Stilles Gehen, laute Botschaft
Auf der Wiener Kärntner Straße haben Männer am Freitagvormittag mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die anhaltende Gewalt gegen Frauen und die Häufigkeit von Femiziden hingewiesen. Die Performance, organisiert vom Verein StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt, führte zur Wiener Staatsoper und verband symbolisches Handeln mit konkreten politischen Forderungen.
Der Verein nennt eine ernüchternde Rate: In Österreich komme es laut StoP auch 2026 im Schnitt alle zwei Wochen zu einem Femizid, also zur Ermordung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts. Diesen Befund stellten die Organisatoren in den Mittelpunkt der Aktion.
Form und Forderungen der Aktion
Mehrere Männer bewegten sich mit gebücktem Rücken und den Händen am Boden langsam entlang der Einkaufsmeile; andere trugen Plakate mit der Aufschrift „Nie wieder Femizid!“. Initiator der Kunstperformance war der Theatermacher Stefan Ebner. Die Vereinsvorsitzende Maria Rösslhumer betonte, es brauche Männer, die ein Zeichen setzen, um Gewalt gegen Frauen wirksam entgegenzutreten.
„Immer wenn wir nichts tun, unterstützen wir auch automatisch dieses System, von dem wir als Männer profitieren“,
so Ebner zur Intention der Aktion. Die Form unterstrich, dass es nicht nur um individuelle Täter, sondern um Strukturen und Verhaltensweisen in der Gesellschaft gehe.
Prominente Unterstützung und politische Forderungen
Bei der anschließenden Pressekonferenz trat Ex-Sozialminister Johannes Rauch als offiziell 100. Mitglied einer Männerkampagne von StoP auf. Rauch forderte eine strukturelle gesetzliche Verankerung der Gewaltprävention sowie einen nationalen Aktionsplan mit gesicherter Finanzierung.
Er wies zudem darauf hin, dass zu Prävention nicht nur physische Gewalt gehöre, sondern auch abfälliges Verhalten. In diesem Zusammenhang nannte Rauch Persönlichkeiten, die nach Sexismus-Vorwürfen von ihren Posten zurücktraten, darunter Walter Ruck und Roland Weißmann.
Was die Aktion für Wien bedeutet
Die Demonstration im Zentrum Wiens bringt mehrere Aspekte zusammen, die lokale Relevanz haben:
- Sie macht die Häufigkeit tödlicher Gewalt an Frauen sichtbar und setzt damit eine öffentliche Priorität.
- Sie mobilisiert Männer als Mitverantwortliche und fordert strukturelle Maßnahmen statt rein individueller Schuldzuweisungen.
- Die Teilnahme von Ex-Ministerien und bekannten Persönlichkeiten erhöht den politischen Druck für verbindliche Präventionsmaßnahmen.
Für Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt bedeutet das konkret, dass Forderungen nach besserer Finanzierung von Schutz- und Beratungsangeboten sowie gesetzlicher Verankerung von Präventionsmaßnahmen an Gewicht gewinnen könnten. Zugleich richtet die Aktion das Augenmerk auf Alltagskultur und Erziehung, Themen, die langfristig Einfluss auf Gewaltverhalten haben können.
Daten im Überblick
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Femizide (Durchschnitt 2026) | alle zwei Wochen |
| Mitglieder der Männerkampagne | 100 (Johannes Rauch trat als 100. Mitglied auf) |
Die Aktion auf der Kärntner Straße ist Teil eines breiteren Diskurses über Prävention, politische Verantwortung und gesellschaftliches Verhalten. Ob daraus kurzfristig konkrete politische Maßnahmen folgen, bleibt abzuwarten; die öffentliche Sichtbarkeit und die mit prominenter Unterstützung vorgetragenen Forderungen erhöhen jedoch den Druck auf die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung.