Ein Dorfträger zwischen Pflege, Kinderbetreuung und drohender Schieflage
Im hinteren Bregenzerwald betreiben drei Gemeinden gemeinsam ein Sozialzentrum, das ein kleines Pflegeheim, Kinderbetreuung und weitere Dienste anbietet. Eine aktuelle Analyse des Rechnungshofs zeigt: Die wirtschaftliche Lage des Gemeindeverbands und seiner Betreibergesellschaft hat sich in den Jahren 2020 bis 2024 sukzessive verschlechtert.
Warum die Größe hier ins Gewicht fällt
Das Pflegeheim verfügt über nur 32 Betten. Im Vergleich zu größeren Häusern im Land – dort sind bis zu 118 Betten möglich – verteilen sich viele Fixkosten auf weniger Plätze, was die Aufwände pro Bett erhöht. Zudem konnten aufgrund von anhaltenden Personalproblemen nicht immer alle Betten belegt werden: 2024 waren es 28 belegte Betten.
Leistungen, die das Haus erbringt
- Stationäre Langzeit‑ und Kurzzeitpflege (32 Betten)
- Tagesbetreuung für ältere Menschen
- Essen auf Rädern und Verpflegung – auch für Externe
- Kinderbetreuung von 1,5 Jahren bis zum Kindergarteneintritt
- „Betreubares Wohnen“ sowie Case‑ und Care‑Management
Unklare Kostendeckung und Förderstrukturen
Laut Bericht stellen die vom Sozialfonds ausbezahlten Verpflegsgelder den Großteil der Erlöse der Betreibergesellschaft. Gleichzeitig sind die einzelnen Leistungsbereiche – darunter Pflege, Betreuung und die Verpflegung für externe Kunden – nicht kostendeckend. Eine fehlende Kostenrechnung macht es unmöglich, das genaue Ausmaß der Unterdeckung, etwa beim Essen auf Rädern, genau zu beziffern.
Case und Care Management: Förderung, aber auch mögliche Interessenskonflikte
Das Haus übernimmt neben der Betriebsführung des Pflegeheims auch Aufgaben des Case und Care Managements, die vom Land Vorarlberg gefördert werden. Der Rechnungshof weist darauf hin, dass diese Kombination von Betreiber- und koordinierenden Funktionen kritisch zu betrachten ist: Es entstehen Überschneidungen, die einer genauen Prüfung bedürfen.
Konkrete Zahlen auf einen Blick
| Jahr / Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Betten (gesamt) | 32 |
| Betten 2024 (belegt) | 28 |
| Größtes Pflegeheim in Vorarlberg (Vergleich) | 118 Betten |
Die Erkenntnisse des Rechnungshofs werfen grundsätzliche Fragen auf: Wie kann die Versorgung in strukturschwächeren Regionen nachhaltig gesichert werden, ohne dass Gemeinden langfristig Verluste tragen? Welche Rolle spielen Förderungen und welche Instrumente zur Kostenrechnung sind notwendig, um Transparenz und Steuerung zu verbessern? Für die betroffenen Gemeinden und die Nutzerinnen und Nutzer der Dienste steht die Herausforderung im Raum, Angebotssicherheit und finanzielle Tragbarkeit in Einklang zu bringen.