US-Präsident Donald Trump erklärte am Montagabend im Weißen Haus, es gebe derzeit Gespräche mit dem Iran – und zwar "auf Wunsch" der iranischen Seite. Zugleich untermauerte er seine Darstellung mit einer drastischen Drohung. Nach Trumps Worten wolle er dem Iran "jede letzte Chance vor der Enthauptung geben".
Konfliktpunkt Straße von Hormuz
Nach Trumps Darstellung konzentrieren sich die Verhandlungen zunächst auf die Wiederöffnung der für den internationalen Gas- und Ölhandel zentralen Straße von Hormuz. Er forderte, die Meerenge bis Dienstag vollständig zugänglich zu machen. Als zweite Phase nannte er die forcierte "Denuklearisierung" des Iran, deren Umsetzung er jedoch als langwierigen Prozess bezeichnete. Gleichzeitig teilte Trump mit, er habe einen groß angelegten Militärangriff – den er als den größten Einsatz der US-Streitkräfte "seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnete – vorerst ausgesetzt, um Verhandlungen zu ermöglichen.
Widerspruch aus Teheran
Das iranische Außenministerium widersprach der Darstellung aus Washington. Ismail Baghai, Sprecher des Außenministeriums, berichtete lediglich von bilateralen Gesprächen mit dem Oman über einen vorläufigen Schifffahrtskorridor in der Straße von Hormuz. Diese bilaterale Verständigung mit dem Nachbarland halte er nicht für ausreichend, um die Wasserstraße wieder zu öffnen. Solange die iranische Seite die von ihr empfundene "Aggression" aus den USA sehe, werde sich an der Situation nichts ändern, hieß es aus Teheran.
"Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben"
Weitere Aussagen und Maßnahmen
Trump warf dem Iran in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social Doppelzüngigkeit vor. Er behauptete, mehrere Staaten hätten die USA gebeten zu intervenieren, und beharrte darauf, dass mit den Gesprächen auch eine Lösung für ein seit Jahrzehnten bestehendes Problem im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm gesucht werde. Zugleich kündigte er eine Fortsetzung der bestehenden Seeblockade gegen iranische Häfen an, bis es entweder ein Abkommen oder eine "vollständige Kapitulation" gebe.
- Gegenstand der Gespräche laut Washington: Öffnung der Straße von Hormuz
- Angestrebte Frist: Öffnung bis Dienstag (laut Trump)
- Langfristiges Ziel laut US-Angaben: "Denuklearisierung" des Iran
- Iranische Darstellung: nur Verhandlungen mit Oman über einen Korridor; keine bilateralen Verhandlungen mit den USA
Einordnung und mögliche Folgen
Die Wasserstraße von Hormuz ist eine strategisch bedeutende Schifffahrtsroute für den globalen Öl- und Gastransport. De-facto-Veränderungen des Verkehrs dort haben unmittelbare Konsequenzen für die Energiepreise und die Versorgungssicherheit vieler Staaten. Die Ankündigung, einen groß angelegten Militäreinsatz vorerst zurückgestellt zu haben, signalisiert einerseits eine Öffnung für Verhandlungen; andererseits erhöht die öffentliche Drohung die Spannung und dürfte Verhandlungsspielräume verringern.
| Thema | US-Darstellung | Iranische Darstellung |
|---|---|---|
| Straße von Hormuz | Öffnung bis Dienstag gefordert | Nur Gespräche mit Oman über Korridor |
| Atomprogramm | Langfristige "Denuklearisierung" | Keine neuen Verhandlungen mit den USA |
| Militärische Optionen | Angriff zunächst abgesagt; Seeblockade fortgesetzt | Aggression der USA als Hindernis |
Die widersprüchlichen Verlautbarungen erschweren die Einschätzung des tatsächlichen Verhandlungsstandes. Für europäische und internationale Akteure bedeutet dies, dass diplomatische Bemühungen intensiviert werden müssten, um Eskalationen zu vermeiden und die Bewegungen auf den Energiemärkten abzusichern. Klar ist: Ohne unabhängige Bestätigung beider Seiten bleibt ungewiss, in welchem Umfang tatsächliche bilaterale Gespräche zwischen Washington und Teheran stattfinden und welche Zugeständnisse möglich wären.