Plötzliches Ende des Betriebes nach Förderstopp
Das traditionsreiche Jugendzentrum Don Bosco in Amstetten blieb am vergangenen Wochenende zum ersten Mal nach rund 60 Jahren geschlossen: Für das bislang laufende Angebot gab es am Samstag den bislang letzten Öffnungstag. Hintergrund ist der Wegfall einer langjährigen Förderung durch das Land Niederösterreich, wodurch dem Sozialwerk Don Bosco das Geld für den Weiterbetrieb ausgegangen ist.
Die leitende Betreuerin, Eli Malicek, schilderte, dass dem Team die Kündigung ausgesprochen worden sei und das Haus „nach dem heutigen Nachmittag geschlossen bleiben muss“. Die Geschäftsführerin des Trägervereins, Regina Schmid, bestätigte, dass der finanzielle Spielraum zur Erhaltung des Zentrums nach dem Wegfall der Landesmittel nicht mehr ausreichte.
„Wir wurden gekündigt, das bedeutet, dass das Don Bosco-Heim nach dem heutigen Nachmittag geschlossen bleiben muss.“
Politische Auseinandersetzungen und fehlende Landesmittel
Die Schließung ist nicht nur eine soziale, sondern auch eine politische Angelegenheit: Der Fall hatte bereits in den vergangenen Monaten für erhebliche Diskussionen gesorgt. Kritik aus der Landespolitik und Debatten im Amstettner Gemeinderat sowie im Landtag begleiteten den Streit um die künftige Finanzierung. In Medienberichten wurden politische Vorwürfe benannt, Rücktrittsforderungen oder inhaltliche Auseinandersetzungen wurden geführt.
Für das laufende Jahr hätten 50.000 Euro gefehlt, um den Weiterbetrieb abzusichern; diese Summe wurde von der Landesregierung nicht bereitgestellt. Damit liefen die laufenden Kosten des Hauses dem Sozialwerk über den Kopf.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Betriebsjahre | ~60 |
| Fehlbetrag für 2026 | 50.000 Euro |
Stadt Amstetten signalisiert Interventionsbereitschaft
Als Perspektive bleibt die Stadt Amstetten als potenzieller Rettungsanker. Bürgermeister Christian Haberhauer (ÖVP) und Jugendstadtrat Helfried Blutsch (SPÖ) erklärten bereits, dass die Stadt den Betrieb des Zentrums ab Anfang 2027 fortführen wolle. Die Stadtführung spricht von mehreren möglichen Modellen: eine partnerschaftliche Lösung mit dem Sozialwerk Don Bosco oder eine eigene kommunale Trägerschaft, falls eine Kooperation nicht zustande kommt.
- Betroffene: Jugendliche und betreuende Fachkräfte des Zentrums
- Träger: Sozialwerk Don Bosco (Kurzfristig ohne ausreichende Mittel)
- Kommunale Option: Stadt Amstetten kündigte Unterstützung für 2027 an
Was das für Jugendliche vor Ort bedeutet
Für die Besucherinnen und Besucher des Jugendzentrums bedeutet die Schließung den Wegfall niedrigschwelliger Treff- und Beratungsangebote sowie pädagogischer Freizeitangebote. Solche Zentren bieten neben Freizeitgestaltung oft auch Unterstützung bei schulischen, sozialen und persönlichen Problemen. Der angekündigte Neustart durch die Stadt ab Jahresbeginn 2027 lässt für den Zeitraum bis dahin jedoch eine Lücke entstehen. Die konkrete Ausgestaltung einer städtischen Lösung – Personal, Finanzierung, Standort und Trägerform – ist bislang offen und wird von den kommenden Gesprächen abhängen.
Das Don Bosco-Heim ist insofern ein Beispiel dafür, wie kommunale Träger, Landesförderung und politische Debatten unmittelbar zusammenwirken und lokale Angebote schnell gefährdet sein können, wenn eine Finanzierungsquelle entfällt. Für Betroffene und Unterstützer bleibt jetzt vor allem die Erwartung, dass rasch geklärt wird, wie die Betreuung in dem Stadtteil nachhaltig gesichert werden kann.