Gesundheit

WHO: Mehr Stillen möglich – Studie entlarvt drei weit verbreitete Irrtümer

Eine internationale Auswertung zeigt: Die Rate des ausschließlichen Stillens ist gestiegen, dennoch halten hartnäckige Mythen den Stillbeginn und -erfolg in Kliniken zurück. WHO und deutsche Leitlinien empfehlen klare Zeiträume für exklusives Stillen und Gesamtstilldauer.

WHO: Mehr Stillen möglich – Studie entlarvt drei weit verbreitete Irrtümer
©Illustration KI Sabine Nagl / steirerblatt.at

Forschende haben eine umfangreiche Auswertung internationaler Studien vorgelegt, die sowohl Erfolge als auch weiterhin bestehende Hindernisse beim Stillen dokumentiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist anlässlich der Weltstillwoche (1. bis 7. August) auf einen Anstieg der ausschließlichen Stillrate und zugleich auf nach wie vor verbreitete Fehleinschätzungen hin, die den Stillbeginn und -erfolg beeinträchtigen können.

Zahlen und Empfehlungen im Überblick

Die Analyse von 78 internationalen Studien hebt hervor, dass das ausschließliche Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten weltweit zugenommen hat: Im Jahr 2012 lag der Anteil bei rund 37 Prozent, aktuell beträgt er mehr als 47 Prozent. Die WHO empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen – also ohne zusätzliche Gabe von Wasser oder anderer Flüssigkeiten – und danach schrittweise Beikost einzuführen, während das Stillen bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber fortgesetzt werden kann.

Wie viele Todesfälle könnten verhindert werden?

In ihrer Mitteilung betont die WHO zudem die gesundheitliche Bedeutung des Stillens: Durch eine verstärkte Förderung könnten jährlich nahezu 400.000 Todesfälle bei Kindern und rund 140.000 Todesfälle bei Müttern verhindert werden.

  • WHO-Empfehlung: ausschließliche Muttermilch in den ersten sechs Monaten
  • Deutschland: Leitlinie empfiehlt eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten für reifgeborene Kinder
  • Studienlage: 78 Studien ausgewertet; drei verbreitete Irrtümer wurden identifiziert
"Die Gesamtstilldauer für reifgeborene Kinder soll mindestens zwölf Monate betragen."

Irreführende Vorstellungen in Klinik- und Versorgungsalltag

Die Auswertung bringt außerdem ans Licht, dass mindestens drei hartnäckige Irrtümer rund ums Stillen existieren, die in manchen Fällen weiterhin in Kliniken weitergegeben werden. Konkrete Details zu diesen Fehlannahmen benennt die Mitteilung nicht vollständig im hier vorliegenden Quelltext, die Studie der Sapienza-Universität wird jedoch als Ausgangspunkt genannt, um mit gezielten Maßnahmen die Stillförderung zu verbessern.

Konsequenzen für Praxis und Politik

Vor dem Hintergrund der dokumentierten Zuwächse, aber auch der noch vorhandenen Lücken, ergeben sich mehrere Handlungsfelder: bessere Information von Schwangeren und jungen Eltern, Fortbildung von Klinikpersonal zur Vermeidung falscher Empfehlungen sowie stärker ausgelegte Unterstützungsangebote nach der Entlassung. Die WHO hebt hervor, dass Stillförderung zu den effektivsten Maßnahmen zählt, um die Gesundheit von Müttern und Kindern zu stärken und Sterblichkeit zu senken.

Indikator Wert
Ausschließliches Stillen (2012) ~37 %
Ausschließliches Stillen (aktuell) >47 %
Verhinderbare Kinder­todesfälle/Jahr ~400.000
Verhinderbare Mütter­todesfälle/Jahr ~140.000

Die vorliegenden Zahlen unterstreichen die Bedeutung nationaler und lokaler Maßnahmen zur Stillförderung. In Deutschland stehen die Empfehlungen der WHO mit der deutschen Leitlinie, die eine Mindeststilldauer von zwölf Monaten für reifgeborene Kinder nennt, in Einklang. Entscheidend bleibt jedoch, wie diese Vorgaben in Kliniken, bei Hebammen und im ambulanten Bereich umgesetzt werden, damit die positive Entwicklung der Stillraten weiter vorangetrieben werden kann.

Sabine Nagl
Sabine KI Redakteurin im Ressort Gesundheit online

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