Das Präventionsprojekt „Stadtteile gegen Partnergewalt“ (StoP) wird in Wels nicht weitergeführt, obwohl die notwendigen Bundesmittel bereits bewilligt worden sind. Ursache für das Aus ist nach Angaben der Dachorganisation, des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), das Ausbleiben einer Trägerorganisation: Das Frauenhaus Wels habe sich „aus organisatorischen und kapazitären Gründen“ zurückgezogen, und bis zum geplanten Projektstart im Juni 2026 sei weder eine neue Trägerstruktur vorhanden gewesen noch ein eigenständiger Verein gegründet worden.
Warum das Projekt wichtig war
StoP galt als ein etabliertes Präventionsmodell, das in Stadtteilen direkt vor Ort auf Vernetzung, Sensibilisierung und niedrigschwellige Ansprache setzte. In Wels wurde dem Angebot besondere Bedeutung beigemessen: Die Debatte um Prävention hat durch mehrere schwere Vorfälle in der Region an Dringlichkeit gewonnen. Vertreterinnen der Stadtpolitik betonen parteiübergreifend, dass entsprechende Initiativen notwendig seien, um Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen und Hilfsangebote zu stärken.
Reaktionen aus der Politik und von Betroffenen
Die Welser Sozialreferentin Christa Raggl-Mühlberger (FPÖ) äußerte gegenüber der Berichterstattung, die Bedeutung solcher Projekte sei „absolut gegeben“ und in der aktuellen Situation besonders wichtig. Trotz dieses Rückhalts auf politischer Ebene führte das Fehlen einer Trägerorganisation dazu, dass die organisatorischen Voraussetzungen für eine Fortsetzung nicht gegeben waren.
„Da bis zum vorgesehenen Projektbeginn von StoP 5.0 im Juni 2026 weder eine neue Trägerorganisation zur Verfügung stand noch ein eigenständiger Verein gegründet wurde, lagen die organisatorischen Voraussetzungen für eine Fortführung nicht vor.“
Konkrete Folgen für Wels und den Bezirk
Das Aus des Projekts bedeutet für die unmittelbare lokale Arbeit:
- Wegfall geplanter Präventions- und Aufklärungsangebote in betroffenen Stadtteilen.
- Verzögerung beim Aufbau neuer Netzwerke zwischen Hilfsorganisationen, Gemeinde und Beratungsstellen.
- Unsicherheit, ob vorhandene Fördermittel zeitnah anderweitig verwendet oder zurückgegeben werden.
Für Betroffene und Fachstellen im Bezirk Wels-Land kann das Einstellen von StoP eine Lücke in der lokal verankerten Präventionsarbeit bedeuten. Zugleich zeigt der Fall die Bedeutung verlässlicher Trägerstrukturen bei der Umsetzung geförderter Projekte: Ohne organisatorische Kapazitäten können selbst bewilligte Mittel und politischer Rückhalt nicht in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.
Zeitleiste und Beteiligte
| Datum / Zeitraum | Ereignis |
|---|---|
| Anfang 2026 | StoP als geplantes Präventionsprojekt in Wels vorgesehen |
| Mai 2026 | AÖF teilt mit, dass das Frauenhaus Wels nicht mehr als Träger zur Verfügung steht |
| Juni 2026 (geplanter Start) | Keine neue Trägerorganisation bzw. kein eigenständiger Verein gegründet → Fortführung nicht möglich |
Die im Bericht genannten Akteurinnen und Akteure sind: der Verein AÖF als Dachorganisation, das Frauenhaus Wels als zuvor vorgesehener Träger und die Stadt Wels bzw. die Sozialreferentin als politische Ansprechpartnerin. Das zuständige Frauen- und Sozialministerium bestätigte, dass die erforderlichen Bundesmittel bewilligt seien.
Was jetzt bleibt, ist die Frage, ob kurzfristig eine neue Trägerorganisation gefunden oder ein Verein gegründet werden kann, um das Projekt doch noch zu retten. Bis dahin bleibt die Region um Wels-Land um eine verstetigte, lokal verankerte Präventionsmaßnahme ärmer.