Fundplatz Königsberg liefert neue Einblicke in die Späte Bronzezeit
Bei den laufenden Ausgrabungen am Königsberg bei Tieschen haben Archäologinnen und Archäologen Hinweise auf eine bereits rund dreitausend Jahre alte Produktionsstätte für Textilien festgestellt. Die Forschungen, die seit rund sechs Jahren unter der Leitung von Wolfgang Neubauer durchgeführt werden, erweitern das Bild einer großflächigen, befestigten Siedlung in der Region.
Die Ausgräberinnen und Ausgräber dokumentierten bisher die Reste von vier Häusern aus der Späten Bronzezeit; dabei zeigt sich eine Bandbreite von Bauweisen. Besonders auffällig war in diesem Sommer die Freilegung eines sehr großen Wohnhauses mit einer Grundfläche von etwa 10 x 25 Meter. Das Gebäude wurde in Schwellbalkenbauweise auf einem stabilen Fundament aus lokalem Bruchstein errichtet. Die Wandkonstruktionen bestanden aus Flechtwerk mit Lehmverputz, das Dach war offenbar mit Schilf oder Stroh gedeckt, der Fußboden aus Holzbohlen.
"Auf dieser Trockensteinmauer liegen Balken auf, in diese sind Ständer eingezapft, welche das Dach tragen. Die Wände wurden aus lehmverputztem Flechtwerk aufgebaut, das Dach war mit Schilf oder Stroh bedeckt, der Boden bestand aus Holzbohlen", erklärte Wolfgang Neubauer.
Bedeutung der Funde und bisher dokumentierte Objekte
Die Fundstelle ist zudem für zwei nahezu vollständig erhaltene Feuerböcke bekannt, bronzezeitliche Kultobjekte, die heute im Universalmuseum Joanneum in Graz ausgestellt sind. Solche Objekte kommen in Mitteleuropa häufiger vor, ihre konkrete Funktion bleibt aber weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Ergänzend sprechen Spuren und Funde aus den diesjährigen Grabungen dafür, dass die Siedlung über eine ökonomische Grundlage verfügte, die über reine Subsistenz hinausging – dazu zählen Hinweise auf die organisierte Textilproduktion.
Wissenschaft und Region arbeiten zusammen
An den Ausgrabungen sind neben dem Forschungsteam regelmäßig Studierende, Schulklassen und freiwillige Helferinnen und Helfer aus der Region beteiligt. Der Einbezug lokaler Kräfte ermöglicht nicht nur zusätzliche Arbeitskapazität, sondern fördert auch die Vermittlung archäologischer Methoden und das Bewusstsein für den lokalen Kulturraum.
- Seit rund 6 Jahren laufende Forschung am Königsberg
- Mindestens 4 Hausgrundrisse der Späten Bronzezeit dokumentiert
- Freigelegtes Wohnhaus: etwa 10 x 25 m, Schwellbalkenbauweise
- Nachweis einer organisierten Textilproduktion
- Zwei erhaltene Feuerböcke im Universalmuseum Joanneum (Graz)
Öffentliches Forschungsfest am 25. Juli
Die Bevölkerung kann sich am 25. Juli beim Forschungsfest am Tieschener Hauptplatz kostenlos über die aktuellen Ergebnisse informieren. Das Angebot richtet sich an interessierte Laien ebenso wie an Fachpublikum und bietet die Gelegenheit, mit Forschenden ins Gespräch zu kommen und die Bedeutung der Funde für die Ortsgeschichte zu verstehen.
| Aspekt | Bekannte Details |
|---|---|
| Alter | ca. 3000 Jahre (Späte Bronzezeit) |
| Leitung | Wolfgang Neubauer |
| Dokumentierte Befunde | 4 Hausgrundrisse, großes Wohnhaus, Indizien für Textilproduktion, Feuerböcke |
| Kontaktpunkt für Öffentlichkeit | Forschungsfest, Tieschener Hauptplatz, 25. Juli (freier Eintritt) |
Für die Menschen im Bezirk bedeutet diese Forschung mehr als bloße wissenschaftliche Neugier: Konkrete Funde und deren Publikation stärken das Bewusstsein für die lange Besiedlungsgeschichte der Region und bieten zugleich Chancen für lokale Vermittlungsprojekte, Bildungspartnerschaften und den Kulturtourismus. Die Einbindung von Schulen und Freiwilligen stellt sicher, dass Wissen nicht nur gewonnen, sondern auch lokal verankert wird.
Weitere wissenschaftliche Auswertungen der diesjährigen Grabungssaison werden in den kommenden Monaten erwartet; die Präsentation beim Forschungsfest bietet die erste Möglichkeit, die Ergebnisse unmittelbar vor Ort nachzuvollziehen.