Ein wachsendes psychisches Problem in Zeiten extremer Hitze
Der wiederkehrende Blick auf die Wetter-App kann zur Belastungsprobe werden: Prognosen mit Temperaturen jenseits der 40 Grad lösen bei manchen Menschen nicht nur Unbehagen, sondern deutliche Angstreaktionen aus. Im englischsprachigen Raum hat sich dafür der Begriff „heatwave anxiety“ etabliert, im Deutschen treffend als Hitzeangst bezeichnet.
Psychotherapeut Markus Böckle vom Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) ordnet die Beobachtung ein: Hitzeangst sei Teil einer Reihe von Klimagefühlen, die zunehmend in psychotherapeutischen Praxen auftauchen. Die Situation verstehe sich dabei nicht als isoliertes Einzelphänomen, sondern als Reaktion auf immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse, die Menschen direkt betreffen.
„Prinzipiell ist die Hitzeangst Teil einer Reihe von Klimagefühlen, die wir mehr und mehr in psychotherapeutischen Praxen erleben“
Auch die medizintechnische Perspektive warnt vor unterschätzten Folgen: Bereits in früheren Aussendungen wurde Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien mit der Einschätzung zitiert, dass während Hitzewellen ein deutlicher Anstieg von Stress, Angst und Depression zu beobachten sei und die Furcht, der Hitze nicht entkommen zu können, zu erheblichen psychischen Problemen führen könne.
Wer ist besonders gefährdet?
Betroffen sind laut Expertinnen und Experten vor allem Personen, bei denen Hitze gesundheitlich stärker durchschlägt. Dazu zählen:
- Mütter und Väter von kleinen Kindern
- Ältere Menschen und chronisch Kranke
- Pflegende Familienmitglieder, die sich um Vulnerable kümmern
Psychologin Caroline Hickman von der Universität Bath weist darauf hin, dass nach traumatischen Erlebnissen mit Extremwetterereignissen viele Menschen eine Erwartungsangst vor der nächsten Hitzewelle entwickeln. Dieses Muster – ein einmaliges Trauma führt zu andauernder Angst vor ähnlichen Ereignissen – zeigt sich nicht nur bei Überschwemmungen, sondern eben auch bei Hitzewellen.
Konsequenzen und Herausforderungen
Die Zunahme von Hitzeangst wirft mehrere Fragen auf: Wie müssen psychosoziale Unterstützungsangebote angepasst werden? Welche Rolle spielen präventive Informationen und niedrigschwellige Beratung, um Erwartungsängste zu reduzieren? Und wie lässt sich die Versorgung von besonders Betroffenen sicherstellen, ohne in Alarmismus zu verfallen?
| Betroffene Gruppe | Warum besonders belastet |
|---|---|
| Mütter und Väter kleiner Kinder | Fürsorgepflichten und Sorge um kindliche Gesundheit |
| Ältere / Chronisch Kranke | Erhöhte gesundheitliche Vulnerabilität gegenüber Hitze |
| Pflegende Angehörige | Belastung durch Versorgung und fehlende Rückzugsmöglichkeiten |
Fachleute betonen, dass die psychischen Folgen von Hitzewellen nicht als Randproblem abgetan werden dürfen. Die Entwicklung einer Erwartungsangst kann zu längerfristigen Belastungen wie anhaltendem Stress oder depressiven Symptomen führen. In der Praxis bedeutet das, dass psychotherapeutische und medizinische Angebote sowohl akute als auch präventive Aspekte berücksichtigen müssen.
Abschließend steht fest: Mit der Zunahme extremer Hitzeereignisse wächst auch die Bedeutung der psychischen Dimensionen. Die Erkenntnisse aus Therapiepraxen und der Wissenschaft sollten in Gesundheitspolitik und Versorgungsplanung einfließen, damit Vorsorge, Information und Hilfe zielgerichtet angeboten werden können.