen Pegeln und anhaltender Hitze die Planbarkeit für Logistik und Produktion verschlechtert. Mögliche Maßnahmen reichen von kurzfristigen operativen Anpassungen in der Schifffahrt bis hin zu Investitionen in die Infrastruktur von Wasserstraßen, besserer Vorhersage und Koordination sowie zur Förderung alternativer Transportwege.
| Fluss | Anteilswert extrem niedriger Messstellen |
|---|---|
| Rhein | 44 % |
| Elbe | 16 % |
| Donau | ~78 % |
Die Lage ist bereits jetzt relevant für zahlreiche Betriebe und wird bei fehlender Niederschlagsbesserung voraussichtlich weiter an Schärfe gewinnen. Behörden, Verbände und Wirtschaft sind gefordert, kurzfristige Betriebsrisiken zu managen und gleichzeitig die längerfristigen Anpassungsstrategien an veränderte hydrologische Bedingungen zu verstärken.