Innsbruck hat die Hermann‑Gmeiner‑Straße im Stadtteil Amras offiziell in Josefine‑Sölder‑Straße umbenannt. Die Maßnahme folgt auf die anhaltende öffentliche Diskussion über den Umgang mit Ehrungen für Verantwortliche des SOS Kinderdorf, nachdem Vorwürfe von Missbrauch gegen frühere Akteur:innen bekannt geworden waren. Die Umbenennung war bereits im April einstimmig vom Gemeinderat beschlossen worden; die Kommunistische Partei (KPÖ) enthielt sich.
Wer war Josefine Sölder und warum der Wechsel?
Josefine Sölder (1864–1930) war Lehrerin, Pädagogin und in den 1920er‑Jahren eine der ersten weiblichen Abgeordneten zum Tiroler Landtag. Sie vertrat im Landesparlament die Christlich‑Soziale Partei, den Vorläufer der ÖVP, und setzte sich nach Angaben der Stadt jahrzehntelang für Bildung, Frauenrechte und gesellschaftliches Engagement ein. Die Stadt begründet die Wahl des neuen Namens damit, die Erinnerungskultur verantwortungsbewusster auszugestalten und weniger prominente Verdienste sichtbar zu machen.
„Mit dieser Straße benennen wir zum ersten Mal bewusst nach einer verdienten Frau um: Josefine von Sölder war eine mutige Frau, die sich ihr Leben lang mit vollem Engagement für das eingesetzt hat, was sie für richtig hielt: Verbesserungen im Bildungsbereich“,
so die für Frauen zuständige Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (SPÖ). Die Stadt weist außerdem darauf hin, dass es von Sölder bisher weder Statuen noch Denkmäler gebe; die Umbenennung soll ihr Wirken im öffentlichen Raum verankern.
Konkrete Folgen für Anwohnende und Stadtverwaltung
Eine Straßenumbenennung bedeutet für Anrainer:innen und Betriebe praktische Änderungen: Adresse in Ausweisen und Verträgen, neue Beschilderung, Anpassungen in Karten- und Navigationsdiensten sowie mögliche Kosten für Briefköpfe, Visitenkarten oder Werbematerial. Die Stadt hat die Umbenennung formal beschlossen — Angaben zu etwaigen Unterstützungsleistungen oder Fristen für notwendige Adressänderungen liegen in der veröffentlichten Mitteilung nicht vor.
- Öffentlicher Raum: Die Namensschilder werden angepasst, städtische Wegweiser aktualisiert und Einträge in offiziellen Verzeichnissen geändert.
- Nachbarschaft: Anrainer:innen müssen Adressen in Dokumenten, Verträgen und digitalen Profilen angleichen.
- Erinnerungskultur: Die Stadt will mit der Umbenennung eine bewusste Neubewertung der Ehrungen erreichen und weniger bekannte Frauen der Stadtgeschichte sichtbarer machen.
Was bedeutet die Entscheidung für die Sichtbarkeit von Frauen in Innsbruck?
Mit der Umbenennung steigt die Zahl der Straßen in Innsbruck, die nach Frauen benannt sind, auf 23. Damit besteht weiterhin ein deutliches Ungleichgewicht zugunsten männlicher Namensgeber. Die Änderung ist daher auch symbolisch zu lesen: Sie markiert einen Schritt Richtung Ausgewogenheit, bleibt aber Teil einer größeren Debatte über Repräsentation und Erinnerung im öffentlichen Raum.
| Aspekt | Stand |
|---|---|
| Straßen in Innsbruck nach Frauen | 23 |
| Hintergrund der Umbenennung | Mutmaßliche Missbrauchsfälle im Umfeld von SOS Kinderdorf |
Die Umbenennung wurde bereits in der Gemeinderatssitzung beschlossen; die Umsetzung umfasst nun die praktische Umstellung der Beschilderung und die Aktualisierung amtlicher Register. Für Betroffene und Interessierte empfiehlt es sich, die Informationen der Stadt Innsbruck zu prüfen, um Fristen oder Unterstützungsangebote bei Adressänderungen zu erfahren.
Die Entscheidung löst unterschiedliche Reaktionen aus: Während Befürworter:innen die Neuausrichtung der Ehrungen als notwendigen Schritt hin zu einer verantwortungsvolleren Erinnerungskultur sehen, gab es auch Kritik, etwa an der Auswahl des neuen Namens – ein Punkt, auf den die KPÖ in der Gemeinderatssitzung hingewiesen hat. Die Umbenennung in Josefine‑Sölder‑Straße dokumentiert jedenfalls einen bewussten Versuch, das Stadtbild nicht nur inhaltlich, sondern auch geschlechtergerecht zu überdenken.