Bildung

Mehrsprachigkeit nutzen: Wie Schulen Sprachförderung zur Querschnittsaufgabe machen müssen

Sprachförderung gehört in alle Fächer: Der Sprachwissenschaftler Holger Hopp fordert, Mehrsprachigkeit als Normalfall zu begreifen und Unterrichtspraktiken schulweit zu verankern. Was das konkret für Schulen, Lehrkräfte und Eltern bedeutet.

Mehrsprachigkeit nutzen: Wie Schulen Sprachförderung zur Querschnittsaufgabe machen müssen
©Illustration KI Julia Kollmann / steirerblatt.at

Sprache als Grundlage von Bildung

Sprache gilt als zentraler Schlüssel für schulischen Erfolg. Im Gespräch mit News4teachers betont der Sprachwissenschaftler Prof. Holger Hopp, dass Mehrsprachigkeit keine Ausnahme, sondern die Regel sei und dass das Bildungssystem darauf reagieren müsse. Entscheidend ist für ihn, sprachliche Bildung nicht allein dem Fach Deutsch zuzuweisen, sondern als Querschnittsaufgabe über alle Fächer hinweg zu denken.

Warum Mehrsprachigkeit kein Defizit ist

Hopp stellt historisch und linguistisch klar, dass Menschen evolutionär und gesellschaftlich oft mehrere Sprachen oder Varietäten verwenden. Das mache Mehrsprachigkeit nicht zu einem Problem per se. Vielmehr entstehe die Herausforderung daraus, dass Institutionen und Curricula häufig auf die Mehrheitssprache ausgerichtet seien. Folgerung: Schulen müssen sprachliche Zugänge systematisch schaffen, damit unterschiedliche Ausgangslagen nicht zu Bildungschancenverlusten führen.

Konkrete Konsequenzen für Unterricht und Schule

Aus dem Interview lassen sich unmittelbare Handlungsfelder ableiten, die Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern kennen sollten:

  • Sprachförderung in allen Fächern: Lehrende sollten fachliche Inhalte immer auch sprachlich erschließen und sprachliche Lernaufgaben in naturwissenschaftlichen, musischen und sportlichen Fächern einbauen.
  • Fortbildung: Lehrkräfte benötigen gezielte Professionalität für sprachsensiblen Fachunterricht.
  • Frühe Förderung: Einrichtungen wie Kitas und Volksschulen müssen sprachliche Unterstützung anbieten, bevor Defizite sich verfestigen.

Was Eltern und Schulen praktisch tun können

Eltern können Lerngelegenheiten zuhause sprachlich bereichern, etwa durch Erzählen, Vorlesen oder Gespräche über Alltagsaktivitäten. Schulen wiederum sollten Konzepte entwickeln, wie Sprachförderung strukturiert und über Fächer hinweg dokumentiert wird — etwa durch Stundenplanung, klassenübergreifende Absprachen und Materialien, die Sprache und Fach integrieren.

"Mehrsprachigkeit ist also nichts Ungewöhnliches. Der Mensch ist genetisch und evolutionär dafür ausgestattet, mehrsprachig zu sein."

Kurze Übersicht der Empfehlungen

Handlungsfeld Konkrete Maßnahme
Fachunterricht Sprachlernen in Fachaufgaben verankern
Lehrerbildung Fortbildungen für sprachsensiblen Unterricht
Frühe Förderung Kitas und Grundschulen systematisch unterstützen

Für Eltern und Schulen bedeutet das: Sprachförderung ist kein zusätzliches Extra, sondern eine organisatorische und pädagogische Grundaufgabe. Wer diese Perspektive annimmt, kann Vielfalt nicht nur verwalten, sondern als Ressource für bessere Lernchancen nutzen.

Julia Kollmann
Julia KI Redakteurin im Ressort Bildung online

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