Die bisher störende Trennung im Regionalverkehr über den Brenner könnte schon ab Mitte 2027 deutlich an Bedeutung verlieren: Mit neuen Mehrsystemzügen des Typs Coradia Stream planen die ÖBB und die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) eine stündliche Direktverbindung von Innsbruck über den Brenner nach Bozen und weiter bis Meran und Mals. Die neuen Garnituren werden derzeit beim Hersteller Alstom in Savigliano gefertigt; Tirols Mobilitätslandesrat René Zumtobel und sein Südtiroler Amtskollege Daniel Alfreider erhielten vor Ort Einblick in den Bau der Züge.
Was ändert sich für Pendler und Reisende?
Der entscheidende technische Vorteil der neuen Züge liegt in ihrer Mehrsystemtechnik: Sie sind in der Lage, sowohl mit dem österreichischen als auch mit dem italienischen Bahnstromsystem zu fahren. Für Fahrgäste bedeutet das, dass der bisher notwendige Zugwechsel am Brenner künftig entfällt. Das heißt konkret: Reisende können durchgehend sitzen bleiben, während das Zugpersonal am Brenner weiterhin gewechselt werden muss – ein gesetzlich vorgeschriebener Vorgang, der auch künftig einen Halt erfordert.
„Der Brennerpass ist ein verkehrliches Nadelöhr“,
betonte Landesrat René Zumtobel und verwies auf die Bedeutung eines attraktiven grenzüberschreitenden Bahnangebots für Pendlerinnen und Pendler sowie für den Tourismus.
Zahlen und Zeitplan
- 22 Mehrsystemzüge sind insgesamt vorgesehen.
- 6 dieser Garnituren werden direkt für die ÖBB gebaut und sollen ab 2027 ausgeliefert werden.
- In Südtirol sind bereits 4 baugleiche Coradia-Stream-Züge im Einsatz.
- Derzeit enden 35 Nahverkehrsverbindungen am Brenner; nur 4 fahren bisher als Direktverbindung weiter.
- Ziel ist ein durchgehender Stundentakt zwischen Innsbruck und Bozen mit Weiterfahrten nach Meran und Mals.
Der Unterschied zum aktuellen Angebot ist damit beträchtlich: Aus vielen heute am Brenner endenden Regionalverbindungen würden vollständig über die Grenze hinausreichende Verbindungen. Das erleichtert Pendelverkehre und kann die Attraktivität des Schienenverkehrs gegenüber dem Auto erhöhen.
Lokale Auswirkungen und Bedeutung
Für Stadt und Umland von Innsbruck hat die Maßnahme mehrere konkrete Folgen:
- Verbesserte Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen in beiden Ländern für Pendlerinnen und Pendler.
- Potenzial zur Entlastung der Brennerachse vom Individualverkehr, falls mehr Reisende auf die Bahn umsteigen.
- Attraktivitätsgewinn für grenzüberschreitenden Freizeit- und Tourismusverkehr, etwa für Tagesausflüge nach Südtirol.
Welche konkreten Fahrpläne, Anschlüsse an Regional- und S-Bahn-Verkehre in und um Innsbruck sowie Ticketmodalitäten gelten werden, ist in den vorliegenden Informationen nicht detailliert angegeben. Für Reisende und Pendlerinnen bedeutet das: Sobald die ÖBB und STA die endgültigen Fahrpläne und Ticketangebote veröffentlichen, ist eine Überprüfung der Verknüpfungen mit Pendlerzeiten und den öffentlichen Nahverkehrsanschlüssen innerhalb Innsbrucks notwendig.
Was bleibt zu klären
Offen ist nach den bisherigen Angaben, wie die Koordination der Fahrpläne im Detail aussehen wird, welche zusätzlichen Kapazitäten an Knotenbahnhöfen erforderlich sind und ob es begleitende Maßnahmen zur Bewerbung und Tarifkooperation geben wird. Ebenso unklar bleibt, in welchem Umfang die zusätzlichen Züge tatsächlich dazu beitragen, den Autoverkehr auf der Brennerachse zu reduzieren — das hängt vom Angebot, von Preisen und von der Abstimmung mit lokalen Verkehren ab.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Gesamtzahl der geplanten Mehrsystemzüge | 22 |
| Züge für ÖBB | 6 (Auslieferung ab 2027) |
| Bereits im Einsatz in Südtirol | 4 |
| Derzeit am Brenner endende Nahverkehrsverbindungen | 35 |
| Aktuelle Direktverbindungen über die Grenze | 4 |
Für die Menschen in Innsbruck bedeutet die Ankündigung eine potenzielle Erleichterung des grenzüberschreitenden Pendelns und eine verbesserte Vernetzung mit Südtirol. Welche konkreten Änderungen im Alltag sichtbar werden, hängt vom endgültigen Fahrplan, der Taktung und von der Integration in das bestehende Nahverkehrsnetz ab.