Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Auswahl der Entwürfe bekanntgegeben, die in die Endrunde für die Neugestaltung der Euro-Banknoten eingegangen sind. Zur Entscheidung stehen Arbeiten, die auf zwei unterschiedlichen Leitmotiven basieren: „Europäische Kultur“ einerseits sowie „Flüsse und Vögel“ andererseits. Damit beginnt die Phase, in der die öffentliche Meinung und eine repräsentative Erhebung in die Beurteilung einfließen sollen.
Vom Kunstwettbewerb in die öffentliche Debatte
Die EZB hat neben der Veröffentlichung der ausgewählten Gestaltungsvorschläge eine öffentliche Umfrage gestartet, in der Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa ihr Feedback abgeben können. Parallel dazu wird ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut dieselben Fragen an eine repräsentative Stichprobe des Euroraums richten. Die EZB kündigte an, nach Abschluss des Auswahlverfahrens einen Bericht über die Ergebnisse beider Erhebungen zu veröffentlichen.
„Durch Designs, die Schönheit und Sinn in sich vereinen, werden sie unsere gemeinsame Identität stärken.“
Dieses Urteil stammt von EZB-Chefin Christine Lagarde, die in ihrer Stellungnahme hervorhob, dass Banknoten mehr als Zahlungsmittel seien und als eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas fungierten.
Entscheidungsprozess und Zeitplan
Der endgültige Beschluss über das Gestaltungskonzept liegt beim EZB-Gremium; die Entscheidung wird nach eigenen Angaben voraussichtlich gegen Jahresende fallen. Grundlage für die Auswahl sind mehrere Informationsquellen: die Schlussfolgerungen der Jury des Designwettbewerbs, eine technische Bewertung und die Ergebnisse der beiden Umfragen.
- Vorstellung der Endauswahl: Mitte Juli
- Öffentliche Umfrage und repräsentative Stichprobe: laufend
- Erwartete endgültige Entscheidung des EZB-Gremiums: gegen Jahresende
- Weiterentwicklung und Testphase der ausgewählten Entwürfe vor Produktion
Die EZB weist darauf hin, dass die Banknoten der bisherigen Serien ihren Wert behalten und neben der neuen Serie weiterhin im Umlauf sein werden. Es handelt sich um die erste vollständige Neugestaltung der Euro-Banknoten seit ihrer Einführung im Jahr 2002.
| Meilenstein | Information |
|---|---|
| Vorstellung Endauswahl | 23. Juli (Präsentation durch die EZB) |
| Entscheidung | Voraussichtlich gegen Jahresende |
| Bisherige erste Serie | In Umlauf seit 2002 |
Kulturelle und praktische Dimensionen
Die zwei vorgeschlagenen Themen spiegeln unterschiedliche Verständnisse dessen wider, was eine gemeinsame europäische Identität repräsentieren kann: Einerseits stehen Persönlichkeiten und Werke der europäischen Kultur im Vordergrund; andererseits bieten Naturmotive wie Flusslandschaften und Vögel eine neutralere, symbolisch geladene Bildsprache. Beide Richtungen tragen die Möglichkeit in sich, politische und ästhetische Debatten auszulösen — etwa hinsichtlich Repräsentation, Regionalität und dem Verhältnis von Funktionalität und künstlerischer Gestaltung im Alltag.
Nach der Auswahl wird das gewählte Design weiter ausgearbeitet und technischen Prüfungen unterzogen, ehe die Produktion beginnt und die neuen Banknoten in den darauffolgenden Jahren in Umlauf gebracht werden. Bis dahin bleiben die bisherigen Scheine gültig und weiter im Gebrauch.
Die laufende Beteiligung der Öffentlichkeit stellt einen bemerkenswerten Schritt dar: Sie verbindet den formalen Entscheidungsprozess einer Währungsinstitution mit dem Anspruch auf breite gesellschaftliche Teilhabe an Fragen visueller Repräsentation. Welche Motive am Ende den Geldbeutel der Österreicherinnen und Österreicher zieren werden, entscheidet sich in den kommenden Monaten.