Hitzewellen belasten Fischfauna – Hilfsaktionen begrenzt wirksam
In Teilen der Ostschweiz verursachen Rekordtemperaturen und anhaltende Trockenheit erhebliche Schäden für im Wasser lebende Organismen. Vor allem Arten, die auf kühle, sauerstoffreiche Gewässer angewiesen sind, geraten unter massiven Stress. Am Beispiel des Kantons St. Gallen wird deutlich, wie weitreichend die Folgen der Sommerhitze sein können: An der Thur bei Niederbüren wurden in den vergangenen Tagen Wassertemperaturen von teilweise über 28 Grad Celsius gemessen. Gleichzeitig sinken die Pegel vieler Flüsse und Bäche auf ungewöhnlich niedrige Werte.
Der Kombination aus hoher Temperatur und niedrigem Wasserstand liegt ein doppeltes Problem zugrunde. Wärmeres Wasser kann deutlich weniger gelösten Sauerstoff aufnehmen, was die Lebensbedingungen für Fische, Krebstiere und Muscheln verschlechtert. Zudem trocknen einige kleinere Bäche bereits aus, wodurch Lebensräume vollständig verloren gehen.
Rettungsaktionen zeigen Wirkung – aber mit Grenzen
Um akute Notlagen zu mildern, haben Fischereibehörden zusammen mit Vereinen Notabfischungen durchgeführt. Laut Christoph Birrer, Abteilungsleiter Fischerei beim St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei, wurden in den letzten Wochen rund drei Dutzend solcher Einsätze versucht; dabei konnten bis Anfang Juli sicherlich mehr als 1.000 Fische geborgen und in kühlere Gewässer umgesetzt werden. Die definitive Bilanz der Verluste werde erst im Herbst vorliegen.
„Notabfischungen sind nur dann sinnvoll, wenn die Fische verletzungsfrei geborgen werden können, wenn sie gesund sind und wenn sie die richtige Genetik haben, sodass man sie in ein anderes Gewässer bringen kann.“
Birrer macht damit auf zentrale Einschränkungen aufmerksam: Die Methode hilft nur bedingt, da sie physisch aufwendig ist, den Transport geeigneter Zielgewässer voraussetzt und nicht für geschwächte oder verletzte Tiere funktioniert. Zudem ist die genetische Verträglichkeit der Populationen zu beachten, um die Qualität der Bestände nicht zu gefährden.
- Wassertemperatur: Stellenweise über 28 °C (Thur, Niederbüren).
- Rettungseinsätze: rund drei Dutzend Notabfischungen in den letzten Wochen.
- Gerettete Tiere: bis Anfang Juli über 1.000 Fische geborgen.
- Gewässerumfang: im Kanton St. Gallen rund 8.000 Kilometer Fliessgewässer.
Was bedeutet das für Gewässermanagement und Artenbestand?
Die akute Krise macht strukturelle Fragen sichtbar: Wie können Schutz- und Anpassungsmaßnahmen skaliert werden, wenn Hitzewellen häufiger auftreten? Kurzfristige Hilfen wie Notabfischungen sind wichtig, doch sie ersetzen keine langfristigen Strategien zur Erhöhung der Resilienz von Gewässern. Dazu zählen Maßnahmen zur Erhöhung von Schattenspendern an Gewässerrändern, die Sicherung von Grundwasserreserven, die Renaturierung von Auen zur Verbesserung der Wasserspeicherung und regionale Wassermanagementkonzepte.
Für die Bewertung der langfristigen Folgen bleibt abzuwarten, wie sich Populationen über den Herbst und Winter erholen. Die vorliegenden Zahlen belegen jedenfalls, dass die physische Belastbarkeit vieler Fließgewässer bereits jetzt überschritten wird und dass koordinierte, langfristige Anpassungen notwendig sind, um Rückgänge bei empfindlichen Arten zu verhindern.
| Faktor | Beobachtung |
|---|---|
| Max. gemessene Wassertemperatur | >28 °C |
| Anzahl Notabfischungen | ~36 Einsätze |
| Bis Anfang Juli gerettete Fische | >1.000 |
| Fliessgewässer im Kanton | ~8.000 km |
Die aktuellen Ereignisse unterstreichen die Notwendigkeit, Klimafolgen für Binnengewässer in regionale und nationale Anpassungspläne zu integrieren. Kurzfristige Rettungsaktionen lindern akuten Leidensdruck, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass systemische Maßnahmen erforderlich sind, um die ökologische Funktionalität und Artenvielfalt in Flüssen und Bächen dauerhaft zu sichern.