Die Universität für angewandte Kunst Wien hat am Donnerstag erneut eine sofortige Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes gefordert. Als vorgeschlagener neuer Name wird „Friedl-Dicker-Brandeis-Platz“ genannt, in Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordete Künstlerin und Designerin Friedl Dicker-Brandeis. Anlass der aktuellen Aussendung ist eine Kunstaktion während eines Angewandte-Festivals, bei der am Lueger-Denkmal Aufkleber angebracht wurden und die Polizei eingreifen musste.
Universität beklagt fehlende kritische Erinnerungskultur
In der Stellungnahme des Rektorats hieß es, dass der Platz trotz künstlerischer Kontextualisierung weiterhin von Rechtsextremen und Neonazis als Fotomotiv und Versammlungsort genutzt werde. Die Angewandte betont, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wirken Karl Luegers sei unter diesen Umständen kaum möglich. Rektorin Ulrike Kuch und die vier Stellvertreterinnen und Stellvertreter fordern daher eine klare Distanzierung von Luegers Antisemitismus und ein sichtbares Zeichen für das jüdische, internationale Wien.
„Die Lesart des schiefgestellten Denkmals als Mahnmal beeindruckt sie wenig. Eine kritische Erinnerungskultur ist unter diesen Umständen kaum möglich.“
Kontext: Kunstaktion und öffentliche Debatte
Erst vor etwa einem Monat wurde das Denkmalsprojekt „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ des Künstlers Klemens Wihlidal öffentlich präsentiert. Laut Angewandte hat die jüngste Aktion, bei der ein jüdischer Künstler das Denkmal mit Aufklebern versah, eine Debatte ausgelöst, in deren Verlauf die Polizei einschritt. Die Universität zieht daraus die Schlussfolgerung, dass eine bloße Kontextualisierung des Denkmals nicht ausreiche, um die problematische politische Symbolik des Ortes zu neutralisieren.
Was steht auf dem Spiel für Wien?
Die Forderung betrifft nicht nur symbolische Politik: Öffentliche Plätze prägen das Stadtbild, das Selbstverständnis und die Nutzbarkeit durch unterschiedliche Gruppen. Eine Umbenennung wäre ein deutliches politisches Signal und würde die Erinnerungskultur in Wien sichtbar neu ausrichten. Gleichzeitig ist mit rechtlichen und administrativen Abläufen zu rechnen, sollte die Stadt diesem Vorstoß nachgeben — von Beschlussfassungen bis zur tatsächlichen Änderung von Beschilderung und Karten.
- Betroffene Institution: Universität für angewandte Kunst Wien
- Vorgeschlagener neuer Name: Friedl-Dicker-Brandeis-Platz
- Auslöser: Kunstaktion und anhaltende Nutzung des Platzes durch Rechtsextreme
Praktische Folgen und Ausblick
Für Bewohnerinnen und Bewohner Wiens bedeutet eine solche Debatte konkret: mögliche Änderungen bei Beschilderung, Adressen in Behörden- und Unternehmensdatenbanken sowie neue Kommunikationsmaßnahmen der Stadt. Politisch würde die Umbenennung eine erneute Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe Karl Luegers anstoßen — ein Thema, das bereits in den vergangenen Jahren wiederholt kontrovers diskutiert wurde.
Ob die Stadtregierung dem Appell der Angewandten folgen wird, bleibt offen. Bisher liegen vonseiten der Stadt Wien keine bestätigten Reaktionen auf die aktuelle Forderung vor. Sollte ein formeller Antrag zur Umbenennung gestellt werden, wären die nächsten Schritte ein Beschluss im zuständigen Gemeinderatsausschuss und eine öffentliche Beratungs- und Entscheidungsphase.
| Aspekt | Stand / Kommentar |
|---|---|
| Initiator | Universität für angewandte Kunst Wien |
| Vorschlag | „Friedl-Dicker-Brandeis-Platz“ |
| Auslöser | Kunstaktion + Beobachtete Nutzung durch Rechtsextreme |
Die Debatte über den Namen eines prominenten Wiener Platzes ist mehr als eine Frage der Bezeichnung: Sie ist Ausdruck darüber, wie die Stadt mit ihrer Geschichte umgeht und welche Werte sie im öffentlichen Raum sichtbar machen möchte.