Angst als Thema, Kloster als Schauplatz
Wenn man einen Raum betritt, der im Halbdunkel liegt, und vom Fußboden ein monotones "Kling, Kling, Kling" erklingt, ist das kein Zufall. In der neuen Ausstellung im St.-Georg-Kloster von Götschendorf haben Kunstschaffende Klangobjekte, Videoarbeiten und Installationen so arrangiert, dass beim Publikum körperliche Reaktionen ausgelöst werden. Die Arbeiten der Gruppe, die sich unter anderem aus der Psychotherapeutin und Malerin Jana Schröder sowie dem Videokünstler Matthias Fitz zusammensetzt, wollen nicht nur zeigen, sondern erfahren lassen, wie Angst wirkt.
Mediale Bilder, private Erinnerung, staatliche Steuerung
In einer der zentralen Arbeiten liegt ein Bildschirm rücklings auf dem Boden und zeigt flackernde Ausschnitte von Kriegsberichten, begleitet von Sirenen, Schreien und verzerrten Nachrichtenschnipseln. Die Kombination aus Bild, Ton und Raum erzeugt kein rationales Erzählen, sondern ein klimaähnliches Gefühl: Unsicherheit. Die Initiatoren der Schau sehen diese Art kollektiver Furcht nicht nur als individuelles Erlebnis, sondern auch als politisches Instrument. Ein Kernmotiv der Ausstellung ist die Frage, inwieweit Unsicherheit zur Steuerung von Gesellschaften genutzt werden kann — eine Beobachtung, die in der Pandemiezeit besondere Brisanz gewann.
Wie die Idee entstand und wohin sie reiste
Aus den Gesprächen während der Corona-Jahre heraus entstand die Intention, Angst als verbindendes, aber auch spaltendes Thema sichtbar zu machen. Die derzeitige Präsentation in Götschendorf ist nicht die erste Station: Die Gruppenausstellung war bereits an mehreren Orten zu sehen und versteht sich als wanderndes Projekt, das verschiedene Publikumsschichten ansprechen will.
- Kuratorische Leitung: Mitglied der Künstlergruppe „Wunden“
- Interdisziplinäre Ansätze: Malerei, Klanginstallation, Video
- Ziel: Angst als psychologisches und politisches Phänomen erfahrbar machen
Ausstellungstermine und Stationen
| Station | Jahr |
|---|---|
| Magdeburg | 2025 |
| Leipzig | 2025 |
| Coswig | 2025 |
| Hilsbach | 2025 |
| Götschendorf (St. Georg-Kloster) | 2025/2026 |
Die Gruppe hat ihr Projekt erstmals 2025 an verschiedenen Orten gezeigt; die aktuelle Präsentation in Götschendorf ist Teil dieser Wanderausstellung. Die künstlerische Auseinandersetzung verbindet persönliche Erfahrungen aus Therapie und künstlerischer Praxis mit filmisch-dokumentarischen Fragmenten und schafft so Räume, in denen Zuschauerinnen und Zuschauer eigene Gefühle wiedererkennen, hinterfragen und diskutieren können.
Die Ausstellung wirft wichtige Fragen auf: Welche Rolle spielen Medienbilder für das individuelle Angstempfinden? Wann wird Unsicherheit politisch instrumentalisiert? Und wie können Kunst und Therapie zur Reflexion und Verarbeitung beitragen? In einem Zeitalter fragmentierter Informationslandschaften bleibt die Suche nach Antworten gesellschaftlich dringend.