Konstante Vollauslastung: Notbetten werden zur Regel
Das Oberkärntner Frauenhaus in Spittal an der Drau arbeitet seit geraumer Zeit am Limit. Nach Angaben der Einrichtung ist die Auslastung seit zwei Jahren durchgehend über der regulären Kapazität. Um akute Hilfe sicherzustellen, wurde sogar das Wohnzimmer in ein zusätzliches Notzimmer umgewidmet. Damit wird eine sechste Einheit dauerhaft mitbelegt, obwohl die Einrichtung im Normalbetrieb mit fünf Wohneinheiten kalkuliert.
„Wir sind seit zwei Jahren über 100 Prozent ausgellastet.“
Diese Bestandsaufnahme der Geschäftsführung verdeutlicht, dass Ausweichlösungen nicht mehr Ausnahme, sondern zur neuen Routine geworden sind. Jede frei verfügbare Schlafmöglichkeit wird nach internen Angaben vergeben, um Betroffene rasch unterzubringen.
Zahlen, die den Druck sichtbar machen
Die Lage lässt sich auch an den Belegungstagen ablesen: Ausgehend von einer rechnerischen Hundertprozent-Auslastung ergäben sich 1.865 Vollbelegungstage pro Jahr mit Frauen. Tatsächlich liegt die Zahl beständig bei weit über 2.000 – möglich nur, weil jedes Notbett regelhaft in Anspruch genommen wird. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt laut Einrichtung inzwischen rund 100 Tage; in dringenden Fällen wird sie entsprechend verlängert.
| Kennzahl | Regelbetrieb | Tatsächliche Situation |
|---|---|---|
| Wohneinheiten | 5 | 6 (inkl. Notzimmer) |
| Vollbelegungstage/Jahr | 1.865 | > 2.000 |
| Ø Aufenthaltsdauer | - | ca. 100 Tage |
Hauptursache: angespannter Wohnungsmarkt
Als zentrales Motiv für die anhaltende Überfüllung nennt die Leitung die Lage am Wohnungsmarkt. Leistbare Wohnungen sind schwer zu bekommen, Wechsel werden selten. Diese Realität verlängert die Aufenthalte im Schutzhaus – und bindet Plätze, die kurzfristig für weitere Betroffene gebraucht würden.
„Grundsätzlich hat sich die Aufenthaltsdauer verlängert, weil der Wohnmarkt trotz der Unterstützung durch Genossenschaften und Gemeinden nicht mehr so ist, wie er einmal war.“
In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn Betroffene bereit wären, in eine eigene Unterkunft zu ziehen, verzögert die Wohnungssuche den nächsten Schritt. Unterstützung durch Wohnbaugenossenschaften oder Gemeinden wird genutzt, reicht aber in Summe nicht aus, um den Engpass rasch zu entschärfen.
Regionale Bindung führt zu Wartelisten
Ein weiterer Faktor, der die Situation verschärft, ist die regionale Verankerung vieler Betroffener. Frauen aus dem Bezirk Spittal an der Drau möchten – wenn möglich – nicht in andere Häuser ausweichen. Das ist nachvollziehbar, weil der Verbleib in der Nähe des eigenen sozialen Umfeldes, rechtlicher Termine oder von Kinderbetreuung und Schule oft entscheidend ist. Die Kehrseite: Es entstehen Wartelisten, weil die Plätze lokal gebunden sind und nicht beliebig verlagert werden können.
Was das für den Bezirk bedeutet
- Die Schutzkapazitäten sind auf Dauerbetrieb ausgelegt – Reserven für Spitzen fehlen.
- Längere Aufenthaltsdauern blockieren Übergangsplätze, Notfallsituationen erfordern improvisierte Lösungen.
- Der Druck am Wohnungsmarkt wirkt unmittelbar auf das Hilfesystem zurück und verlängert Wege in eigenständiges Wohnen.
Die jüngsten Diskussionen um die Auslastung des Frauenhauses in Villach haben das Thema überregional sichtbar gemacht. Die Rückmeldungen aus Spittal zeigen, dass auch in Oberkärnten strukturelle Faktoren wirken, die kurzfristig kaum zu kompensieren sind. Die Einrichtung betont, dass Notfälle weiterhin versorgt werden – auch um den Preis, Gemeinschaftsräume in temporäre Quartiere zu verwandeln.
Ausblick: Nachfrage bleibt hoch, Flexibilität gefordert
Solange sich an der Verfügbarkeit leistbarer Wohnungen wenig ändert, ist – den vorliegenden Angaben zufolge – nicht mit einer raschen Entspannung zu rechnen. Die Folge ist ein dauerhafter Spagat: Schutz gewährleisten, Übergänge in die Selbstständigkeit ermöglichen und zugleich Platz für neue Fälle freihalten. In diesem Rahmen setzt das Frauenhaus in Spittal auf pragmatische Lösungen, die kurzfristig helfen, aber auf lange Sicht zusätzliche Kapazitäten und raschere Wohnungszugänge voraussetzen würden, um nachhaltig zu entlasten.