Ein Schuljahr im Zeichen gelebter Inklusion
An der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAFEP) in Bischofshofen wurde ein Projekt umgesetzt, das weit über einen einzelnen Aktionstag hinausgeht. Unter dem Titel „Ein Tag im Rollstuhl“ entwickelte sich eine Initiative zum Jahresprojekt mehrerer Klassen. Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen verbrachten jeweils einen kompletten Schultag im Rollstuhl, um Barrieren im Alltag konkret zu erfahren und Bedürfnisse von Menschen — insbesondere Kindern — mit Beeinträchtigungen besser einschätzen zu können.
Nach Angaben der Schule ist Inklusion ein zentraler Schwerpunkt im Ausbildungscurriculum. Das Vorhaben wurde über das gesamte Schuljahr getragen und systematisch in den Unterricht eingebunden. Ziel ist, angehende Pädagog:innen frühzeitig zu befähigen, in elementarpädagogischen Einrichtungen Situationen so zu gestalten, dass allen Kindern von Beginn an die Teilhabe an Aktivitäten möglich ist.
Praxisnahes Lernen als Brücke zur Berufswelt
Die Herangehensweise knüpft an die Unterrichtsfächer inklusive Pädagogik, Pädagogik, Didaktik und Praxis an. Entwickelt und kontinuierlich erweitert wurde das Projekt von der Pädagogin Eva Lürzer, die seit 2017 an der BAFEP unterrichtet. Sie beschreibt den Ausgangspunkt der Initiative mit den Worten:
„Ich habe mir im Jahr 2017, als ich an der BAFEP zu unterrichten begonnen habe, überlegt, wie ich den Schülerinnen und Schülern das Thema Beeinträchtigungen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vermitteln kann.“
Dafür wurden über die Jahre didaktische Materialien aufgebaut und beschafft, um unterschiedliche Beeinträchtigungen realitätsnah erfahrbar zu machen. Der praktische Zugang soll künftigen Fachkräften helfen, Bedürfnisse früh zu erkennen und daraus Rahmenbedingungen im Gruppenalltag abzuleiten — von der Raumgestaltung bis zur Planung gemeinsamer Aktivitäten.
Kontinuität trotz Strukturwandel in der Ausbildung
Die BAFEP Bischofshofen verweist auf eine lange Verankerung inklusiver Inhalte im Haus. Der ursprünglich an der Schule fix etablierte Lehrgang für inklusive Elementarpädagogik (vormals „SOKI-Lehrgang“) wurde an die Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig übersiedelt. Ungeachtet dieser institutionellen Veränderung bleibt das Thema im schulischen Alltag präsent. Das aktuelle Jahresprojekt fungiert als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis und führt zentrale Inhalte im eigenen Ausbildungskontext weiter.
Was das Projekt für den Pongau bedeutet
Für elementarpädagogische Einrichtungen im Bezirk St. Johann im Pongau ist die Qualifikation des Nachwuchses entscheidend. Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen fließen in Praktika und später in den Berufsalltag ein. Davon profitieren Kinder, Teams und Eltern gleichermaßen: Hindernisse werden eher erkannt, Kommunikationswege klarer, Anpassungen im Tagesablauf schneller getroffen. Langfristig stärkt dies die Qualität der Betreuung und kann helfen, inklusive Konzepte in Krabbelstuben und Kindergärten konsequent umzusetzen.
- Schüler:innen erleben konkrete Barrieren (Mobilität, Raum- und Wegeplanung) am eigenen Körper.
- Teams in Praxisstellen erhalten Rückmeldungen aus erster Hand über notwendige Anpassungen.
- Eltern profitieren von transparenteren Abläufen und einer Kultur der Teilhabe.
Elemente des Projekts im Überblick
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Klassen | Vierte Klassen |
| Dauer | Jahresprojekt über das gesamte Schuljahr |
| Schwerpunkt | Inklusion in elementarpädagogischen Kontexten |
| Praxisanteil | Ein kompletter Tag im Rollstuhl pro Teilnehmer:in |
| Institutioneller Kontext | Historische Verankerung des SOKI-Lehrgangs; Übersiedelung an die PH Salzburg Stefan Zweig |
Konkrete Lernwirkungen im Alltag
Die unmittelbare Erfahrung eines Tages im Rollstuhl macht sichtbar, wo Einrichtungen nachschärfen können: bei Zugängen, Bewegungsflächen, Hygieneräumen oder der Gestaltung von Übergängen (Ankommen, Essen, Garten). Ebenso relevant sind Feinheiten im Gruppengeschehen, etwa Sitzordnungen oder Materialhöhen. Die Teilnehmenden lernen, vorausschauend zu planen, ohne Kinder auszugrenzen — eine Kompetenz, die in der Elementarpädagogik als Schlüssel gilt.
Von Bedeutung ist darüber hinaus die Haltung: Inklusion wird nicht als Zusatz, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des pädagogischen Alltags verstanden. Dadurch werden Barrieren nicht erst nachträglich beseitigt, sondern möglichst früh antizipiert. Für die Region bedeutet dies, dass künftige Fachkräfte mit einem klaren Blick auf Teilhabe in die Praxis starten.
Ausblick
Mit dem Jahresprojekt setzt die BAFEP Bischofshofen ein deutliches Zeichen: Inklusive Bildung beginnt in der Ausbildung und zeigt Wirkung in den elementaren Bildungseinrichtungen der Umgebung. Der Ansatz verbindet Unterricht, Reflexion und Praxis mit dem Ziel, Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen von Anfang an gleichwertige Möglichkeiten zu eröffnen. Die Schule signalisiert damit, dass Inklusion in Bischofshofen nicht nur ein Leitgedanke ist, sondern im Schulalltag konkret erprobt und weiterentwickelt wird.