Großprojekt in Igls wird neu aufgelegt
Die als „Villa N“ bekannte Liegenschaft in Igls bei Innsbruck, einst von René Benko als privates Traumobjekt angelegt, steht vor einem grundlegenden Nutzungswandel. Nach Informationen, die dem Steirerblatt vorliegen, wird das Anwesen gegenwärtig nicht mehr als einzelnes Privatdomizil, sondern für eine touristische Verwendung geprüft. Hintergrund ist die Insolvenz der Laura Privatstiftung und die Tatsache, dass für das Anwesen derzeit kein Käufer gefunden wird.
Der zuständige Insolvenzverwalter, Stefan Geiler, sondiert gemeinsam mit der Stadt Innsbruck sowie einem externen Immobilienbüro mögliche Verwertungsoptionen. Ziel ist es, die Vermarktung so zu gestalten, dass Mittel für die Gläubiger der Stiftung generiert werden. Die Stadt hat signalisiert, ein nachvollziehbares und städtisch verträgliches Konzept zu prüfen.
Was das Projekt konkret umfasst
- Die Immobilie wird im Markt mit rund 60 Millionen Euro angesetzt.
- Das Grundstück misst etwa 6.000 Quadratmeter.
- In der Vorgeschichte: 2016 kaufte Benko das frühere Schlosshotel Igls für rund 11 Millionen Euro und ließ es abtragen, anschließend errichtete er die heutige Villa.
- Ein auffälliges Ausstattungsdetail war die im Keller errichtete Rekonstruktion der Blauen Grotte von Capri, deren Baukosten mit rund 2 Millionen Euro beziffert werden.
Für die Stadtverwaltung ist nun entscheidend, ob ein Hotel- oder Chaletkonzept städtebaulich und verkehrlich einzuordnen ist und welche Folgen für Nachbarschaft, Zweckwidmung und laufende Infrastruktur entstehen könnten.
Insolvenzlage und Auswirkungen
Die Insolvenz der benannten Stiftung steht in einem größeren wirtschaftlichen Kontext: Rund 3.000 Gläubiger fordern Forderungen in der Größenordnung von mehr als 40 Milliarden Euro aus dem Umfeld des Benko-Imperiums. Vor diesem Hintergrund sucht der Insolvenzverwalter pragmatische Lösungen, die eine Verwertung des Anwesens ohne monatelange Bieterverfahren ermöglichen.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Geschätzter Wert | 60 Mio. € |
| Grundstücksgröße | 6.000 m² |
| Kaufpreis Schlosshotel (2016) | ~11 Mio. € |
| Blaue Grotte (Baukosten) | ~2 Mio. € |
| Gläubiger | ~3.000 |
| Forderungen | >40 Mrd. € |
Für Innsbruckerinnen und Innsbrucker stellt sich damit die Frage, welche Form einer touristischen Nutzung mit Blick auf Lärm, Verkehr, Parkraum und lokale Hotellandschaft verträglich ist. Ein exklusives Nobelsanatorium oder mehrere luxuriöse Chalets hätten andere Auswirkungen als ein kleines Boutique‑Hotel.
Die Entscheidung über eine Umwidmung oder Genehmigung fällt nicht allein auf Basis ökonomischer Erwägungen: Stadtplanerische Rahmenbedingungen, Nachbarinteressen und das kommunale Entwicklungsbild von Igls werden in den Prüfungen eine gewichtige Rolle spielen. Sollte ein tragfähiges Konzept vorgelegt werden, kündigte die Stadt an, dieses sorgfältig zu prüfen.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet ein möglicher Betreiberwechsel konkretere Planungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten: Beteiligungsverfahren, Auflagen für Betrieb und Erschließung sowie Vorgaben zu Betriebszeiten und Nutzungsintensität könnten Bestandteile einer etwaigen Genehmigung werden. Die weitere Entwicklung bleibt Thema in den kommenden Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Stadt.