In Hamburg-Bergedorf ist nach Angaben des Landesamts für Verfassungsschutz eine Zunahme junger Gruppierungen zu beobachten, die äußerlich an die Skinhead-Szene der 1980er und 1990er Jahre erinnern. Dabei geht es primär um ein Stil- und Identitätsangebot: Bomberjacken, hochgekrempelte Jeans und Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln prägen das Erscheinungsbild, die organisatorische Struktur jedoch bleibt schwach ausgeprägt.
Charakter der Gruppen
Die Behörden sprechen von einer Jugendbewegung, deren Mitglieder häufig noch sehr jung sind – teilweise unter 18 Jahren. Sie bilden keine festen, hierarchischen Verbände, sondern treten in losen, teilweise voneinander unabhängigen Zusammenschlüssen auf. Der Verfassungsschutz beschreibt sie als weniger ideologisch durchdrungen als die traditionellen rechtsextremen Organisationen, doch sie übernehmen Sprachmuster und Feindbilder aus der rechtsextremen Szene.
„Es handelt sich um subkulturellen Rechtsextremismus“, sagte Torsten Voß, Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, und fügte hinzu, die Gruppen seien „eher eine Kopie der Szene von damals, aber eine nicht besonders intelligente“.
Rolle digitaler Netzwerke
Soziale Medien spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Vernetzung dieser Gruppen. Kontakte würden zunächst online geknüpft und erst später in der realen Welt vertieft. Diese Form der Vernetzung begünstigt eine hohe Fluktuation der Mitglieder und erschwert die Zuordnung zu festen Organisationen.
- Alter: überwiegend Jugendliche, teils minderjährig
- Struktur: lose, ohne feste Hierarchien
- Ideologie: fragmentarische Übernahme rechtsextremer Narrative
- Ort: auffällig in Hamburg-Bergedorf (Ausprägung regional beobachtet)
Risiken und Beobachtungen
Obwohl die Gruppen äußerlich an frühere Skinhead-Subkulturen erinnern, gibt es bislang keinen Hinweis auf eine besondere Häufung politisch motivierter Straftaten in dem beobachteten Schwerpunktgebiet. Das Fehlen strafrechtlicher Verdachtsmomente bedeutet jedoch nicht, dass die Entwicklung unproblematisch ist: Durch die Übernahme rechtsextremer Feindbilder – etwa die Abwertung ethnisch-religiöser Minderheiten – können soziale Konflikte angefacht und normalisiert werden.
| Aspekt | Beobachtung |
|---|---|
| Struktur | flüchtig, dezentrale Zusammenschlüsse |
| Rekrutierung | primär über digitale Plattformen |
| Delinquenz | kein signifikanter Anstieg politisch motivierter Straftaten laut Verfassungsschutz |
Für Behörden und Zivilgesellschaft stellt sich die Frage, wie Prävention und Intervention aussehen müssen, wenn sich rechtsextreme Inhalte nicht mehr nur in organisierten Strukturen, sondern in fragmentierten Jugendnetzwerken verbreiten. Bildungsangebote, niedrigschwellige Beratungsangebote und digitale Aufklärung könnten hier zentrale Ansätze sein. Zugleich bleibt die Überwachung durch den Verfassungsschutz wichtig, um mögliche Radikalisierungsprozesse frühzeitig zu erkennen.
Die Beobachtung in Hamburg ist ein Indiz dafür, dass Erscheinungsformen von Rechtsextremismus sich wandeln: Vom organisierten Kadern hin zu flexibleren, medienvermittelten Szenen, die leichte Anknüpfungspunkte für politisch motivierte Ideologien bieten – gerade bei sozial und ökonomisch benachteiligten Jugendlichen, wie Voß anmerkt.