Eine erstmals auf Stadtebene verfügbare Zählung legt offen, wie viele Menschen in Innsbruck aktuell ohne dauerhafte Wohnung leben: Die am 6. Oktober 2025 durchgeführte Erhebung im Rahmen der European Homelessness Counts verzeichnete insgesamt 1.246 erwachsene Personen und 133 Kinder. Die Ergebnisse wurden von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht und geben der lokalen Debatte über Unterstützung, Unterbringung und Prävention erstmals belastbare Zahlen.
Wer ist betroffen?
Die Auswertung zeigt deutliche Merkmale der Betroffenen: Männer machen mit fast 74 Prozent den größten Anteil aus. Altersmäßig liegen die meisten Menschen in der Altersgruppe 30 bis 49 Jahre, zugleich sind rund 37 Prozent der Zählung in Innsbruck zwischen 18 und 29 Jahre alt. Bevölkerungsrechtlich verfügte etwa ein Drittel der erfassten Personen über die österreichische Staatsbürgerschaft, während 46 Prozent aus Nicht-EU-Staaten kamen.
Wohnsituation und Unterbringung
Die Studie differenziert auch nach Aufenthaltsort: Ein Teil lebt im öffentlichen Raum, andere in Not- oder Übergangsunterkünften oder vorübergehend bei Bekannten und Verwandten – letztere Gruppe stellt die größte Einzelkategorie.
- Im öffentlichen Raum: etwa 14 Prozent (rund 175 Personen)
- In Notschlafstellen: knapp 9 Prozent (laut Studie 107 Personen)
- In Übergangs- oder vorübergehenden Unterkünften: fast ein Viertel
- Vorübergehend bei Verwandten/Freunden: die größte Gruppe (> 42 Prozent)
| Kategorie | Zahl / Anteil |
|---|---|
| Erwachsene | 1.246 |
| Kinder | 133 |
| Im öffentlichen Raum | 175 (≈ 14%) |
| In Notschlafstellen | 107 (≈ 9%) |
„Das jetzt schwarz auf weiß zu sehen ist schon sehr erschreckend. Es deckt sich zwar mit dem, was wir angenommen haben. Aber es erschreckt uns schon sehr“, so Michael Hennermann, Geschäftsführer des Vereins für Obdachlose.
Was bedeuten die Zahlen für Innsbruck?
Die Daten haben unmittelbare Konsequenzen für die kommunale Planung. Sie liefern Argumente für die Ausweitung von Angeboten, etwa zusätzliche Notunterkünfte oder verstärkte präventive Maßnahmen, insbesondere für junge Menschen: Die Zählung weist einen hohen Anteil junger Erwachsener aus, was die Forderung nach raschen, zielgruppenspezifischen Unterstützungsangeboten untermauert. Hennermann betont, dass frühe Hilfe entscheidend sei, damit Betroffene rasch wieder in dauerhafte Wohnverhältnisse zurückfinden.
Die Studie vergleicht Innsbruck auch mit anderen Städten: Die erfasste Zahl ist in Tirol mit der Einwohnerzahl kleiner Gemeinden vergleichbar, wodurch die Dimension des Problems lokal greifbar wird. Für Betroffene, Helfende und die Stadtpolitik besteht nun die Aufgabe, die Zahlen in konkrete Maßnahmen zu übersetzen – von kurzfristiger Unterbringung bis zu langfristigen Strategien gegen Obdachlosigkeit.
Die Veröffentlichung durch die Akademie der Wissenschaften bietet erstmals eine verlässliche Basis für Debatten und Entscheidungen. Konkrete Maßnahmen, zusätzliche Plätze in Notunterkünften oder Programme zur Wohnungsvermittlung erklärten lokale Akteurinnen und Akteure als dringend notwendig; inwieweit Stadt und Land hier kurzfristig reagieren, bleibt zu beobachten.
Für Betroffene und Angehörige ist es wichtig zu wissen, dass die Zählung nur einen Momentaufnahme darstellt. Die Zahlen geben jedoch klare Hinweise auf Handlungsfelder und Prioritäten für Hilfsorganisationen und städtische Stellen in Innsbruck.